Internierungslager Misshandlungen auch auf Guantanamo


Nicht nur in dem irakischen Gefängnis Abu Ghreib sind Häftlinge gefoltert worden. Offenbar werden auch in dem Internierungslager Guantanamo auf Kuba Häftlinge misshandelt.

Häftlinge auf Guantanamo sollen nach Darstellung der "New York Times" über Jahre hinweg systematisch misshandelt worden sein. Die Zeitung zitierte am Sonntag Mitarbeiter des kubanischen US-Stützpunktes, die über fragwürdige Verhörmethoden und Demütigungen berichteten. Der in Bremen aufgewachsene Guantanamo-Häftling Murat K. erhielt unterdessen Besuch von einem Anwalt. Dieser beklagte, der Gefangene sei "wie ein moderner Robinson Crusoe" ganz von der Außenwelt abgeschnitten.

Dem Bericht der "New York Times" zufolge wurden "unkooperative Häftlinge" wiederholt bis auf die Unterhose ausgezogen und dann mit den Händen an einen Stuhl und mit den Füßen an den Boden gekettet. Anschließend seien sie mit grellem Licht bestrahlt und mit ohrenbetäubender Rockmusik beschallt worden. Gleichzeitig sei die Klimaanlage voll aufgedreht worden. Diese Prozedur habe mit einigen Unterbrechungen manchmal bis zu 14 Stunden angedauert. Die Gefangenen seien hinterher völlig verstört gewesen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf einen Militärbeamten.

Erstmals äußern sich Militärbeamte

Dieser Augenzeuge habe sich aus Empörung über solche Misshandlungen zur Aussage durchgerungen, hieß es weiter. Alle befragten Mitarbeiter des Stützpunktes hätten allerdings darauf gedrungen, anonym zu bleiben, weil sie um ihre Zukunft fürchteten. Es sei das erste Mal, dass nicht ehemalige Gefangene, sondern Militär- und Geheimdienstbeamte so detailliert über Misshandlungen auf Guantanamo berichtet hätten, schrieb die "New York Times".

Ein ranghoher Menschenrechtsbeamter der Regierung des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, David Sheffer, wurde mit den Worten zitiert, dass die geschilderten Methoden eindeutig als Folter zu werten seien. Beamte des Verteidigungsministeriums hätten indessen jegliche Stellungnahmen zu den erhobenen Vorwürfen abgelehnt. In einer Erklärung zur Anfrage der Zeitung habe es nur geheißen, die Militärbediensteten sorgten für sichere, menschliche und professionelle Verhältnisse auf Guantanamo, um wertvolle Informationen für den Kampf gegen den Terrorismus zu erhalten. Dabei spielten angemessene Bestrafungen ebenso wie Belohnungen eine Rolle.

Anwälte hoffen auf Freilassung von Murat K.

Unterdessen berichtete der New Yorker Anwalt Baher Azmy im "Spiegel", er habe den mutmaßlichen Islamisten Murat K. in der vergangenen Woche erstmals in Guantanamo besuchen dürfen. Trotz knapp dreijähriger Haft gehe es dem in Bremen aufgewachsenen Türken offenbar gut. Der 22-Jährige mache "sowohl körperlich als auch mental einen erstaunlich gesunden Eindruck". Erschüttert zeigte sich Azmy darüber, dass dem Gefangenen offenbar seit Jahren jegliche Informationen über die Außenwelt vorenthalten worden seien. So habe K. nicht einmal etwas über den Irak-Krieg gewusst.

Was ihrem Mandanten vorgeworfen wird, sollen die Anwälte laut Azmy erstmals Anfang dieser Woche per Akteneinsicht erfahren. Sie werten die Indizien gegen K. als dünn und hoffen darauf, dass eine Entlassung schon bald nach den US-Präsidentschaftswahl Anfang November erfolgen könnte. K. war im Oktober 2001 aus Bremen nach Pakistan gereist und später von den Amerikanern als angeblicher Taliban-Kämpfer gefangen genommen worden.

AP AP

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