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Nordkorea Vom Dik- zum Dünntator: Kim Jong Un präsentiert sich deutlich verschlankt als Krisenmanager

Kim Jong Un Dünn
Deutlich verschlankt präsentierte sich Kim Jong Un vor den Spitzenkadern der nordkoreanischen Arbeiterpartei.
© KCNA / DPA
Die Versorgungslage in Nordkorea ist schlecht, Machthaber Kim Jong Un stellt daher Pläne vor, die Landwirtschaft zu reformieren. Diese Nachricht wird allerdings durch einen deutlich veränderten Look des Diktators in den Hintergrund gedrängt.

Seit ziemlich genau zehn Jahren herrscht Kim Jong Un über Nordkorea. Nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il im Dezember 2011 übernahm er das Familienzepter. Doch nur wenige Beobachter trauten dem damals nicht einmal 30 Jahre alten Kim-Spross zu, dass er sich lange an der Macht würde halten können. Es kam anders. Auch Dank sehr rabiater Säuberungen an der Staatsspitze und dem Versprechen von Reformen. Spektakulärer Höhepunkt waren vorsichtige Sommerflirts mit dem Erzfeind: die Atomgipfel mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Kim wirkte zunehmend wie sein Großvater

Anders als sein Vater mischt sich Kim der Dritte gerne unter das Volk. Was in der Welt der abgeschotteten Diktatur vor allem heißt: Der Führer inspiziert sein Land und gibt öffentlichkeitswirksam Anweisungen. Obwohl er selbst nie wirklich schlank war, nahm der Jung-Machthaber trotzdem schnell weiter zu und wirkte dabei immer mehr wie sein Großvater Kim Il Sung, erster Diktator Nordkoreas. Selbst Frisur und Mao-Anzug übernahm er vom Opa. Das Kalkül dahinter: Obwohl schon seit fast 30 Jahren tot und anders als der Vater, genießt der Staatsgründer immer noch große Beliebtheit im Volk. Der Enkel borgte sich von ihm also ein paar Insignien der Popularität.

Doch zumindest die Körperfülle erledigt sich zunehmend. Als Kim Jong Un nun die Pläne zur "ländlichen Entwicklung" vorgestellt hat, saß da plötzlich ein deutlich verschlankter Kim vor der Machtelite des Landes. Schon im Sommer war seine offenkundige Diät aufgefallen. Über die Gründe seiner Abmagerungskur lässt sich nur spekulieren, aber zuletzt machten Gerüchte über ernsthafte Gesundsheitsprobleme die Runde. Als er vor ein paar Jahren aus der Öffentlichkeit verschwunden war und nach Wochen mit Krücken wieder auftauchte, hieß es, dass sein zu hohes Gewicht zu Problemen an den Fußgelenken geführt haben soll.

Vielleicht "erfindet" sich der dünne Diktator derzeit einfach nur neu, oder aber er muss angesichts der vielen Krisen im Land noch einmal mehr auf Fitness achten. Neben dem immer noch nicht gelösten Streit um das Atomprogramm, kämpft Nordkorea wieder mit dem Dauerproblem Lebensmittelversorgung. Die ohnehin eher raren Flächen für landwirtschaftliche Nutzung wurden im Sommer durch Unwetter weiter dezimiert. Dazu kommen die Folgen der Sanktionen durch den Westen und natürlich: Corona.

Auf der jüngsten Plenarsitzung der herrschenden Arbeiterpartei wurde die angespannte Versorgungslage diskutiert und beschlossen, mittel- und langfristige Strategien für den ländlichen Raums zu entwickeln. Kim habe dazu "wichtige revolutionäre Maßnahmen" ergriffen, heißt es in den Staatsmedien. Die Beschäftigung mit dem Thema macht deutlich, wie dringlich das Thema für die kommunistische Führung des Landes ist. Noch im Juni hatte Kim bei einer Sitzung des Zentralkomitees die Bevölkerung auf eine schlechtere Versorgung mit Nahrungsmitteln vorbereitet.

Quellen:Foreign Policy, DPA, KNCA.

tkr

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