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Zivilcourage in Schweden : Eine Frau gegen 300 Nazis

Seit dem 1. Mai ist Tess Asplund ein Star. Die Schwedin hat sich allein mit erhobener Faust einer Nazi-Demo in den Weg gestellt. Nun geht ihr Foto um die Welt. Aber auch in Dresden gibt es mutige Bürger.

Das Bild von Tess Asplund in einem "Guardian"-Artikel

"Ich hat mich wahnsinnig gemacht und stinksauer", sagt Tess Asplund über ihre Motivation, sich den Nazis in den Weg zu stellen.

"Es war meine Nelson-Mandela-Faust", sagte Tess Asplund dem TV-Kanal der schwedischen Zeitung "Aftonbladet". Der südafrikanische Freiheitskämpfer sei für sie schon immer eine große Inspiration gewesen. Am 1. Mai hat sich die zierliche Frau im schwedischen Borlänge einer Nazi-Demonstration entgegengestellt, und der Fotograf David Lagerlöf drückte im entscheidenden Augenblick auf den Auslöser. Entstanden ist ein Foto, das sich gerade als neue Ikone gegen den Rassismus in den sozialen Medien verteilt - und Asplund zum Internet-Star macht.

Asplund, die sich selbst als Afro-Schwedin bezeichnet, engagiert sich schon lange in schwedischen Antirassismus- und Asylrechtsgruppen. Sie war am 1. Mai nach Borlänge gereist, das rund 200 Kilometer nordwestlich von Stockholm liegt, um gegen den Marsch der rechtsextremen "Nordischen Widerstandsbewegung" zu protestieren.

"Es hat mich wahnsinnig gemacht und stinksauer. Die sollten dort nicht marschieren", zitiert "Aftenbladet TV" die 42-Jährige. Auf dem Foto steht sie drei Männern in weißen Hemden gegenüber. Die Szene dauerte nur wenige Sekunden, bevor Asplund von einem der Neonazis zur Seite geschupst wird. In einem Video ist die Szene zu sehen und auch, wie rabiat ein anderer Mann angegangen wird, der Asplund applaudierte.

Sie sei "überrascht und erschüttert" über das große Interesse an dem Foto, so Asplund. Sie hoffe aber, dass es noch mehr Menschen inspirieren werde, gegen den Rassismus aufzustehen. “Ich hoffe, da kommt etwas Positives bei heraus. Wenn eine Person das tun kann, kann es jeder", sagte sie dem "Guardian".

Asplunds Aktion hat auch schon prominente Unterstützung erfahren. "Harry Potter"-Autorin JK Rowling zeigte sich auf Twitter begeistert vom Mut der Schwedin: "Guckt euch an, was diese Frau getan hat. Tess Asplund, du bist großartig".

Mutiger Bürger auch in Dresden

Was Asplund für Schweden ist ein bisher unbekannter Mann mit Rucksack für Deutschland: Er stellte sich am vergangenen Montag der Pegida-Demonstration von 3000 Menschen in Dresden in den Weg. Der ältere Mann wurde sofort äußerst brutal von Ordnern mit Sonnenbrillen zur Seite gedrängt und von der vorbeiziehenden Menge mit "Abschieben!"-Rufen bedacht. Erstaunlicherweise entblödet sich Pegida nicht, das als Beispiel ihrer Durchsetzungskraft zu feiern: 3000 gegen einen.

Vielleicht werden es ja bald mehr, die sich in den Weg stellen, wenn der Hass maschiert.

sal
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