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Fragiler Friede: 20 Jahre nach dem Karfreitagsabkommen – Nordirland ist noch lange nicht versöhnt

Die Politik in Nordirland ist zerstritten und das Land geteilt in Protestanten und Katholiken, Gemäßigte und Sektierer. Der Brexit ist fast das geringste Problem.

Nordirland ist auch 20 Jahre nach dem Friedensabkommen unversöhnt

Spiel mit dem Feuer: Protestanten in Ost-Belfast, Nordirland feiern am 12. Juli den Sieg von Wilhelm von Oranien über seinen katholischen Herausforderer – geschehen 1690

Diese Geschichte muss beginnen mit einem Mann, der für die Hoffnung stand und auch allen Grund hatte, daran zu glauben, es könne nur besser werden in Nordirland nach Bomben und Toten und Bürgerkrieg in Newry, County Armagh und Down, nicht weit von der See und der Grenze zwischen der Republik Irland und der britischen Provinz im Norden, die heute so grün ist wie die ganze Insel. Der erlebte, wie aus einer Region der Verlierer eine Region der Gewinner wurde. Der in einer Hosentasche Pfund trägt und in der anderen Euro, sich als Europäer fühlt und Ire, den Briten aber dankbar ist für Bildung und seinen Doktortitel. Der aber, und hier schließt sich der Kreis, nunmehr ratlos wirkt und sich fürchtet vor den Schatten von einst. Nicht vor Bomben und Terroristen, "das ist vorüber", aber vor Rückschritt und Stillstand, vor harten Grenzen und Hardlinern.

Wer Nordirland verstehen wiIl, muss dessen Vergangenheit kennen

Er heißt Conor Patterson, ist Boss der Handelskammer und der "Newry & Mourne Enterprise Agency", der Gründer eines Businessparks im Grenzland, 200 Arbeitsplätze. Außerdem ist Conor ein guter Erzähler, der in den Konferenzraum eines Zweckbaus bittet und sagt, dass, wer Nordirland verstehen will, vor allem die Vergangenheit kennen muss. Er will einen Film zeigen, einen Film von früher. Sein Newry Anfang der 90er Jahre zu Zeiten der "Troubles", der "Unruhen", wie Iren und Briten verharmlosend und in seltener Übereinstimmung den Bürgerkrieg nennen, in dem beide Bevölkerungsgruppen darum gerungen haben, ob die Region nun Teil einer irisch-katholischen Republik oder eines protestantischen Großbritanniens sein solle. "Troubles", als seien mehr als 3500 Tote lediglich eine Kalamität.

Wunden, die nicht heilen: In der Shankill Road in West Belfast werden auf Wandgemälden protestantische Paramilitärs gefeiert; ein paar Dutzend Meter weiter, auf der katholischen Seite der Mauer, wird der IRA gedacht

Wunden, die nicht heilen: In der Shankill Road in West Belfast werden auf Wandgemälden protestantische Paramilitärs gefeiert; ein paar Dutzend Meter weiter, auf der katholischen Seite der Mauer, wird der IRA gedacht

Bressbrook nahe Newry jedenfalls war seinerzeit einer der größten Helikopter-Airports Europas, auf drei Zivilisten kam ein Soldat, die katholische Untergrundorganisation IRA mordete, die Arbeitslosigkeit lag bei 30 Prozent. Der Film dauert eine Viertelstunde; man sieht verängstigte Soldaten und Zivilisten durch die Straßen laufen. Man sieht Wachtürme und Staus und Hubschrauber. Diesen Ausschnitt präsentierte Patterson in seiner Funktion als Handelsreisender nach dem britischen EU-Referendum Politikern in Brüssel, in Paris und in London. Und wenn er fertig war, herrschte Schweigen. Er sagt, er wolle keine Angst machen, aber das Bewusstsein schärfen.

