Iran Mit Schlagstöcken gegen Studenten


Tausende Iraner haben in Teheran auf der größten Demonstration seit Monaten Reformen gefordert. Die Kundgebung begann als Versammlung von Studenten, dann strömten immer mehr Menschen dazu. Analysten rechnen mit weiteren Unruhen.

Rund 3000 Demonstranten versammelten sich auf dem Platz vor der Universität und warfen in Sprechchören den einflussreichen Geistlichen vor, die Freiheiten zu beschränken. Die reformorientierte Regierung von Präsident Mohammad Chatami kritisierten sie, weil sie die Geistlichen nicht im Zaum halte. Viele Demonstranten waren dem Aufruf von in den USA ansässigen Exil-Sendern gefolgt. Die Kundgebung begann als Versammlung von Studenten, die gegen die Privatisierung der Universitäten protestierten. Dann strömten immer mehr Menschen dazu.

Die letzte große Kundgebung hatte Ende vergangenen Jahres stattgefunden, Protest-Aufrufe der Exil-Sender waren damals weithin ignoriert worden. Anwohner sagten, die Slogans, die die Demonstranten diesmal riefen, seien die radikalsten seit den Unruhen vor vier Jahren. "Die politischen Gefangenen müssen befreit werden", rief die Menge auf einem Platz nahe der Universität, wo schon 1999 Demonstranten Reformen verlangt hatten.

Festnahmen nach Unruhen

Mehrere Motorräder wurden in Brand gesteckt. Die Schaufenster einiger Geschäfte und einer staatlichen Bank gingen zu Bruch. Polizei in Uniform und Zivil ging mit Schlagstöcken gegen die Menge vor und löste sie ohne größere Auseinandersetzungen auf. Eine Hand voll Menschen wurden festgenommen.

Viele Iraner haben ihr Vertrauen in Chatami verloren, weil er bislang keine großen Fortschritte gemacht hat, die seit 24 bestehende Islamische Republik zu reformieren. Konservative Kleriker besetzen noch immer wichtige Positionen im Land. Zudem sorgen hohe Arbeitslosigkeit und strenge religiöse Regeln für Unzufriedenheit der überwiegend jungen Bevölkerung. Rund 70 Prozent der Iraner sind jünger als 30 Jahre und haben keine Erinnerung an die Zeit vor der Revolution.

Weitere Unruhen erwartet

Politische Analysten rechnen mit weiteren Unruhen vor dem Jahrestag der Studentenunruhen 1999 Anfang Juli. "Es besteht ein enormer politischer und sozialer Druck auf die iranische Gesellschaft, so dass solche Proteste normal und unvermeidlich sind", sagte ein Analyst. "Wir können in Zukunft mit weiteren Protesten rechnen." "Ich habe im Fernsehen gehört, dass sich die Studenten versammelt haben", sagte eine 46-jährige Frau. "Ich bin gekommen, um (US-Außenminister) Colin Powell zu sagen, dass wir einen Wandel wollen." Powell hatte am Sonntag im US-Fernsehsender CNN gesagt, seine Regierung arbeite daran, die iranische Bevölkerung zu überzeugen, ihre Land von innen heraus zu verändern. Damit würde Iran ein weniger störendes Mitglied der Weltgemeinschaft. Der iranische Außenminister Kamal Charrasi wies die Bemerkung Powells zurück. "Powell sollte wissen, dass eine Einmischung der USA die Entschlossenheit und die Solidarität der Iraner verstärken wird."

Die USA haben nach der Islamischen Revolution 1979 ihre diplomatischen Beziehungen zu Iran gekappt. Im Zuge der Revolution war der von den USA unterstützte Schah Reza Pahlewi gestürzt worden, und die Geistlichen unter Führung des aus dem Exil zurückgekehrten Ajatollah Chomeini kamen an die Macht.

Die USA werfen dem Iran vor, nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Iran hat dies zurückgewiesen und erklärt, sein Atomprogramm diene ausschließlich der friedlichen Nutzung der Atomenergie.


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