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Mexiko: Wahlverlierer ernennt sich zum Präsidenten

Offiziell hat Andres Lopez Obrador die Präsidentschaftswahl in Mexiko verloren. Doch er wirft dem Sieger Wahlbetrug vor und ließ sich vor tausenden Anhängern zum "legitimen" Präsidenten küren.

In Mexiko hat sich der linksorientierte Wahlverlierer Andres Manuel Lopez Obrador vor Zehntausenden Anhängern zum "legitimen Präsidenten" küren lassen. Am Jahrestag der mexikanischen Revolution ließ sich der im Sommer knapp unterlegene Präsidentschaftskandidat eine rot-weiß-grüne Schärpe umhängen, den Nationalfarben Mexikos.

Der echte Präsident muss mit Protesten rechnen

Unter dem Jubel der Menschenmenge kündigte Obrador auf der Kundgebung im Herzen von Mexiko-Stadt die Einrichtung einer Parallelregierung an, die für die Interessen der Armen kämpfen werde. "Es gibt Millionen von Mexikanern, die weitere Missbräuche nicht dulden werden", sagte Obrador. Die Zeremonie hat zwar keine rechtlichen Konsequenzen, könnte aber den Beginn neuer Proteste gegen den wirtschaftsliberalen Wahlsieger Felipe Calderon markieren. So drohte Obrador damit, jedes Mal zu einem nationalen Protest aufrufen zu wollen, wenn die Regierung Schritte gegen das öffentliche Interesse unternehmen sollte.

Bei der Präsidentenwahl Anfang Juli war Calderon von der regierenden Partei der Nationalen Aktion (PAN) extrem knapp als Sieger hervorgegangen. Obrador warf ihm daraufhin Wahlbetrug vor. Die Einwände erklärte das Oberste Gericht später aber für nichtig. Während des wochenlangen Streits über das Wahlergebnis rief Obradors Linksbewegung zu Massenprotesten auf, wodurch Teile der Hauptstadt zeitweise lahm gelegt wurden. Die Protestbewegung ebbte aber langsam ab. Die offizielle Amtsübernahme von Calderon soll am 1. Dezember stattfinden. Die Opposition will die staatliche Feier mit Protesten stören.

Reuters / Reuters
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