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EINWANDERER: Hungerstreiks in australischen Flüchtlingslagern

Mittlerweile sind daran 370 Asylbewerber beteiligt. Verzweifelte Eltern drohten auch damit ihre Kinder umzubringen. Es gab sogar Selbstverstümmelungen.

Der Hungerstreik der Flüchtlinge in Australien hat sich am Wochenende offenbar massiv ausgeweitet. Am Sonntag beteiligten sich nach Angaben von Anwälten der Asylbewerber fast 200 weitere Menschen an den Protesten gegen den harten Kurs der Regierung. Insgesamt befinden sich rund 370 Flüchtlinge im Hungerstreik, darunter auch mehrere Kinder.

Behörden wiegeln ab

Die Behörden sprachen lediglich von 181 Hungerstreikenden im Lager Woomera, räumten aber ein, dass es Unterstützung in weiteren Unterkünften gibt. Hunderte Australier gingen am Sonntag wieder in mehreren Städten auf die Straße, um ihre Solidarität mit den Flüchtlingen zu demonstrieren.

Schon vier Kinder im Krankenhaus

In der Nacht zum Sonntag wurden drei weitere Kinder, die an dem Hungerstreik teilnahmen, in ein Krankenhaus gebracht. Damit befinden sich jetzt vier Kinder zur medizinischen Beobachtung in der Klinik von Woomera, wie ein Sprecher der Einwanderungsbehörde mitteilte.

Selbstmordversuche und Verstümmelungen

Im Lager Woomera in der Wüste rund 1.800 Kilometer westlich von Sydney lehnen etwa 180 Menschen seit fast zwei Wochen jede Nahrung ab, um so gegen schlechte Unterbringung bei 40 Grad Hitze sowie Verzögerungen in ihren Asylverfahren zu protestieren. Unter ihnen sind 14 Frauen und noch fünf Kinder. 35 Teilnehmer des Hungerstreiks haben sich ihre Lippen zunähen lassen, Dutzende versuchten nach Angaben ihrer Anwälte, sich das Leben zu nehmen. Am Samstag sprang einer der Flüchtlinge in eine Rolle Stacheldraht. Er wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Sein Zustand sei stabil, erklärten die Behörden.

Zwangseinweisung als »Abschreckung«

Auch in Lagern in Westaustralien und bei Melbourne beteiligen sich Flüchtlinge an dem Protest. Die australische Regierung lehnt es ab, den Forderungen der Flüchtlinge entgegenzukommen. Die Asylbewerber versuchten, das australische Volk moralisch einzuschüchtern, erklärte Ministerpräsident John Howard. Die Zwangseinweisung in Lager diene der Abschreckung.

Drei Jahre Warten

Asylbewerber in Australien werden in spartanisch eingerichteten Lagern interniert, die sich oftmals in entlegenen Gegenden befinden. Gegenwärtig sind rund 3.000 Erwachsene und Kinder in insgesamt fünf Lagern untergebracht, etwa 800 davon auf dem früheren Raketentestgelände in Woomera. Viele warten bereits seit mehr als drei Jahren hinter Zäunen und Stacheldraht auf eine Entscheidung über ihr Schicksal.