Später, bei einer Tour durch die Gegend, steht er auf einer Brachfläche mit verfallenen Gebäuden; das war die alte Zollstation zwischen der Republik und der königlichen Provinz, die man irgendwann nicht mehr brauchte. Erzählt von einer gar nicht fernen Zeit. Wie er als junger Mann von Soldaten angehalten wurde, er herausgeputzt auf dem Weg zum Date mit seiner heutigen Frau, und sie ihm befahlen, er müsse die Autobatterie ausbauen, und er danach aussah wie ein Schwein, pure Schikane. Oder wie die IRA ihn stoppte und eine Bombe in seinen Kofferraum wuchten wollte, aber der Kofferraum zu klein war und er Todesangst hatte aus gleich zwei Gründen – der Bombe wegen, aber auch vor den britischen Truppen, die ihn auf der Stelle abgeknallt hätten. Oder. Oder. Oder.

Denn so war ja das Leben, "totale Scheiße". Sie sind einen weiten Weg gegangen seitdem. Aber wenn ihn die Leute fragen, ob sie bleiben und investieren sollen 20 Jahre nach dem offiziellen Frieden und ein Jahr vor dem offiziellen Abschied aus der EU, antwortet er ehrlich: "I don't fucking know", er wisse es nicht.

Er wirbt für mehr Gemeinsamkeit: Pastor Jack Lamb

Er wirbt für mehr Gemeinsamkeit: Pastor Jack Lamb

Es sind ja nicht nur der Brexit und die Sorgen über die neue, alte Grenze. Es sind darüber hinaus die vielen anderen Grenzen und Blockaden, die durch dieses kleine Land laufen, physische wie psychische. Zwei Jahrzehnte nach dem Karfreitagsfrieden, der die Gewalt beenden und Versöhnung ermöglichen sollte, ist Nordirland tief gespalten. In Arm und Reich, in Katholiken und Protestanten, Nationalisten und Unionisten, EU-Freunde und EU-Gegner, in Moderate und Verblendete. Obendrein seit 15 Monaten unregiert, weil sich die proirische Sinn Féin und die probritische Democratic Unionist Party (DUP) im Regionalparlament Stormont nicht auf den kleinsten Konsens einigen können. Seitdem wird es aus London verwaltet. Patterson sagt: "Die beiden gesellschaftlichen Gruppen driften auseinander." Der Brexit ist in Wahrheit nur eines von vielen Problemen und nicht das größte.

"The Troubles Are Back"

Es wächst in Nordirland nicht zusammen, was historisch auch nicht zusammengehört. Besiedelt oder, besser, annektiert im frühen 17. Jahrhundert von schottischen Presbyterianern auf Ländereien enteigneter irisch-katholischer Adliger, von Beginn an mithin Nährboden für Zwist, der sich zu Hass auswuchs, als der englische König Wilhelm von Oranien 1690 seinen katholischen Vorgänger und Schwiegervater Jakob II. in der Schlacht am Boyne-Fluss nördlich von Dublin besiegte und damit Irland für die Krone zurückeroberte.

Fans der Nationalmannschaft zeigen ein Symbol der nordirischen Unionisten: die rote Hand von Ulster

Fans der Nationalmannschaft zeigen ein Symbol der nordirischen Unionisten: die rote Hand von Ulster

Jahr für Jahr gedenken Protestanten dieser Schlacht und ziehen, zum Groll der Katholiken, auch durch deren Bezirke. Nach dem irischen Unabhängigkeitskrieg 1921 war es fast logisch, dass aus den sechs protestantischen Countys Nordirland entstand, knapp 1,9 Millionen Einwohner, kleiner als Schleswig-Holstein und steter Quell der Unruhe, die Ende der 60er Jahre eskalierte in einen bürgerkriegsähnlichen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen IRA und Paramilitärs und dann auch britischen Truppen.

Man könnte auch sagen, dass dieser Sprengsel alle nervt. Er nervt die Briten, weil sie ihre Söhne in einen Krieg schickten, aus dem viele nicht zurückkehrten. Er nervt gemäßigte Iren in der Republik, die ihre Verwandtschaft im Norden vielfach als religiöse Sektierer betrachten und von einer Vereinigung nichts wissen wollen.

