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Briefbombe in Schweizer Pro-Atom-Organisation: Zwei Frauen werden durch Explosion verletzt

Eine Briefbombe ist am Morgen im Büro eines Schweizer Atomlobbyisten explodiert. Nach Angaben der Polizei gab es zwei Verletzte. Das Büro von swissnuclear befindet sich in der Innenstadt von Olten im Kanton Solothurn nahe der deutschen Grenze.

In einem für Atomfragen zuständigen Büro des Schweizer Elektrizitätsverbandes in Olten im Schweizer Kanton Solothurn sind am Donnerstag zwei Mitarbeiterinnen durch eine Briefbombe verletzt worden. Nach Polizei-Angaben explodierte die Bombe am Vormittag im Büro der Organisation swissnuclear, die innerhalb des Verbandes swisselectric für Kernenergie-Fragen zuständig ist und sich nach eigenen Angaben für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Kernkraftwerke in der Schweiz einsetzt. Die Organisation wird von den großen Schweizer Stromkonzernen getragen, die die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg betreiben.

Nach weiteren Polizeiangaben wurden die beiden Frauen wohl nur leicht verletzt. Sie seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Es dürfte sich hauptsächlich um Hautverletzungen handeln, sagte ein Sprecher der Kantonspolizei Solothurn. Über die Täter lägen noch keine Erkenntnisse vor.

Am Donnerstagvormittag fand in Olten vor der Zentrale des größten Schweizer Stromkonzerns Alpiq eine Demonstration der Umweltorganisation Greenpeace statt. Daran nahmen nach Greenpeace-Angaben etwa 30 Personen teil.

Nach der Reaktor-Katastrophe in Japan ist auch in der Schweiz eine Diskussion über die Sicherheit der Kernkraftwerke in Gang gekommen. Die Regierung setzte Mitte März das Rahmen-Zulassungsverfahren für drei neue Kernkraftwerke aus und ordnete für die bestehenden Anlagen eine außerplanmäßige Sicherheitsprüfung an.

Die ersten der heute noch laufenden Schweizer Kernkraftwerke sind vor mehr als 40 Jahren in Betrieb genommen worden. Nach 2020 laufen die ersten Betriebsgenehmigungen aus und die Stromkonzerne Bernische Kraftwerke (BKW), Alpiq und die in der Nordostschweiz tätige AXPO haben Rahmenbewilligungsanträge für bis zu drei neue Werke an den bisherigen Standorten eingereicht. An BKW ist der deutsche Energiekonzern E.ON mit sieben Prozent beteiligt. Die französische EFD hält 25 Prozent an Alpiq. AXPO steht im Besitz der Kantone.

Reuters/DPA / DPA / Reuters