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Misshandlungsskandal: Milde Strafe für Abu-Ghreib-Soldatin

Der Skandal von Abu Ghreib war vor einem Jahr ans Licht gekommen und hatte die Welt schockiert. Jetzt verurteilte ein Gericht erstmals eine Frau für den Missbrauch von Gefangenen.

Die US-Soldatin Sabrina Harman muss wegen des Missbrauchs von irakischen Gefangenen im berüchtigten Bagdader Gefängnis Abu Ghreib für sechs Monate ins Gefängnis. Ein Gericht in Fort Hood in Texas hatte die Soldatin Sabrina Harman zuvor in vier Fällen des Missbrauchs, in einem Fall der Verschwörung zum Missbrauch sowie in einem weiteren Fall der Pflichtvernachlässigung für schuldig befunden. Wie US-Medien am Dienstagabend berichteten, wird sie zudem unehrenhaft aus der Armee entlassen. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht nicht nur deutlich unter der Höchststrafe von fünfeinhalb Jahre Haft, sondern auch unter der Forderung der Anklage nach drei Jahren Gefängnis.

Harman ist neben Lynndie England die zweite Frau, die auf Fotos mit nackten oder in demütigenden Positionen fotografierten Häftlingen in Abu Ghreib zu sehen ist. Auf einem der Bilder posiert sie mit dem bereits verurteilten Reservisten Charles Graner hinter einer Pyramide nackter Häftlinge. Auf einem anderen ist sie neben einem Gefangenen zu sehen, auf dessen Bein sie "Vergewaltiger" geschrieben haben soll.

Mutmaßlicher Rädelsführer der Vorgänge in dem Militärgefängnis war Charles Graner. Im Januar war er zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Zuvor hatten sich insgesamt sechs Soldaten schuldig bekannt, einen Prozess damit vermieden und Strafen bis zu acht Jahren erhalten.

Der Prozess gegen die bekannteste Angeklagte, Lynndie England, war vor zwei Wochen geplatzt. England hatte sich zunächst schuldig bekannt. Doch dann hatten ihre Verteidiger Graner als Zeugen aufgeboten. Dieser bezeichnete England als unschuldig; der Richter hielt das Schuldbekenntnis daraufhin für nicht glaubwürdig und beendete das Verfahren. Inzwischen bereiten die Ankläger allerdings eine neue Anklage vor.

AP/DPA / AP / DPA