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Quartiere für Flüchtlinge: Österreichs Regierung bittet Bürger per Brief um Hilfe

Eindringlicher und ungewöhnlicher kann ein Appell kaum sein: Weil es in der Alpenrepublik bei der Unterbringung von Flüchtlingen hapert, hat sich das Innenministerium per Brief an alle Österreicher gewandt.

Mit diesem Schreiben wendet sich das österreichische Bundesministerium für Inneres an die eigene Bevölkerung

Mit diesem Schreiben wendet sich das österreichische Bundesministerium für Inneres an die eigene Bevölkerung

In der Flüchtlingskrise greift das österreichische Innenministerium zu ungewöhnlichen Mitteln. Weil die zügige Unterbringung der Asylsuchenden Probleme bereitet, bittet das Ministerium per Brief die Bürger um Unterstützung. "Sehr geehrte Österreicherinnen, sehr geehrte Österreicher!" beginnt das per Pressemitteilung verschickte Schreiben. "Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Betreuungsbereiches des Bundesministeriums für Inneres, möchten uns mit diesem Schreiben an Sie wenden, da bei der Suche nach Quartieren für Menschen auf der Flucht die Lösungskompetenz unseres Föderalstaates an seine Grenzen stößt und wir deshalb die Hilfe jeder und jedes Einzelnen benötigen."

Danach erklärt das Innenministerium, dass statt der prognostizierten 40.000 dieses Jahr wohl 80.000 Flüchtlinge in Österreich Asyl beantragen werden und, dass nach den ersten Tagen die Bundesländer für ihre Unterbringung zuständig seien. Das aber scheint nicht zu funktionieren: "Von den wöchentlich 1600 Menschen werden rund 600 von den Ländern übernommen. Die verbleibenden 1000 müssen deshalb vom Innenministerium selbst betreut werden. Dies obwohl die Innenministerin bereits vor über einem Jahr vor einem drohenden Unterbringungsengpass gewarnt hat." Bei der Quartierssuche stoße das Ministerium aber "teils auf unterschiedlichen Ebenen auf Widerstand."

Eindringlicher Appell

Daher wenden sich die Mitarbeiter des Innenministeriums direkt an ihre Landsleute: "Wir appellieren daher eindringlich an die konstruktiven Kräfte in unserem Land, ein Klima zu schaffen, in dem ein seriöser und sachlicher Dialog möglich ist und bitten alle Österreicherinnen und Österreicher, sich an der Quartiersuche aktiv zu beteiligen. Wir wollen Sie ermutigen Überzeugungsarbeit in Ihrem Umfeld zu leisten. Geben Sie Ihren politischen Entscheidungsträgern dazu den notwendigen Mut. Wir benötigen ein Zusammenstehen und Wirken aller unserer gesellschaftlichen Kräfte. In den nächsten Monaten - vor allem vor Einbruch des Winters - muss alles unternommen werden, um Obdachlosigkeit zu vermeiden."

Ob das Innenministerium mit dem ungewöhnlichen Schreiben Gehör findet oder auf taube Ohren stößt, muss sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen. Man kann den Mitarbeitern jedenfalls nicht vorwerfen, sie hätten nicht alles versucht.

tkr