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Irak-Konflikt: Powell droht mit US-Alleingang

Noch Ende Januar wollen die USA Beweise für Verstöße des Irak gegen die UN-Resolution vorlegen. Notfalls seien die USA auch ohne ein UN-Mandat bereit, den Irak gewaltsam zu entwaffnen, so Außenminister Powell.

Bis Ende des Monats werden nach Einschätzung von US-Außenminister Colin Powell Beweise vorliegen, dass Irak nicht wie von der UNO gefordert mit den UNO-Waffeninspektoren zusammenarbeitet. Powell sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir glauben, dass am Ende des Monats überzeugend bewiesen sein wird, dass der Irak nicht kooperiert.“

Die weitere Arbeit der UNO-Waffeninspektoren machte Powell von deren Bericht an den Sicherheitsrat am 27. Januar abhängig. Das US-Präsidialamt bezeichnete am Freitag die von den UNO-Waffeninspektoren in Irak gefundenen leeren chemischen Sprengköpfe als „beunruhigend und ernst“. Dies beweise, dass Saddam nicht abrüste, sagte ein Sprecher des US-Präsidialamts. UNO-Chefwaffeninspekteur Hans Blix, der am Sonntag mit der irakischen Führung beraten will, erklärte dagegen, der Fund sei für die Kontrollen nicht von großer Bedeutung, da die Raketensprengköpfe leer gewesen seien.

"Irak führt Inspektoren in die Irre"

„Der Irak hat in der Zusammenarbeit versagt. Er hat versagt, weil er nicht wie verlangt, seine Arsenale offen gelegt hat. ... Er führt die Inspektoren in die Irre“, so Powell. Irak müsse den Beweis erbringen, dass es keine Massenvernichtungswaffen besitzt, fuhr Powell fort. „Wir werden in den nächsten Tagen Informationen zur Verfügung stellen, die unseren Eindruck und unsere Haltung belegen.“

Zur Forderung der Waffeninspektoren nach mehr Zeit für die Kontrollen sagte Powell, der Sicherheitsrat werde ihren Bericht entgegennehmen und „daraufhin sein Urteil über die weitere Arbeit der Inspektoren fällen“. Er fügte hinzu, es sei möglich, dass der Sicherheitsrat die Inspektoren beauftrage, zwei Wochen später noch einen Bericht vorzulegen.

USA schicken weitere 10.000 Mann in die Golf-Region

Unterdessen ist ein Flottenverband von sieben US-Kriegsschiffen mit weiteren 10.000 Matrosen und Marineinfanteristen von San Diego aus in die Golfregion aufgebrochen. Es kam zu bewegenden Abschiedsszenen, als die Männer an Bord gingen. Etwa 60.000 US-Soldaten sind für einen möglichen Krieg bereits in der Golfregion stationiert worden. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat die Marschbefehle für weitere 67.000 unterzeichnet, die in den nächsten Wochen in das Krisengebiet verlegt werden sollen. Die für einen Feldzug gegen Irak vorgesehene Streitmacht könnte Schätzungen zufolge ein Stärke von 250.000 Mann erreichen.

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