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Fundraising: Ohne Moos nix los

Wer Präsident der Vereinigten Staaten werden will, braucht Geld, sehr viel Geld. Das Mittel: Fundraising. Nur wer genug Spenden eintreibt, hat Aussichten auf Erfolg im Rennen um das Präsidentenamt.

Der US-Wahlkampf ist eine kostspielige Angelegenheit und noch bevor überhaupt die heiße Phase des Wahlkampfes beginnt, sind bereits Spenden in Millionenhöhe geflossen. Die Summen werden dabei immer größer: Bill Clinton und Bob Dole kamen im Jahr 1996 noch mit jeweils etwa 100 Millionen Dollar aus, während der Wahlkampf 1999/2000 neue Rekorde setzte: Bush und Al Gore gaben zusammen ca. 306 Millionen Dollar aus. Auch in diesem Wahlkampf ist damit zu rechnen, dass ähnlich hohe Summen eingesetzt werden.

In den USA werden nur sehr wenige öffentliche Gelder für den Wahlkampf bereitgestellt und deshalb hängt der Erfolg eines Kandidaten wesentlich von seiner Fähigkeit ab, Spenden zu sammeln. Fundraising ist also eine notwendige Voraussetzung für einen erfolgreichen Wahlkampf und wird deshalb professionell und intensiv betrieben. Der größte Teil des Wahlkampfes dient dieser Form des Geldeintreibens.

Spendernetzwerk per Schneeball-System

Von den gesammelten Spenden werden bis zu 30 Prozent in Email- und Telefonaktionen gesteckt oder aber neue Spendenveranstaltungen organisiert, um noch mehr Spenden sammeln zu können. Wer das Fundraising perfektioniert, der baut und pflegt ein Netzwerk von Freunden, Verwandten, Bekannten und Prominenten, die dem Kandidaten Geld spenden oder sich um weitere mögliche Spender bemühen. Durch dieses Schneeball-System wird ein großes persönliches Spendernetzwerk aufgebaut.

US-Präsident George W. Bush beschäftigt derzeit fast 300 professionelle Spendensammler. Auf seiner offiziellen Website ruft er dazu auf, sich ihm als "Team Leader" zur Verfügung zu stellen, Wahlkampfveranstaltungen in der Nachbarschaft auszurichten, Bekannte in das Bush-Email-Nachrichtensystem einzutragen, Briefe an Redaktionen zu schreiben, in Talk Shows aufzutreten oder aber als Helfer auf lokalen Veranstaltungen mitzuwirken.

2002 wurde das viel kritisierte Spendensystem in den USA reformiert. Die Parteien sind seitdem dazu angehalten, ihren Wahlkampf nur noch mit "Hardmoney" zu finanzieren. Spenden dürfen zukünftig einen gesetzlich vorgeschriebenen Höchstsatz nicht mehr überschreiten. Jede Person darf neuerdings nur noch bis zu 2.000 Dollar für einen Kandidaten spenden. Weitere 25.000 Dollar darf man jährlich dem Nationalen Komitee einer Partei stiften.

"Hardmoney" und "Softmoney"

Mit diesem Gesetz wollte man dem so genannten Softmoney einen Riegel vorschieben. Bei "Softmoney" handelt es sich um Spenden von Unternehmen, reichen Einzelpersonen oder Gewerkschaften, die oftmals bis zu siebenstellige Beträge bereitstellten. Durch ihr großes finanzielles Engagement erkauften sich die Spender natürlich einen gewissen Einfluss auf die von ihnen unterstützten Politiker.

Tim Stahnke