Er nervt ganz besonders den Bürgerrechtler, Politiker, Autor und Aktivisten Eamonn McCann, der spricht: "Nationalismus ist per se ja schon ein verdammter Fluch. Aber wir hier haben gleich zwei Versionen davon! Katholische Republikaner und protestantische Unionisten." Während sich die beiden Parteien verkeilen, versickern die großen Probleme Gesundheit, Bildung, Gleichberechtigung im Niemandsland dieses ideologischen Zwists. Ihn macht das kirre.

Der Geschäftsmann Conor Patterson hier vor einer ehemaligen inneririschen Zollstation

Der Geschäftsmann Conor Patterson hier vor einer ehemaligen inneririschen Zollstation

Wir treffen McCann in Derry, zweitgrößte Stadt, die todtraurige Weltberühmtheit erlangte am 30. Januar 1972, als 13 Zivilisten von britischen Fallschirmjägern erschossen wurden, der "Bloody Sunday". McCann sitzt, ganz in Schwarz, im "Sandinos", einem Pub, nicht weit vom Fluss Foyle, der die Stadt durchläuft und natürliche Demarkationslinie der beiden Lager ist. Die Leute hier reden von Westbank und Eastbank wie in Palästina.

Geister und blutige Sonntage in Nordirland

McCann ist eine irische Berühmtheit. Er führte in den 60er Jahren die Civil-Rights-Bewegung an, er saß für die von ihm gegründete "People Before Profit"-Partei im nordirischen Parlament; er schreibt für Zeitungen in Dublin und in Belfast. Und vor einiger Zeit schrieb er einen Artikel für die "New York Times", die Schlagzeile lautete: "The Troubles Are Back". Nun sagt er: "Das Karfreitagsabkommen hat die Probleme nicht gelöst, es hat sie nur eingefroren." Er war dagegen, weil der Vertrag "von Beginn an auf Stillstand und Blockade hinauslief".

Eigentlich, sagt McCann, beruhe alles nämlich auf einer historischen Lüge. "Vor 20 Jahren zogen die Leute von der DUP von Haus zu Haus und sagten ihren protestantischen Wählern: stimmt dafür, weil die Iren sich damit zu Großbritannien bekennen. Und hundert Meter weiter erzählten die Leute von Sinn Féin ihren katholischen Wählern, das Abkommen öffne endlich die Tür zur Republik und zur Einheit." Er lacht laut, weil: "Lächerlich!" Die Gräben so weit und tief wie früher.

Der Kampf geht weiter: Die "Hooded Men" bei einer Mahnwache in Derry. Sie kamen 1971 in Haft. Und wollen ihre Misshandlungen gesühnt sehen

Der Kampf geht weiter: Die "Hooded Men" bei einer Mahnwache in Derry. Sie kamen 1971 in Haft. Und wollen ihre Misshandlungen gesühnt sehen

Sind die alten Geister also zurück? "Die Geister", sagt er, "waren ja nie weg." Und was er damit meint, erlebt man am nächsten Tag in Bogside, dem katholischen Viertel. Die Wunden des Kriegs vernarben hier nicht, sie werden gepflegt. Wandgemälde an Häuserfronten von Besatzung und "Bloody Sunday" und Hungerstreik. Es gibt Mahnmale und ein Museum und einen kleinen Platz mit einer weißen Wand, auf der "You Are Now Entering Free Derry" steht und vor der eine Handvoll älterer Männer posiert, jedem Kind – zumindest hier – geläufig als "The Hooded Men". Sie wurden 1971 interniert, wurden gefoltert und scheinexekutiert. Und erst vor zwei Wochen lehnte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Klage ab, das Verhalten der Briten als "Folter" zu verurteilen, und beließ es bei "inhumaner und entwürdigender Behandlung". McCann hat diese Mahnwache initiiert, er spricht durch ein Megafon und von Schande. Und die Männer sprechen von Nordirland als den "britisch besetzten Countys". Der Krieg hat für sie nie aufgehört, er ist allgegenwärtig.

