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Inflation in Simbabwe: Im Land der armen Millionäre

Simbabwe hat die weltweit höchste Inflationsrate: zwischen 100.000 und 200.000 Prozent. Wer da überleben will, braucht die richtigen Kontakte - und sehr große Hosentaschen.

Von Eva Wolfangel, Harare

Paul bündelt Zehn-Millionen-Scheine, immer Hundert bilden einen Stapel, den er mit einem Haushaltsgummi umwickelt: eine Milliarde Simbabwe-Dollar. Am Ende liegen zahlreiche solcher Bündel um ihn herum verteilt auf dem Tisch. Die Tageseinnahmen seines Steakhauses. Vor allem Weiße und Militärs kommen in das kleine Restaurant in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes. Paul verstaut die Päckchen in Plastiktüten.

Dann beginnt der Wettlauf mit der Zeit. "Ich muss sie so schnell wie möglich auf dem Schwarzmarkt gegen Devisen tauschen", sagt der Mittdreißiger. Denn der simbabwische Dollar verliert täglich dramatisch an Wert. Banken geben keine fremde Währung heraus. Wer keinen Zugang zu Devisen und keine Kontakte zum Schwarzmarkt hat, ist verloren.

Eine so genannte Hyperinflation schnürt dem kleinen Staat im Südosten Afrika die Luft ab, Vor zwei Monaten meldete Simbabwe die Inflationsrate von 100.000 Prozent, neue Zahlen sprechen sogar von 200.000 Prozent - eine schwindelerregende Rate, die freilich schon nächste Woche überholt sein wird. Wenn sich die Preisspirale bis zum Jahresende so weiter dreht, wird die Inflationsrate zum Jahresende 24 Millionen Prozent betragen, schätzt die Wirtschaftszeitung "Zimbabwe Independent". Eine unvorstellbare Summe. Und das in einem Land, das Bodenschätze hat und keineswegs arm ist, einst sogar als Kornkammer des Kontinents galt. Seit zehn Jahren, seit der Vertreibung weißer Farmer, hat Präsident Robert Mugabe das Land systematisch heruntergewirtschaftet. Das seit Wochen andauernde Wahlchaos verschärft die Situation noch.

Es ist verboten, mit Devisen zu zahlen

Würde Jeremy nicht 450 Kilometer entfernt in Harare wohnen, könnte er mit Paul, dem Restaurantbesitzer, einig werden. Jeremy arbeitet für ein internationales Unternehmen und wird in US-Dollar bezahlt. Ein Privileg in Zeiten der Hyperinflation. Aber zugleich ein Problem. Denn es ist verboten, mit Devisen zu bezahlen. Auch wenn sich die Verkäuferin des kleinen Ladens in der Nähe von Jeremys Wohnung nichts sehnlicher wünschen würde, als ein paar Dollar zu besitzen, schüttelt sie beharrlich den Kopf, als der junge Mann eine Flasche Wasser mit einem Dollarschein bezahlen möchte.

Vor der Tür zückt Jeremy sein Handy, wählt eine Nummer und spricht leise und hastig ein paar Worte hinein: "Kannst du 50 Dollar tauschen? Jetzt? Okay, ich komme." Er kennt den Mann, der ein paar Straßen weiter unter einem Baum auf ihn wartet, nicht näher. Aber er trifft ihn oft. "Wer auf dem Schwarzmarkt tauschen will, braucht einen vertrauenswürdigen Kontakt", sagt er. Viel Zeit ist nicht: Jeremy öffnet die Autoscheibe einen Spalt, schiebt eine 50-Dollar-Note hindurch und bekommt im Gegenzug sechs Stapel Simbabwe-Dollar. Nachgezählt wird nicht: Jeremy schaut sich kurz um und gibt Vollgas. Wer die falschen Kontakte hat, wird betrogen - oder landet im Gefängnis. Wer legal bei der Bank tauscht, bekommt nicht einmal ein Zehntel des realen Gegenwertes der Devisen. So rechnet sich der Staat die Inflation schön.

Auf dem Schwarzmarkt sind die Preise zehn Mal so hoch

An das Rechnen mit vielen Nullen hat man sich in dem krisengeschüttelten Land bereits gewöhnt. Weil die Preise täglich steigen, ändern sich auch die Geldscheine. War im April die Zehn-Millionen-Note noch der am häufigsten gebrauchte Schein, wurde kürzlich die 250-Millionen-Dollar-Note eingeführt. Damit ersparen sich die Simbabwer Kopfrechnerei: Dreihundert Millionen müssen sie im Schnitt im April für zwei Liter Speiseöl oder einen Sack Kartoffeln hinblättern, also dreißig Scheine. Eine Flasche Wasser kostet zehn Millionen Simbabwe-Dollar. Für Grundnahrungsmittel wie Brot oder Maismehl hat die Regierung zwar Festpreise vorgegeben. Doch für schlappe sechs Millionen pro Kilo backt kein Bäcker mehr ein Brot, oft ist schon das Mehl teurer. So wandern die Produkte direkt auf den Schwarzmarkt, wo es das Zehnfache gibt. Die Regierung droht mit Razzien, Geld- und Haftstrafen. Aber davon lässt sich schon lange keiner mehr beeindrucken. Wer überleben will, kommt ohne den Schwarzmarkt nicht aus.

