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Trumps "Vorfall": Wie die schwedische Zeitung "Aftonbladet" den Fox-News-Beitrag demontiert

Mit seiner Behauptung, in Schweden sei es durch Flüchtlinge kürzlich zu einem "Vorfall" gekommen, sorgte Donald Trump weltweit für Verwirrung. Später sagte Trump, er habe sich auf einen Fox-News-Bericht bezogen. Doch dieser weist offenbar einige Ungereimtheiten auf.

Donald Trump

Bei einer Kundgebung in Florida berichtete Donald Trump seinen Anhängern von einem "Flüchtlingsvorfall" in Schweden. Er berief sich dabei auf einen Bericht des US-Senders Fox News. Doch nun kommen Zweifel an dem Beitrag auf.

Seit seinem Amtsantritt setzt Donald Trump alles daran, die Migration in den USA zu begrenzen. Auch nach seinem gekippten Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern wird Trump nicht müde, die Gefahren der Migration zu betonen - und beruft sich dabei auch schon mal auf Ereignisse, die so nie passiert sind. Bei einer Veranstaltung in Florida hatte Trump vor seinen Anhängern von einem Flüchtlingsvorfall in Schweden berichtet. Wie Präsident Trump später via Twitter verkündete, habe er sich auf einen Bericht des konservativen US-Fernsehsenders Fox News gestützt. Weltweit, aber besonders in Schweden, sorgte die vage Behauptung eine "Vorfalls" für Verwirrung. Nun hat die schwedische Zeitung "Aftonbladet" auf den Fox-Bericht reagiert.

Laut "Aftonbladet" sei der Fox-Bericht aus der Sendung "Tucker Carson Tonight" gespickt mit Fehlern und Übertreibungen. Konkret ging es in dem Bericht um die Folgen der Flüchtlingskrise in Schweden. Das skandinavische Land hat gemessen an seiner Einwohnerzahl eine besonders hohe Zahl an Flüchtlingen aufgenommen. Für Rechtspopulisten und rechtskonservative Medien ein gefundenes Fressen.

"Vorfall" soll sich schon 2010 ereignet haben

Der Fox-News-Reporter sagte zum Ende seines Beitrags: "Es ist nicht lange her, dass der erste islamische Terroranschlag in dem Land stattfand." Laut "Aftonbladet" kann sich der Reporter nur auf einen Vorfall beziehen - doch der liegt bereits über sechs Jahre zurück. 2010 hatte sich der Selbstmordattentäter Taimour Abdulwahab in der Innenstadt Stockholms in die Luft gesprengt. Abdulwahab starb, zwei Passanten wurden verletzt.

Weiter zeigt das "Aftonbladet" genau auf, wo weitere Ungenauigkeiten und Fehler in dem Fox-Bericht liegen sollen. Um auch potentielle US-Leser zu informieren, verfasste die schwedische Zeitung den Beitrag auf Englisch. Einige Kernpunkte haben wir hier für Sie zusammengefasst, die gesamte Liste an Ungereimtheiten können Sie beim "Aftonbladet" nachlesen.

Waffengewalt und Vergewaltigungen

Der Bericht von Fox-News hatte nahegelegt, dass es seit Beginn der Flüchtlingskrise zu einem massiven Anstieg an Waffengewalt und Vergewaltigungen in Schweden gekommen sei. Laut "Aftonbladet" sei es zwischen 2014 und 1015 zwar zu einem Anstieg der Kriminalität gekommen, die Kriminalitätsrate sei jedoch nicht höher als im Jahre 2005, und damit lange vor der Flüchtlingskrise. Die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen sei im Vergleich zum Vorjahr gar um zwölf Prozent zurückgegangen.

160.000 Flüchtlinge sind 2016 nach Schweden gekommen

In dem Bericht wurde angeführt, dass im vergangenen Jahr 160.000 Flüchtlinge nach Schweden gekommen sind. Daten des schwedischen Amtes für Migration zeigen jedoch, dass 2016 nur 30.000 Flüchtlinge Anträge auf Asyl gestellt haben. 2015, zu Hochzeiten der Flüchtlingskrise, seien es hingegen 163.000 gewesen.

Flüchtlinge erhalten sehr großzügige Zuwendungen

Der Fox-Bericht legte zudem nahe, dass Flüchtlinge in Schweden neben Bildung und Unterkunft auch sehr großzügige finanzielle Zuwendungen erhalten. Auch dem ist laut "Aftonbladet" nicht so. Wie die Zeitung vorrechnet, erhalten Asylbewerber, die über keinerlei Vermögenswerte verfügen, zwischen 19 und 71 Kronen am Tag. In Euro umgerechnet entspricht dies Zahlungen zwischen 2 und 7,50 Euro am Tag.

Es gibt "No-Go-Zonen" in schwedischen Randbezirken

Auch das Argument, dass sich einige schwedische Vorstädte im Zuge der Flüchtlingskrise zu gesetzlosen "No-Go-Areas" entwickelt hätten, stimmt laut "Aftonbladet" nicht. Der Begriff werde weder von Polizisten verwendet, noch sei es richtig, dass Polizisten einige Gegenden meiden, weil diese zu gefährlich seien.

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amt