Es kehren sogar die blutigen Rituale von einst zurück, die "punishment crimes", verübt von Paramilitärs, die Drogendeals und anderes Fehlverhalten mit Prügeln, Schüssen durch Kniekehlen und schlimmstenfalls Tod sanktionieren. In den Kinos läuft eine Dokumentation der Filmemacherin Sinéad O'Shea mit dem Titel "A Mother brings her Son to be shot". Sie handelt von einer verzweifelten Mutter, die ihren Sohn den Paramilitärs überstellt, auf dass sie ihm die Knie kaputt schießen als Strafe für Drogenhandel, aber wenigstens nicht in den Kopf. Das ist die Realität in dieser Frontstadt, oben auf dem Hügel über Bogside im "Rosemount Resource Centre" hocken die beiden alten IRA-Veteranen Tommy McCourt und John Donnelly und berichten beim Tee von ebendiesem Alltag.

Davon, wie sie mit ihren Nachfolgern der "New IRA" dealen. Die beiden sind Mediatoren und haben in Hunderten von Fällen verhandelt, meistens erfolgreich. Auf einem Faltblatt notieren sie Namen, Alter, Quelle und Art der Bedrohung – Vertreibung, Prügel, Schüsse, Einschüchterung. Aber manchmal trifft das alles nicht zu wie im Fall von Paul, 19, der vor vier Jahren erlebte, wie Maskierte ins Haus des Vaters eindrangen und sich einen Scheiß darum scherten, dass der Junge mit ansah, wie sie dem Vater durch die Beine schossen und Paul Todesängste ausstand und seine Tür mit Matratzen verriegelte und sich monatelang verkroch im Zimmer und an Selbstmord dachte. Paul sagt, er könne bis heute mit seinem Vater nicht darüber sprechen. Er weiß nicht mal, warum die Männer kamen. Er stellt keine Fragen und raucht viel. Die Leute vom Resource Centre kümmern sich um Paul.

John Donnelly kämpfte früher auf Seiten der IRA. Heute verhandelt er mit Paramilitärs, die sich als Stadtguerilla aufführen

John Donnelly kämpfte früher auf Seiten der IRA. Heute verhandelt er mit Paramilitärs, die sich als Stadtguerilla aufführen

Sie sind Anlaufstelle für Alte, Kranke, Bedrohte und Verzweifelte. Einmal, erzählt John, kam ein junges Pärchen, und der Junge fragte, ob sie nicht dafür sorgen könnten, dass ihm die Maskierten die Knie zertrümmern mit Stangen oder Kugeln und sie fortan von der Sozialhilfe würden leben können. John schüttelte fassungslos den Kopf, aber das Mädchen an der Seite insistierte, das sei eine gute Idee und sie würde ihren Freund im Rollstuhl schieben. "Das sagt alles über den Zustand der Politik", sagt John Donnelly, "ziemlich fucked up." Liam Kennedy, Historiker von der Queens University in Belfast, bezeichnet Nordirland als "bipolar" und die Stimmung "als neuen kalten Krieg". Andere nennen es "kalten Frieden". Beides meint in etwa dasselbe.

Ian Paisleys Sohn, ein Freund von Donald Trump

Mit diesem Verdikt begegnet man in Ballymena einem der bekanntesten Politiker des Landes, Ian Paisley junior, DUP-Abgeordneter im britischen Unterhaus und Sohn des legendären Reverend Ian Paisley, welcher Nordirland als letztes Refugium eines wahren Protestantismus begriff und jeden Angriff als direkte Attacke auf Gott. Der aber auf seine alten Tage eine seltsame Allianz mit dem früheren IRA-Mann Martin McGuiness einging, sie sich tatsächlich annäherten und mit einer Koalition der Vernunft Nordirland Stabilität verliehen. Die beiden sind inzwischen tot, und mit den altersmilden Extremisten verblich offenbar auch das Streben nach minimalem Einvernehmen.

Paul war als 15-Jähriger Zeuge, wie Maskierte seinem Vater die Knie zerschossen

Paul war als 15-Jähriger Zeuge, wie Maskierte seinem Vater die Knie zerschossen

Man kann nicht unbedingt sagen, dass Paisley junior der gemeinsamen Sache besonders förderlich wäre. Er kommt gerade zurück aus Washington, wo er Trump traf, den er Freund nennt. Paisley ist bester Laune an diesem verregneten Nachmittag.