In der hintersten Ecke von Pauls Tresenschublade hat sich ein Stapel Tausenderscheine verklemmt. "Die haben wir vor einigen Monaten vergessen zu tauschen. Jetzt können wir sie wegwerfen." Sie taugen nicht mal mehr als Wechselgeld. Das Wechselgeld ist ein eigenes Thema: Wer nicht aufpasst, hat im Nu stapelweise 200.000er Scheine und bekommt sie nie wieder los. Sie sind so gut wie wertlos, denn um von solchen Noten auch nur eine Tomate zu kaufen, müssen sie eimerweise transportiert werden.

Geldscheine werden zu Notizzetteln

Das Portemonnaie hat in Simbabwe ohnehin ausgedient - allein für ein Abendessen im Restaurant braucht man vier prall gefüllte Hosentaschen mit Scheinen. Während die Menschen in anderen Ländern darauf achten, ihr Geld nicht zu offen zur Schau zu stellen, ist das den Simbabwern inzwischen egal. Der Anblick von Geldscheinstapeln ist Alltag. Kleinere, wertlose Scheine werden einfach umgenutzt: als Notizzettel für eine Telefonnummer oder als Schmierzettel, wenn die Rechnung zu kompliziert wird, um sie im Kopf zu machen.

Paul braucht gerade keinen Notizzettel. Er lässt das Bündel Tausenderscheine verächtlich auf den Boden fallen. Jede Woche druckt der Restaurantbesitzer seine Speisekarte neu. Gestern noch hat ein Steak 230 Millionen Zimbabwe-Dollar gekostet, heute sind es schon 320 Millionen. "Die Fleischpreise sind innerhalb von drei Tagen um 55 Prozent gestiegen", sagt er schulterzuckend.

Jeden Tag rufen ihn seine Lieferanten an und sagen ihm, wie sich die Preise entwickeln. Es zählt nur noch der Schwarzmarktkurs. "Ich rechne nicht mehr in unserer Währung, sondern in US-Dollar." Ein US-Dollar ist ein US-Dollar - nur die Menge an simbabwischen Scheinen, die man dafür hinblättern muss, ändert sich. Um nicht den halben Abend mit Geldzählen zu verbringen, hat er sich eine Geldzählmaschine angeschafft. Eines der wenigen Geräte, in die Geschäftsleute in Simbabwe derzeit investieren.

"Gewusst wie"

Wer schlau ist, etwas Glück und gute Kontakte hat, schlägt sich auch mit der welthöchsten Inflationsrate durchs Leben. "Am Ende werden ein paar Reiche übrig bleiben", mutmaßt ein weißer Farmer und grinst geheimnisvoll: "Gewusst wie." Er mästet Rinder und verkauft sie teurer weiter. Eine krisenfeste Sache. Denn im Gegensatz zum Geld verlieren sie nicht an Wert, im Gegenteil: Der Farmer profitiert von dramatisch steigenden Fleischpreisen. Er steht in der Bank an, um zu erfahren, wann er wieder an die Devisen auf seinem Konto herankommt, die er vor Jahren dort angelegt hat.

Aber auch die Devisenkonten sind gesperrt. Geld zur Bank zu bringen sei eine Dummheit, schimpft er. An jedem Schalter haben sich lange Schlangen gebildet, ebenso am Geldautomaten. Die Menge an Bargeld, die ein Einzelner täglich abheben darf, ist begrenzt. Die Bankmitarbeiter zucken mit den Schultern, die Kunden machen enttäuscht kehrt.

60 Millionen Dollar für einen US-Dollar

Draußen geht Jeremy an der Bank vorbei. Ihn interessieren die Schlangen heute nicht mehr. Er hat bei seinem Schwarzmarkttausch für einen US-Dollar 60 Millionen Simbabwe-Dollar bekommen. Die Bank hätte ihm nur 30.000 gegeben. Dafür kann er es sich leisten, sich nicht an einer der wenigen Bäckereien anzustellen, die das Brot zum staatlich verordneten Preis verkaufen.

Für 15 statt sechs Millionen bekommt er ein Brot ohne stundenlange Wartezeit. "Wir Simbabwer sind alle Millionäre", sagt er und blickt auf die Geldbündel auf der Rückbank seines Autos. Dann setzt er nachdenklich hinterher: "Aber wir haben nichts davon."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.