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"Horror-Erinnerung an die Nazis": IS soll barbarische Gift-Experimente mit Gefangenen durchgeführt haben

Der IS hat im Irak offenbar Giftstoffe an Gefangenen getestet - und deren Tod genau protokolliert. Bei der Zurückeroberung Mossuls wurden entsprechende Dokumente sichergestellt, die "The Times" vorliegen.

Die Universität in Mossul: Die Terrormiliz IS testete und entwickelte hier offenbar chemische Kampfstoffe

Die Universität in Mossul: Die Terrormiliz IS testete und entwickelte hier offenbar chemische Kampfstoffe

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat im Irak offenbar die Wirkung tödlicher Gifte an Gefangenen ausprobiert und die Ergebnisse detailliert protokolliert. Dies soll aus Akten hervorgehen, die bei der Wiedereroberung von Mossul sichergestellt wurden. Der britischen "The Times" liegen die Dokumente vor, die sowohl der britische als auch der US-amerikanische Geheimdienst als glaubwürdig einstuften. Die Dienste befürchteten, dass die Terroristen den Einsatz dieser Gifte erprobten, um sie bei künftigen Anschlägen auf westliche Ziele zu nutzen, heißt es in dem Bericht.

Demnach hat der IS mindestens zwei Giftstoffe an Gefangenen ausprobiert. Beide Stoffe sind dem Bericht zufolge relativ leicht zu beschaffen. Es handle sich um Thallium(l)-sulfat und ein auf Nikotin basierendes Gift. Thallium(l)-sulfat wurde in der Vergangenheit und wird zum Teil auch heute noch in vielen Ländern als Rattengift verwendet.

IS protokolliert das Grauen

Die Gräueltaten sind dem Bericht zufolge genau protokolliert. So wurde das Thallium(l)-sulfat einem Mann mit rund 100 Kilogramm Körpergewicht über die Nahrung und das Trinkwasser verabreicht. Über einen Zeitraum von zehn Tagen sei er einen langsamen und qualvollen Tod gestorben. Zunächst habe er über Fieber und Übelkeit geklagt, später seien dann seine inneren Organe angeschwollen, unter anderem der Magen und das Gehirn.

Das auf Nikotin basierende, nicht weiter erläuterte Gift, wurde dem Bericht zufolge einem Probanden auf die Haut geschmiert. Kurze Zeit später habe er das Bewusstsein verloren. Ob er starb, gehe aus den Akten nicht hervor. Einem anderen sei das Mittel injiziert worden. Zwei Stunden später sei er tot gewesen. Der Giftstoff könne aus Zigaretten oder E-Liquids hergestellt werden.

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Akten in Universität in Mossul gefunden

Die Dokumente sind "The Times" zufolge in der Universität Mossul sichergestellt wurden, nachdem die Stadt im Januar zurückerobert wurde. Seit 2014 hatte die Terrormiliz die Stadt kontrolliert. Die Universität soll als zentraler Punkt für das Chemiewaffen-Programm des IS gedient haben. Bei der Befreiung Anfang des Jahres wurden dort den irakischen Sicherheitskräften zufolge Labore gefunden, die zur Herstellung von chemischen Kampfstoffen genutzt worden sein. In Lagerhallen in Mossul sei zudem fertiges Senfgas samt Raketen gefunden worden.

Der britische Chemiewaffenexperten Hamish de Bretton-Gordon zeigte sich in dem Bericht erschüttert. "Dies ist eine Horror-Erinnerung an die Nazis, die Nervengase an lebenden Menschen testeten."

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