Spaltung? Paramilitärs? Kalter Krieg? Das hört er sich alles an, nickt und sagt: "Ich erzähle Ihnen jetzt mal was." Und dann erzählt er von seiner Tochter, die vor einigen Jahren einen Aufsatz in der Schule über die "Troubles" schreiben musste und ihren Vater fragte, was das denn sei. "So weit sind wir gekommen in diesen 20 Jahren", sagt er. "Das ist kein neues Kapitel, das ist ein neues Buch." Außerdem, die Zukunft rosig, weil mit dem Brexit die Türen aufgestoßen zu neuen Ufern, "eine Revolution", obwohl eine Mehrheit von 56 Prozent der Nordiren für den EU-Verbleib stimmte.

Paisley, man muss ihm das lassen, glaubt fest an den Brexit als Erfolgsgeschichte. Das Problem ist nur, dass die Menschen der Politik nicht mehr glauben. Man begegnet ihnen überall im Land und auf beiden Seiten des Spektrums. Menschen, die all das nicht mehr wollen, die Mauern, die sie hier "Peace Walls" nennen, den Stacheldraht, die getrennten Schulen. Es sind vor allem Menschen, die genau hinter diesen Mauern leben seit Jahrzehnten und die Nachbarn auf der anderen Seite nicht kennen, obwohl sie dieselben Sorgen teilen. Und also wächst ausgerechnet beidseits dieser Mauern die Hoffnung, dass man sie eines Tages nicht mehr braucht und sie sich begegnen wie früher, ehe die Tage dunkel und blutig wurden.

Womöglich braucht es mitten in Belfast einen Schotten als Stimme der Vernunft, Reverend Jack Lamb. Seine Kirche liegt an der Mauer zwischen protestantischer Shankill Road und katholischer Falls Road, und natürlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass heute die Kirchen auf beiden Seiten den Dialog vorantreiben, auch ein schottischer Geistlicher, mit dessen Vorfahren vor Jahrhunderten das Drama begann.

Im Schatten des Vaters: Ian Paisley junior, Sohn des berühmten Reverend Paisley, gilt als protestantischer Hardliner. Er nennt den Brexit Segen und Revolution

Im Schatten des Vaters: Ian Paisley junior, Sohn des berühmten Reverend Paisley, gilt als protestantischer Hardliner. Er nennt den Brexit Segen und Revolution

Lamb kam 1995, er ließ sich freiwillig versetzen aus dem puppenstubenhaften Edinburgh in einen Bürgerkrieg. Er ist ein flamboyanter, warmer Prediger in schwarzer Lederweste und mit weißem Spitzbart, der wild gestikulierend von interkonfessionellen Projekten schwärmt. Vom Geschäftspark auf der anderen Seite, den eines seiner Gemeindemitglieder bereits 1988 gründete, als richtiger Krieg war.

Wenn Elvis singt, bleiben die Tore durch die Mauer offen

Heute laden sie die Gläubigen von der "Clonard Monastery" regelmäßig ein und umgekehrt. Lamb lobt die katholischen Brüder und Schwestern für ihre Ausdauer und Geduld und ihren Ethos. Und kritisiert seine protestantischen Brüder und Schwestern für deren Hang, vieles dem Staat zu überlassen, der aber gar nicht da ist. Lamb glaubt an das Gute und den Wandel. Das liegt wohl in der Natur seines Berufs.

Ende April holt er einen Vikar aus den englischen Midlands nach Belfast, der im Ruhestand Elvis entdeckte und als Imitator im weißen Anzug auftritt. Lamb wird 5000 Flugblätter drucken lassen und die hüben wie drüben verteilen, die Kirche dann pickepacke voll wie ganz früher vor den "Troubles", als die Leute vor der Kirche Schlange standen. Der Reverend hat schon mit der Stadt gesprochen. An jenem Abend, wenn Elvis singt, bleiben die Tore durch die Mauer offen.

Fahrplan, Reisen, Proteste: Was passiert jetzt mit dem Brexit?
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