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Last Call: Kein Einbruch unter dieser Nummer

Die britische Polizei muss sparen und kann nicht mehr zu jedem Einbruch ausrücken. In Leicestershire gibt es ein sonderbares Sparmodell: Die Polizisten kommen nur noch, wenn man im richtigen Haus wohnt.

Die englische Polizei hat Geldnot. Sie kann nicht mehr jeden Einbruch bearbeiten. In Leicestershire kommt sie seit drei Monaten nur noch zu Leuten, die in Häusern oder Appartements mit gerader Hausnummer wohnen. Menschen in Häusern oder Wohnungen mit ungeraden Nummern haben Pech gehabt. Sogar im doppelten Sinne. Erst eingebrochen, dann keine Polizei. Zu ihnen fahren die Beamten nur noch, wenn sie am Telefon sagen, Blut sei geflossen. Mord, Totschlag, Vergewaltigung. So was eben. Schön ist das nicht. Einerseits. Andererseits spart das natürlich eine Menge Geld.

Wir hatten noch Glück unseren Einbrechern. In London kommt die Polizei nämlich (noch) zu Menschen, die ein ungerades Leben wie wir führen. Wir leben in Nummer 37, zu uns kamen sie. Genutzt hat es nichts. Nach einer Woche kriegten wir einen Brief, in dem stand, dass die Ermittlungen eingestellt sind. Sie hatten zuvor freundlicherweise noch Videoaufnahmen ausgewertet, auf denen drei Leute mit Kapuzenpullovern zu sehen waren, die erst in unseren Seiteneingang schlenderten und zehn Minuten später wieder raus kamen, mit erkennbar dickeren Rucksäcken. Dafür hätte es keine Ermittlungen gebraucht. Was in den Rucksäcken war, wussten wir auch so. In dem Brief der Polizei stand sinngemäß, sie könnten nicht alle Menschen mit Kapuzenpullovern verdächtigen und festnehmen. Das verstanden wir natürlich.

Sie schnappen sowieso keinen. Was soll's also?

Das ist im Übrigen und im weiteren Sinne auch der Grund für den Versuch in Leicestershire. Die Polizei war dort ständig zu irgendwelchen Einbrüchen ausgerückt, 1172 an der Zahl, und hatte lediglich 33 Verdächtige identifiziert. Das sind etwa drei Prozent. Da dachten sich die Leute der „East Midlands Special Operations Unit“, man könne es auch gleich ganz sein lassen. Oder wenigstens zur Hälfte. Und tatsächlich hat sich die Aufklärungsrate nicht wesentlich verschlechtert. Eigentlich gar nicht. Man merkt die Arbeit, respektive die Nicht-Arbeit, der Polizei nicht mal.

Überhaupt gehen die Verbrechen in Großbritannien zurück und liegen auf auf dem geringsten Stand seit 1981. Das kann aber auch daran liegen, dass die Polizei erst mal gar nichts tut wie im Fall des früheren Premierministers Edward Heath, der mutmaßlich ein Pädophiler war, was die Polizei mutmaßlich auch wusste, aber nichts unternahm. Jetzt, nach dem alles mit 30 Jahren Verspätung ans Licht kommt und Heath schon seit zehn Jahren tot ist, arbeitet sie um so mehr und härter, gleich fünf Ermittlungsverfahren laufen. Das kostet natürlich Personal, Zeit und Geld. Und irgendwo müssen sie dann ja wieder sparen. Zum Beispiel in Leicestershire. Die ungerade Hälfte der Bevölkerung dort ist darüber etwas verstimmt.

Es ist sogar möglich, dass alsbald auch die Hälfte der Bevölkerung von Lincolnshire, Nottinghamshire, Derbyshire and Northamptonshire verstimmt sein werden. Denn weil der Test so erfolgreich verlief, die Polizei also lückenlos nachweisen konnte, dass sie an sich überflüssig ist, soll das Experiment sogar ausgeweitet werden. Das hat vor allem für die Einbrecher erhebliche Planungsvorteile. Wäre ich haupt- oder auch nur nebenberuflicher Dieb, würde ich fortan nur noch in Häuser mit ungerader Nummer einsteigen. Auch für die Bewohner hat es bei Licht betrachtet Vorteile. Sie wissen jetzt genau woran sie sind, nämlich immer dran, und nicht mehr nur in 50 Prozent der Fälle. So gesehen: Alles gut.

