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Irak: Gespräch mit früherem UNSCOM-Chef Ekeus

Gespräch mit früherem UNSCOM-Chef Ekeus

Hamburg - Rolf Ekeus, bis 1997 Leiter der UN-Abrüstungskommission (UNSCOM) im Irak, ist "ganz sicher", dass der irakische Diktator Saddam Hussein noch Massenvernichtungswaffen besitzt. "Ich bin überzeugt, dass es Produktionsanlagen gibt. Sie sind nur extrem gut versteckt", sagte der Blix-Vorgänger in einem Interview mit dem stern, das in der neuen Ausgabe am Donnerstag erscheint. Der Irak könne jederzeit die Produktion aufnehmen. "Saddam ist ein hochgefährlicher Akteur. Seine Strategie ist darauf ausgelegt, die Kontrolle über den Golf zu erlangen", sagte Ekeus. "Er will die Übermacht – und dazu braucht er Massenvernichtungswaffen. Dieser Mann will keinen Frieden."

Krieg sei allerdings kein Mittel, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern "Es braucht Zeit und unnachgiebige Inspektionen. Ein bis zwei Jahre mit den besten Experten – das knackt Saddams Programme", sagte der frühere UNSCOM-Chef. Fachleute für die Technologie der Scud-Raketen z.B. gäbe es in Deutschland. "Einer der deutsche Experten für Scud-Technologie war maßgeblich daran beteiligt, Saddams geheime Programme zu entschlüsseln." Von den früheren UN-Inspektoren aus der Zeit von 1991 bis 1997 seien aber heute so gut wie keine im Irak eingesetzt: "Sie galten als zu aggressiv, als Spione, als zu US-freundlich. Man wollte den Irak bislang nicht provozieren." Auch wenn der Irak gezwungen würde, seine Waffenarsenale abzugeben, würde Saddam wieder versuchen, Massenvernichtungswaffen zu produzieren. "Doch dieses Risiko ist kalkulierbarer als die Folgen eines Krieges. Inspektoren müssen im Land bleiben", sagte Ekeus im stern-Gespräch.

Nachrichtenredaktion