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Korruptionsskandal in Mexiko: Schönheitsoperation statt Schulreform

Seit mehr als zwanzig Jahren führte sie Mexikos Lehrergewerkschaft und bremste jegliche Reformen. Dabei wurde Elba Esther Gordillo schwerreich und flog im Privatjet durch das Land.

Elba Esther Gordillo, 68, eine der mächtigsten Frauen Mexikos, ist wegen des Vorwurfs der Unterschlagung in Millionenhöhe festgenommen worden. Die Vorsitzende der mexikanischen Lehrergewerkschaft habe mindestens 2,6 Milliarden Pesos (155 Millionen Euro) an Gewerkschaftsgeldern veruntreut und auf Privatkonten in der Schweiz und Lichtenstein überweisen lassen, erklärte Generalbundesanwalt Jesús Murillo Karam am Dienstag.

Ermittler hätten sie am Flughafen von Toluca westlich von Mexiko-Stadt gefasst. Das Geld sei für Immobilien, Luxusartikel, Schönheitsoperationen, Kunstwerke und die Wartung des Flugzeugs der 68-Jährigen ausgegeben worden, so die Staatsanwälte. Man habe aber erst einen Teil der möglichen Geldflüsse analysiert, sagte Karam. "Das ist eine Untersuchung, bei der immer noch viel fehlt."

Gordillo führt die mexikanische Lehrergewerkschaft seit 1988. Sie galt als die mächtigste Frau Mexikos und als Symbol des alten Parteiapparats der Langzeit-Regierungspartei PRI. Als Gewerkschaftschefin bremste sie erfolgreich mehrere Präsidenten bei Bildungsreformen aus.

Mexikos Bildungssystem schneidet schlecht ab

Sie gehörte bis zu ihrem Ausschluss 2006 der heute wieder regierenden Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) an, deren Generalsekretärin sie auch war. Nachdem sie die Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur verloren hatte, wechselte sie zur inzwischen von ihr kontrollierten Partei Nueva Alianza.

Einen Tag vor der Verhaftung hatte die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto eine von Gordillo heftig kritisierte Erziehungsreform beschlossen, mit der auch die Lehrergewerkschaft geschwächt wird. Die Gewerkschaft mit mehr als 1,5 Millionen Mitgliedern gilt als eine der mächtigsten in Lateinamerika und hat großen Einfluss auf die Politik. Mexikos Bildungssystem ist eines der schlechtesten in der OECD. Lehrer werden schlecht bezahlt, sind oft selbst schlecht ausgebildet und Positionen werden manchmal vererbt oder verkauft.

Mexikos neuer Präsident Peña Nieto ist seit 1. Dezember 2012 im Amt. Schon mehrere seiner Vorgänger hatten bei ihrem Amtsantritt angekündigt, die Korruption in Mexiko bekämpfen zu wollen.

ds/DPA / DPA