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Nordkorea: Grauer Anzug, kein Anstecker: Was will Kim Jong Un mit seinem ungewöhnlichen Outfit sagen?

Hellgrauer Anzug, Hornbrille, kein Kim-Anstecker an der Brust und dazu relativ milde Töne. Kim Jong Un präsentierte sich bei seiner Neujahrsansprache anders als gewohnt. Experten diskutieren, was es damit auf sich haben könnte.

Kim Jong Un im grauen Anzug

Kim Jong Un bei seiner Neujahransprache im grauen Anzug - ohne Anstecker

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Selten tauscht Kim Jong Un seinen Mao-Anzug gegen ein westliches Modell. Das letzte Mal trug er Krawatte und fallendes Revers am 15. April vergangene Jahres. Dieser Tag ist der Geburtstag seines Großvaters, Nordkoreas Staatsgründer und "ewiger Präsident" Kim Il Sung - mithin der wichtigste Feiertag der Diktatur. Für seine Neujahrsansprache vor zwei Tagen wählte der junge Kim erneut eine moderne Garderobe. Zudem noch in auffälligem Hellgrau statt in den sonst üblichen, gedeckten Farben. War dem Diktator einfach nur danach oder wollte er eine Botschaft senden? Und falls ja, welche?

Kims Auftritt - eine Runderneuerung?

Die Gruppe der Pjöngjang-Versteher, Nordkorea-Beobachter und sonstigen Experten war sich nach der überraschend entgegenkommenden Ansprache Kims sicher: Sein ganzer Auftritt war eine diplomatische Runderneuerung. "Er sieht aus wie ein Banker in Armani", sagte Robert Kelly von der Universität Pusan. Yang Moo Jin von der Universität in Seoul sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Kims silberfarbener Anzug und die Hornbrille, sowie die Tatsache, dass er nicht den obligatorischen Anstecker mit dem Antlitz von Vater und Großvater trägt, zeigt sein Selbstbewusstsein und beweist, dass er alles unter Kontrolle hat."


Der fehlende Anstecker ist tatsächlich auffällig. Zwar hatte Kim bei anderen Gelegenheiten schon einmal die übliche Respektsbekundung weggelassen (auch damals trug er einen Anzug), doch normalerweise ist es für Nordkoreaner üblich, die Pins sichtbar an der Kleidung zu tragen. Links, oberhalb des Herzens. Nach wie vor genießen die beiden abgebildeten Kims (Großvater Kim Il Sung und Vater Kim Jong Il) eine Art Heiligenstatus in dem Land. Wer auf seinen Anstecker verzichtet, macht sich schnell verdächtig, den verstorbenen Staatsführern nicht ehrfürchtig genug zu begegnen.

Fühlt sich Kim nun sicher und stark?

Unter diesen Verdacht wird der jüngste Kim nicht so schnell geraten, und doch scheint er erst jetzt, im fünften Jahr seiner Herrschaft, seine Macht innerhalb des Regimes zu festigen. Dafür spricht, dass er sich nach erfolgreichen Raketen- und Atombombentests stark genug fühlt, kleine Schritte auf den Süden zugehen zu können und sein Land moderner präsentieren will. "Mit seinem Wechsel von dunklen Mao- auf sanfteren, grauen Anzügen scheint Kim signalisieren zu wollen, dass Nordkorea nun in eine entspanntere Phase eintreten will", heißt es beim südkoreanischen Institut für Wiedervereinigung.


In seiner Neujahrsrede hatte Kim Jong Un bereits mit milden Worten überrascht. Zwar gab es die üblichen Drohungen gegen die USA, verbunden mit dem Hinweis auf den Atomknopf am Schreibtisch, doch gleichzeitig ging der Machthaber auf das Gesprächsangebot aus Seoul ein. Zudem sagte er, er könne sich vorstellen, Sportler zu den Winterspielen in Pyeongchang zu entsenden. Ein erstes Gespräch dazu hat es über eine wieder geöffnete Telefonleitung am Mittwochmorgen schon gegeben.

Kim Jong Un in dunklem Anzug

Kim Jong Un im gewohnten Mao-Anzug mit Anstecker

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Vermutlich wird der Führer der isolierten Diktatur durchaus Hintergedanken bei seiner Charmeattacke gehabt haben. Denn die neuen Sanktionen, die gegen das Land wegen der Waffentests verhängt wurden, treffen Nordkorea teilweise erheblich. Bereits in der Vergangenheit war die Führung in Pjöngjang immer dann handzahm, wenn die Versorgungslage dabei war, sich absehbar zu verschlechtern.

Donald Trump eher skeptisch

Auf jeden Fall wird der vergleichsweise milde Ton positiv aufgenommen. "Ich sehe das insoweit positiv, als das Kim nicht gesagt hat 'Lass uns in den Krieg ziehen'", sagte Tom Plant vom britischen Thinktank Royal United Services Institute. "Er will offenbar etwas den Ton mäßigen, weil Nordkorea kein Interesse an Krieg hat", so Plant in der australischen Seite "news.com.au". Auch US-Präsident Donald Trump hat auf Kims Ansprache reagiert, wenn auch skeptischer: "Vielleicht ist das eine gute Nachricht, vielleicht nicht - wir werden sehen."