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Nach Trump-Äußerungen: Fox News befragt falschen Sicherheitsberater zu Schweden

Wie unsicher ist Schweden? Donald Trump hatte unlängst von "Ereignissen" in Schweden gesprochen. Die gab es aber gar nicht. Der Trump-freundliche Sender Fox News befragte daher nun einen Sicherheitsfachmann. Doch der kennt sich in Schweden gar nicht aus.

Nils Bildt Fox News

Nils Bildt sollte Fox News zufolge schwedischer Berater für Verteidigung und nationale Sicherheit sein

Bislang war Schweden kein großes Thema für die US-amerikanische Politik. Das hat sich in den vergangenen Tagen geändert. Seit Donald Trump das skandinavische Land als Problemfall zeichnet, um die eigene Einwanderungspolitik zu rechtfertigen, ist die dortige Sicherheitslage plötzlich zu einer auch für die USA wichtigen Frage geworden. Der Trump-freundliche Sender Fox News zeichnet Schweden seither gern als Problemland, und auch Moderator Bill O'Reilly zielte in seiner Sendung "The O'Reilly Factor" nun in diese Richtung. Er präsentierte Statistiken, die den Eindruck erzeugten, dass schwedische Frauen wegen der Flüchtlinge in Angst und Schrecken lebten - und zog anschließend einige Experten zum Thema zu Rate.

Unter ihnen: Nils Bildt, der vom Sender mit der eindrucksvollen Bezeichnung "schwedischer Berater für Verteidigung und nationale Sicherheit" vorgestellt wurde und prompt von großen Problemen des Landes sprach. Er widersprach einer schwedischen Journalistin entscheiden, die zuvor zu Wort gekommen war und gesagt hatte, dass Schweden nach wie vor eines der sichersten und friedlichsten Länder sei. Das sei "unkorrekt", erklärte Bildt. Schweden habe ein Problem mit der Kriminalität, aber über Einwanderung dürfe nicht offen geredet werden. Zum Thema Flüchtlinge sagte er: "Wir sind unfähig in Schweden, diese Leute sozial zu integrieren."


Bildt soll verurteilter Straftäter sein

Dumm nur: Der Mann ist in Schweden offenbar gänzlich unbekannt. Die schwedische Zeitung "Dagens Nyheter" hat jedenfalls beim schwedischen Verteidigungsministerium und auch beim Außenministerium nachgefragt - in beiden Behörden habe man noch nie von dem angeblichen Berater gehört. Statt dessen, so recherchierte die Zeitung, sei der Mann 1994 in die USA ausgewandert und betreibe dort mehrere Sicherheitsfirmen. Zudem soll Bildt der Zeitung zufolge selbst ein verurteilter Straftäter sein: Im Juni 2014 habe er Ordnungskräfte angegriffen und sei daraufhin zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.

Die Zeitung hatte auch Kontakt mit Bildt persönlich aufgenommen. In einer Email hatte er demnach erklärt, er könne zu den Vorwürfen nichts sagen, da sie ihm nicht bekannt seien. Er schreib weiter, dass er sich den Titel "Berater für Verteidigung und nationale Sicherheit" nicht selbst gegeben habe. "Der Titel wurde vom Fox News Redakteur gewählt", zitiert die Zeitung aus seiner Mail. "Ich hatte persönlich keinen Einfluss darauf, welchen Titel sie mir geben." Er arbeite als unabhängiger Analyst in den USA.

Die Debatte um Schweden hatte Donald Trump Ende vergangener Woche selbst losgetreten. Der US-Präsident hatte mit der Aussage "Schaut Euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist!" verwirrt und das Land in einem Atemzug mit Anschlagszielen wie Brüssel, Nizza und Paris genannt. Den Vorfall in Schweden hatte es aber gar nicht gegeben. Das Außenministerium in Stockholm hatte daraufhin auf seiner Website eine Reihe von Statistiken als Reaktion auf "vereinfachende oder komplett irrtümliche" Behauptungen veröffentlicht, die nach Trumps Äußerungen verbreitet worden waren.

car