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Afghanistan: US-Armee soll auch in Afghanistan gefoltert haben

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen die US-Armee in Afghanistan. Auch dort sollen seit mehr als einem Jahr Gefangene systematisch gefoltert worden sein.

US-Soldaten und -Geheimdienstler misshandeln afghanische Gefangene nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bereits seit mehr als einem Jahr systematisch. Die Organisation forderte am Donnerstag in London von den USA die unverzügliche Offenlegung von Untersuchungen zu Folterungen in Afghanistan. Nach Angaben der Menschenrechtler wurde dabei ein Gefangener im Dezember 2002 getötet, ein weiterer im Juni vergangenen Jahres.

"Afghanen haben uns seit gut einem Jahr über Misshandlungen in US- Gewahrsam berichtet", sagte der bei Human Rights Watch für Afghanistan verantwortliche Jon Sifton. "Wir haben US-Vertreter im Jahr 2003 und 2004 wiederholt auf die Probleme hingewiesen." In einem Bericht vom März diesen Jahres hatte Human Rights Watch bereits detailliert zahlreiche Fälle von Misshandlungen wie Schlafentzug, Kältehaft oder Schläge dokumentiert.

Nackt fotografiert und sexuell missbraucht?

Am Mittwoch hatten die US-Streitkräfte in Afghanistan mitgeteilt, sie hätten eine Untersuchung zu Misshandlungsvorwürfen eingeleitet. Ein afghanischer Polizist hatte der "New York Times" gesagt, er sei in US-Gefangenschaft nackt fotografiert, sexuell missbraucht und getreten worden. Die afghanische Regierung forderte eine rasche Aufklärung der Vorwürfe.

In der südafghanischen Provinz Kandahar töteten US-Truppen unterdessen nach afghanischen Angaben fünf Taliban-Kämpfer, fünf weitere wurden gefangen genommen. Ein Sprecher der Provinzregierung sagte nach Angaben der in Pakistan ansässigen afghanischen Nachrichtenagentur AIP, unter den Gefangenen sei auch ein lokaler Kommandeur der radikalislamischen Rebellen.

DPA / DPA