Einer der Söhne des verstorbenen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Seif al-Islam, ist gestorben. Er sei heute bei einer "verräterischen und feigen" Tat "ermordet" worden, teilte sein politisches Büro mit. Vier maskierte Männer hätten seine Residenz in der westlibyschen Stadt Sintan gestürmt und al-Islam dann getötet. Sein Team trauerte um al-Islam, der sein "Leben für die Hoffnung auf ein stabiles Libyen" geopfert habe. Verantwortlich seien "Handlanger des Regimes" in Libyen.
Al-Islams Anwalt Chalid al-Saidi bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Gaddafi-Sohn «ermordet» worden sei. Der Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete unter Berufung auf das Umfeld der Gaddafi-Familie, dass der 53-Jährige im Garten seiner Residenz in Sintan erschossen worden sei.
Spekuliert wurde, ob Milizen mit Nähe zur Regierung von Abdel Hamid Dbaiba in Tripolis hinter der Tat stecken könnten. Eine Miliz mit Verbindungen zum Verteidigungsministerium in Tripolis wies Darstellungen als falsch zurück, nach denen sie an der Tötung beteiligt gewesen sei. Al-Islam soll Vorbereitungen getroffen haben für eine Rückkehr in die Politik, was eine mögliche Bedrohung für Dbaiba und dessen Verbündete dargestellt hätte.
Al-Islams Aufenthaltsort war zuletzt unbekannt gewesen. In Libyen herrschen seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos und Gewalt.
Nach Absetzung von Gaddafi zum Tode verurteilt
Seif al-Islam war lange Zeit als möglicher Nachfolger seines Vaters gehandelt worden und hatte sich vor dem Arabischen Frühling 2011 ein moderates und reformorientiertes Image gegeben. Dieser Ruf löste sich auf, als er angesichts der Protestbewegungen in den nordafrikanischen Ländern "Blutbäder" ankündigte.
Im November 2011 wurde er auf Grundlage eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) im Süden Libyens festgenommen. 2015 wurde er von einem Gericht in Tripolis in Abwesenheit wegen Verbrechen während der Revolte, die zum Sturz seines Vaters führte, zum Tode verurteilt. Später wurde er von einer rivalisierenden Regierung im Osten Libyens begnadigt.
2021 hatte er angekündigt, für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen, die Wahl fand wegen eines Konflikts über die verfassungsrechtlichen Grundlagen und die zugelassenen Kandidaten aber nie statt. Libyen ist heute faktisch zweigeteilt in zwei verfeindete Regierungen im Osten und Westen.
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