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Interview mit Dokumentarfilmer: Schweden am Abgrund? Auf diesen Fox-Beitrag bezog sich Donald Trump

Hält der Terror in Schweden Einzug? Diesen Eindruck hat US-Präsident Donald Trump erweckt. Nun ist klar: Er bezog sich auf einen Beitrag bei Fox News. Darin zeichnet ein Dokumentarfilmer ein etwas überraschendes Bild des Landes.

Sehen eine düstere Zukunft für Schweden wegen der liberalen Flüchtlingspolitik: Fox News-Moderator Tucker Carlson (l.) und Dokumentarfilmer Ami Horowitz (r.)

Sehen eine düstere Zukunft für Schweden wegen der liberalen Flüchtlingspolitik: Fox News-Moderator Tucker Carlson (l.) und Dokumentarfilmer Ami Horowitz (r.)

"Schaut Euch an, was in Deutschland passiert, schaut Euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist!", sagte US-Präsident Donald Trump auf einer Kundgebung in Florida und hatte dann Anschlagsziele wie Brüssel, Nizza und Paris aufgezählt. Dieser Ausspruch sorgt nicht nur in Schweden für Verwirrung. Denn einen Anschlag in Schweden hatte es schlicht nicht gegeben. Wie üblich versuchte Trump per Twitter für Aufklärung zu sorgen. "Sein Statement habe sich "auf eine Geschichte hinsichtlich von Einwanderern & Schweden" bezogen, die auf Fox News ausgestrahlt worden sei, schrieb Trump zur Erklärung am Sonntag.


Ganz konkret meinte Trump ein Interview mit dem US-Dokumentarfilmer Ami Horowitz. Das Gespräch strahlte Fox News am Freitag in der Sendung "Tucker Carlson Tonight" aus. Horowitz hatte sich mit Schweden und dessen liberaler Einwanderungspolitik beschäftigt und ist dabei zu einem Schluss gekommen, der Donald Trumps Einwanderungspolitik als klug dastehen lässt.

Fox-News-Interview mit Ami Horowitz

Horowitz berichtet, dass es einen deutlichen Anstieg von Gewaltverbrechen in Schweden gäbe, die auf Flüchtlinge zurückzuführen seien. "Allein 2016 hat Schweden mehr als 160.000 Flüchtlingen Asyl gewährt", sagt der Fox-Moderator in der Anmoderation zum Interview. Schweden hat wirklich laut offizieller Statistik 162.877 Personen Asyl gewährt - allerdings 2015. Neben dem Moderator laufen Bilder von einem dunkelhäutigen Mann, der einen Tonmann zu treten versucht. Dann ein brennendes Auto, das gelöscht wird - alles ohne eine Erklärung des Hintergrundes. In einem Ausschnitt aus Horowitz' Schweden-Dokumentation berichtet erst der Dokumentarfilmer selbst, dass Flüchtlinge die Gewalt in schwedische Städte trügen. Dann zeigt er zwei Männer an einem Tisch, die behaupten, dass es ein bis zwei Gewalttaten von Flüchtlingen pro Woche gäbe, während es vor fünf Jahren drei pro Jahr gegeben habe. "Diesen großen Anstieg hatten wir so nicht erwartet", sagt der zweite Mann noch. Wer die Männer sind und was sie zu Experten macht, erwähnt zumindest Fox in dem Beitrag nicht.

Anstieg bei Waffengewalt und Vergewaltigungen?

Anschließend kommt Horowitz in einem Fox-Interview selbst zu Wort. "Schweden sieht sich selbst als humanitäre Supermacht", sagt Horowitz. Daher sehe das Land sich moralisch verpflichtet, "jeden Flüchtling aufzunehmen, der zu ihnen kommt." Es habe aber seit dieser "Politik der offenen Tür" einen enormen Anstieg von Waffengewalt und Vergewaltigungen gegeben.

In der schwedischen Kriminalitätsstatistik findet sich tatsächlich ein Anstieg bei Morden seit 2012, allerdings gab es 2014 in Schweden mit 112 Fällen nur einen Mord mehr als 2007. Die Zahl der sexuellen Übergriffe ist in Schweden von 2014 auf 2015 sogar gesunken. Die schwedische Kriminalitätsstatistik für 2016 liegt noch gar nicht vor. Doch die Zahlen aus Schweden interessieren Horowitz offenbar ohnehin nicht so sehr. Seiner Meinung nach versucht die schwedische Regierung, Verbrechen von Flüchtlingen so gut wie möglich unter der Decke zu halten.

"Flüchtlinge leben in Schweden großartig"

Von den 160.000 Flüchtlingen hätten nur 500 eine Arbeit gefunden, berichtet Tucker Carlson. Wie denn die Arbeitslosen in Schweden leben würden, fragt er Horowitz. "Die leben großartig, Tucker!", ruft Horowitz da aus. Die Schweden seien unglaublich großzügig. Dafür gäbe es nun "No-go-Areas", in die sich nicht einmal die Polizei wagen würde, weil es zu gefährlich sei. Die Flüchtlinge hätten schöne Häuser und Siedlungen, in denen sie herumsitzen würden. Wer die Probleme mit Flüchtlingen in Schweden anspreche, werde als Rassist abgestempelt, behauptet Horowitz. Er sei selber auf einer Party in Stockholm angeschrien worden, als er über seine Arbeit gesprochen habe - obwohl die Statistiken doch eindeutig seien. Schweden werde dieselben Probleme mit Terrorismus bekommen wie Frankreich und Belgien, so die Schlussfolgerung des Dokumentarfilmers. Carlson fällt dazu nur noch eines ein. Mit einem Kopfschütteln und einem "Sad!" (dt.: "Traurig!") beendet er das Gespräch.

Schwedischer Terrorismusforscher widerspricht vehement

Ist Schweden also ein hoffnungsloser Fall? Anscheinend noch nicht: Terrorismusforscher Magnus Ranstorp von der Swedish Defense University erwiderte Fox News und Donald Trump auf Twitter in dessen Ton: "Ich habe gerade den Fox-News-Beitrag zu Schweden gesehen, auf den sich der US-Präsident bezog. Das sind FAKE NEWS."

mit DPA