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Frankreich: Beginn des heißen Wochenendes

Die Unruhen in Frankreich haben sich nach Polizeiangaben verstärkt. Landesweit sind in der Nacht 502 Autos in Flammen aufgegangen. In der französischen Hauptstadt ist aus Sorge vor Gewaltausbrüchen um 10.00 Uhr ein Versammlungsverbot in Kraft getreten.

Insgesamt sind 163 Gemeinden betroffen gewesen, nach 160 in der Nacht zuvor. 206 mutmaßliche Randalierer wurden festgenommen. Ein Polizist erlitt Verbrennungen zweiten Grades, als ein Brandsatz in sein Einsatzfahrzeug in Saint-Quentin geworfen wurde. In der Hauptstadtregion Ile-de-France habe sich die Lage fast normalisiert, sagte Gaudin. Nach früheren Angaben waren dort 68 Autos in Flammen aufgegangen. Allein in Paris seien in der Nacht zum Samstag 3.000 Polizisten im Einsatz gewesen, erklärte der Polizeichef. In der Pariser Vorstadt Saint Denis spielt am Samstagabend die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen Frankreich. In der Stadt Amiens fiel in der Nacht eine Stunde der Strom aus, nachdem Randalierer eine Transformatorenstation außer Betrieb gesetzt hatten, berichtete Polizeisprecher Patrick Reydy. Brandstifter beschädigten nach seinen Angaben in der ostfranzösischen Stadt Savigny-le-Temple eine Grundschule, in Rambouillet wurde Feuer in zwei Geschäften gelegt und im Rathaus von Angers die Bibliothek in Brand gesteckt. In Toulouse wurden vier Personen mit 70 Litern Benzin festgenommen.

Angriff auf eine Moschee

Unklar war, ob ein Angriff auf eine Moschee in Südfrankreich am Freitagabend im Zusammenhang mit den Unruhen stand. Staatspräsident Jacques Chirac und Premierminister Dominique de Villepin verurteilten umgehend den Angriff in Carpentras. Dort warf ein unbekannter Angreifer während des Freitagsgebets zwei Brandsätze in die Gebetshalle der Moschee, wie die Präfektur in Avignon mitteilte. Es sei nur leichter Sachschaden entstanden, weil die Gläubigen die Flammen schnell erstickt hätten. Die Pariser Polizei verbot von Samstagvormittag 10.00 Uhr bis Sonntagmorgen 08.00 Uhr alle Versammlungen, "die Unruhen provozieren oder ermutigen könnten". Zur Begründung hieß es, im Internet kursierten seit Tagen Mitteilungen, in denen für den 12. November in Paris zu Versammlungen und gewaltsamen Aktionen aufgerufen werde.

Versammlungsverbot

In der französischen Hauptstadt ist aus Sorge vor Gewaltausbrüchen um 10.00 Uhr ein Versammlungsverbot in Kraft getreten. Es gilt nach Angaben der Pariser Behörden bis Sonntag um 08.00 Uhr und wird begleitet von einem massiven Einsatz der Polizei. Besonders scharf überwacht werden der öffentliche Nahverkehr und die Vorortzüge nach Paris. Hintergrund sind Aufrufe zu Krawallen in der Hauptstadt, die bisher von Randale weitgehend verschont geblieben war. Zu dem Fußballklassiker Deutschland gegen Frankreich am Abend halten sich auch zahlreiche deutsche Fans in Paris auf.

Sorge um das Länderspiel

Für das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich am Abend im Pariser Stade de France wurden die Sicherheitsvorkehrungen nicht zusätzlich erhöht. Das Spiel war vom Französischen Fußball- Verband (FFF) ohnehin schon in die höchste Sicherheitskategorie eingestuft worden. Das Stadion liegt im Vorort Saint-Denis, der in den vergangenen zwei Wochen von Unruhen erschüttert wurde. In unmittelbarer Umgebung der Arena war es jedoch ruhig geblieben.

DPA