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Kampf gegen Coronavirus: China macht die Grenzen dicht – wohl aus Angst vor den eigenen Landsleuten

In der Nacht von Freitag auf Samstag schließt China die Grenzen für alle Ausländer. Visa gelten nicht mehr. Was steckt hinter diesem rigorosen Schritt?

Ein Reisender in Schutzkleidung am Flughafen Peking

Ein Reisender in Schutzkleidung am Flughafen Peking

AFP

Nach China zu reisen, war in den vergangenen Tagen schon nicht leicht gewesen. Wer nach Peking wollte, dessen Flug wurde zunächst in eine der angrenzenden Provinzhauptstädte umgeleitet.

Nach einer stundenlangen Prozedur, einschließlich eines Covid-19-Tests und Warten auf das Ergebnis ging es schließlich in ein Hotel, in dem man die kommenden 14 Tagen unter medizinischer Beobachtung in Quarantäne verbringen musste. Doch auch damit ist jetzt Schluss. 

Zahlen der Neuinfektionen aus dem Ausland steigen

Völlig überraschend hat China in der Nacht zum Freitag verkündet, die Grenzen für alle Ausländer zu schließen. Die Regelung tritt in der Nacht von Freitag auf Samstag um Mitternacht in Kraft und betrifft alle nicht chinesischen Bürger mit Visa oder dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung. Davon ausgenommen sind nur Diplomaten. Sie gilt zunächst für unbestimmte Zeit. In der Erklärung heißt es, man wolle damit die Verbreitung von Covid-19 weiter eindämmen.

Über die Gründe Pekings für diesen rigorosen Schritt kann man nur spekulieren. Vordergründig sind da die Zahlen: Während die Zahl der Neuinfektionen zuletzt an manchen Tagen auf null gesunken war, stiegen zuletzt die Zahlen der Neuinfektionen aus dem Ausland.

Tatsächlich dürfte die Regelung in erster Linie darauf abzielen, chinesische Staatsbürger von der Rückkehr nach China abzuhalten, ohne das explizit zu sagen. Zeitgleich nämlich hat Peking alle inländischen Fluggesellschaften dazu angehalten, von nun an pro Woche nur noch einen Auslandsflug zu bedienen. Auch ausländische Fluggesellschaften sollen China nur noch einmal pro Woche anfliegen.

Vor allem Auslandsstudenten sind in den vergangenen Wochen nach China zurückgekehrt, weil sie sich dort sicherer fühlen als zum Beispiel in Großbritannien oder den USA. Von 541 importierten Covid-19-Fällen hatten 90 Prozent einen chinesischen Pass. Wenn nun nur noch ein Flugzeug pro Woche China anfliegt, sitzen viele von ihnen fest, weil sie keinen Platz bekommen oder sich die horrenden Ticketpreise nicht mehr leisten können. 

Reise-Restriktionen in Hubei gelockert

Die massenhafte Einreise in den vergangenen Wochen dürfte die Behörden vor eine große Herausforderung gestellt und die Quarantäne-Kapazitäten an ihre Belastungsgrenze gebracht haben. Schon seit Wochen wurden die Regeln für Einreisende immer weiter verschärft. Wer nach Peking oder Shanghai reist, konnte anfangs noch seine 14 Tage Quarantäne daheim absitzen. Später musste man sich in einem Hotel einfinden, in dem man medizinisch überwacht wurde. Die Kosten musste man selbst tragen. Neuerdings ist die Rede von "collective quarantine", was wohl auf ein zentrales Quarantäne-Zentrum hinausläuft.

Darüber hinaus geht es wohl auch darum, die eigene Bevölkerung zu beruhigen. Viele Chinesen leben seit Monaten in permanenter Angst vor dem Corona-Virus. Diese Woche nun wurden endlich die Reisebeschränkungen für die Provinz Hubei gelockert. Dort sitzen 40 Millionen Menschen seit über zwei Monaten fest. Ab 8. April sollen auch Reisen von und nach Wuhan eingeschränkt wieder möglich sein. Gerade jetzt, als sich die Lage zu entspannen scheint, will man ein Zeichen setzen. 

Sondergenehmigungen denkbar

Zudem will Peking möglichst bald den Nationalen Volkskongress abhalten. Der war dieses Jahr für 5. März geplant und wurde wegen der Corona-Krise zum ersten Mal in seiner Geschichte vertagt. Ein neuer Termin steht noch aus. Die Region um Peking gleicht derzeit einem Cordon sanitaire. Seit einer Woche werden sämtliche Flüge nach Peking auch Flughäfen in der Region umgeleitet. So soll die Hauptstadt auf jeden Fall virusfrei gehalten werden.

Für die vielen ausländischen Unternehmen in China ist die Regelung ein großes Problem. Schon vor vier Wochen beklagte die europäische Handelskammer in Peking, dass es der Personenverkehr für viele Firmen im Moment eine der größten Herausforderungen sei.

Allerdings lässt die Erklärung des chinesischen Außenministeriums einen kleinen Spielraum: "Die Einreise von Personen mit Visa, die nach diesem Dekret erteilt werden, sind davon nicht betroffen." Sondergenehmigungen sind also denkbar. Aber: Man wird sich auf astronomische Ticketpreise einstellen müssen: Ein Flug von Frankfurt nach Peking kostet derzeit zwischen 2000 und 4000 Euro.

rw