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Krieg in Syrien: Assad steht kurz vor dem Sieg in Ost-Aleppo

Lange Zeit galt Aleppo als Zentrum des Aufstands gegen Assad. Inzwischen sind die Rebellen in einem kleinen Gebiet zusammengedrängt. Nun eroberten die Assad-Truppen eine entscheidende Bastion der Aufständischen.


Ein Pro-Assad-Kämpfer bei den Kämpfen um Masaken Hanano.

Ein Pro-Assad-Kämpfer bei den Kämpfen um Masaken Hanano.

Die Aufständischen in Aleppo werden weiter zurückgedrängt. Die Truppen des Machthabers Assad konnten am Freitag und Samstag das von Rebellen gehaltene Stadtviertel Masaken Hanano komplett einnehmen. Das Viertel galt als Bastion der Aufständischen und war das größte Viertel, das sie noch kontrollieren.

Widerstand der Rebellen erlahmt

Zum Beweis zeigen Pro-Assad Blogs und das Staatsfernsehen Videos aus den eroberten Ruinen. Im Gegensatz zur Vergangenheit werden aber kaum Bilder der eigentlichen Kämpfe ausgestrahlt, vermutlich um Rückschlüsse über die Vorgehensweise im Straßenkampf zu erschweren. In dem Viertel setzt Assad seine Elite-Truppen ein. Die "Tiger Forces" gehören zu den wenigen Verbänden mit Offensivkraft, sie gelten als hochmotiviert und sind gut ausgerüstet. Sie verfügen sogar über moderne russische Panzer vom Typ T-90. Im Laufe der letzten zwei Monate ist das von Rebellen in Aleppo kontrollierte Gebiet um die Hälfte geschrumpft. Erst vor zwölf Tagen hatten die Regierungstruppen eine Offensive zur vollständigen Eroberung von Syriens zweitgrößter Stadt begonnen.

Dem Kessel droht die Spaltung

Mit der Einnahme von Masaken Hanano gelang ihnen ein wichtiger Schritt zur vollständigen Rückeroberung Ost-Aleppos. Der Vorstoß bietet eine perfekte Position, den Kessel aufzuspalten. An der schmalsten Stelle misst das Gebiet der Aufständischen nur noch etwa 1,5 Kilometer. Weiter im Südosten gelang es den Assadtruppen einige Tage zuvor, einen beherrschenden Hügel einzunehmen. Das Staatsfernsehen spricht davon, dass die regierungstreuen Kämpfer auf "drei Achsen" vorrückten. Den Rebellen droht so die Gefahr, dass ihr restliches Gebiet in mehrere Zonen zersplittert wird. In den letzten Wochen scheint der Widerstand der Rebellen immer mehr zu erlahmen. Es gelingt ihnen kaum noch, die Angriffe der Regierung abzuweisen oder verlorenes Gebiet zurück zu erobern.

Demonstranten protestieren in Genf gegen die Luftangriffe in Aleppo.

Demonstranten protestieren in Genf gegen die Luftangriffe in Aleppo.

Aleppo: Verzweifelte Lage der Zivilsten

Die Lage der Zivilisten in dem umkämpften Gebiet ist verzweifelt. Bislang ging kaum jemand auf die Evakuierungsangebote der Assad-Regierung ein. Ob die Menschen aus Furcht vor dem Machthaber oder aus Angst vor Gewalt der Aufständischen nicht fliehen, ist umstritten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Beginn der Offensive vor knapp zwei Wochen bei Bombardements der Regierungstruppen im Ostteil Aleppos 212 Zivilisten getötet, darunter 27 Kinder. Wegen der Kämpfe um Masaken Hanano flohen laut Beobachtungsstelle Dutzende Familien aus den Nachbarvierteln Sachur und Haidarije. Bei Angriffen auf Sachur seien am Samstag mindestens elf Zivilisten getötet worden. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk in Syrien, von unabhängiger Seite sind die Angaben kaum zu überprüfen. Allerdings zeigen auch Pro-Assad-Seiten erstmals große Mengen an Zivilisten, die in die von der Regierung kontrollierten Zonen fliehen.

Konfrontation mit der Türkei

Assad geht derzeit nicht nur in Aleppo in die Offensive. Trotz des chronischen Mangels an Kämpfern gelingt es ihm, zeitgleich auch in der Umgebung von Damaskus und in Latakien aktiv zu werden. Selbst im Norden von Aleppo beteiligen sich syrische Truppen am Rennen zu der strategisch wichtigen Stadt al-Bab, die derzeit noch vom IS gehalten wird. Ziel Assads dürfte es hier sein, ein weiteres Vordringen der Türkei zu blockieren. In der letzten Woche sollen syrische Flugzeuge erstmals türkische Truppen auf syrischem Gebiet angegriffen haben. Die Türkei verlegt seitdem Luftabwehrsysteme mittlerer Reichweite in das von ihr und den verbündeten Milizen eroberte Gebiet.

Unbestätigte Karte

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Gernot Kramper mit AFP
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