Diverse Pilotversuche in der Hauptstadt

Eine Art Pilotversuch lief vor einiger Zeit bereits in der Hauptstadt. Im berühmten Diamantenviertel Hatton Garden räumte über Ostern eine Rentnertruppe den Tresorraum einer Schließfachfirma aus und raubte Edelsteine und Wertsachen im Wert von mindestens zehn Millionen Pfund. Am Gründonnerstag fuhr ein Minivan vor, Hatton Garden 88-90. Dem Wagen entstiegen ein paar als Arbeiter verkleidete Männer und gingen in ein Gebäude, das direkt neben der berühmten „Safety Deposit Company“ liegt. Die Herren versteckten sich dort nach Feierabend, seilten sich durch einen Aufzugschacht ab. Und warteten. Es wurde Nacht, dann Morgen, und Karfreitag machten sie sich ans Werk. Sie hatten einen Hilti-DD350-Bohrer dabei, ein mächtiges Gerät für dicke Wände, der Bohrkopf aus: Diamanten. Sie bohrten und bohrten und bohrten. Nachbarn wunderten sich ein wenig über den Lärm, aber dann auch wiederum nicht, denn es ist London, und in London wird immer irgendwo gebohrt. Irgendwann ging ein Alarm los, 21 Minuten nach Mitternacht, früher Karsamstag. Aber die Polizei schickte niemanden, „falscher Alarm vermutlich“, ist ja meistens so.

Die Männer gingen. Und sie kamen wieder, ein bisschen so, als wären sie auf Schicht bei Opel oder VW. Am späten Samstag abend kehrten sie zurück und bohrten noch ein bisschen. Und als das Loch groß genug war, schlüpften sie durch, standen im Tresorraum und öffneten gemütlich 73 Boxen der fast tausend Boxen, fast bescheiden. Am frühen Ostersonntag waren sie fertig mit dem Raub, packten ihre Sachen, schlüpften durchs Loch, verließen das Haus und fuhren nach Hause. Feierabend. Eier suchen. Dienstag nach Ostern wurde der Einbruch dann entdeckt.

Es war insgesamt eher peinlich für die Polizei, die erst den Alarm verpennte und behauptete, die Einbrecher seien vermutlich Profis gewesen. Es waren aber nur neun alte Männer, die jetzt in grauen Strickjacken vor Gericht stehen und manchmal den Richter nicht verstehen, „könnten Sie etwas lauter reden?“.

"Wir können keinen schicken, tut uns leid"

Ein zweiter Pilotversuch lief dann bei uns zu Hause. Seit dem Einbruch im Frühjahr versuchen wir, etwas bewusster auf uns und unsere Nachbarschaft zu achten. Zum Zwecke des Selbstschutzes ziehen wir abends sogar sehr hässliche weiße Metallgitter vor die Türen, die unserer Wohnung Charme und Heimeligkeit einer Justizvollzugsanstalt verleihen. Was tut man nicht alles.

Blick aus dem Büro, vergittert. Sicherheitshalber

Neulich ging in der Nachbarschaft eine Alarmanlage los. Sie hörte gar nicht mehr auf. Wir gingen schließlich auf die Straße und sahen, dass das betroffene Nachbarhaus stockdunkel war, beleuchtet nur vom Lichtkegel der Alarmanlage. Die Frau rief die Polizei.

Der Polizist sagte: „Wir können niemanden schicken, tut uns leid, keine Leute.“

Die Frau sagte: „Und wenn da nun eingebrochen wurde?“

Der Polizist sagte: „Können wir ja sowieso nichts mehr machen.“

Die Frau sagte: „Die Nachbarn tun mir wirklich leid.“

Der Polizist sagte: „Und Sie tun mir leid. Muss ja nerven mit dem Lärm von der Alarmanlage.“ Er riet der Frau, wir sollten beim local council, bei der Bezirksverwaltung, anrufen und uns über die Ruhestörung beschweren. Das war an einem Samstag, kurz nach Mitternacht. Wir riefen natürlich nicht an. Vermutlich hätten die Leute vom local council dann auch nur die Polizei gerufen.

Irgendwann hörte die Alarmanlage auf. Wahrscheinlich waren die Einbrecher von dem Lärm auch genervt und stellten einfach den Strom ab. Wir werden es nie erfahren. Unsere Nachbarn wohnen im Übrigen auch ungerade, Nummer 41. Selbst schuld.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.