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Kämpfe zwischen Türkei und Kurden: Trump lobt seine eigene "sehr kluge" Entscheidung zu Nordsyrien – macht dabei aber einen Denkfehler

Donald Trump hat am Sonntag seine Sicht zur Situation in Nordsyrien via Twitter kund getan. Der US-Präsident lobte sich selbst, übersah dabei jedoch einen sehr entscheidenden Punkt.

US-Präsident Donald Trump drohte der Türkei via Twitter mit Sanktionen

US-Präsident Donald Trump drohte der Türkei via Twitter mit Sanktionen

AFP

Dass Donald Trump sich für besonders clever hält, ist keine Neuheit. Ständig lobt sich der 45. US-Präsident selbst, ob bei Pressekonferenzen oder via Twitter. Am Sonntag verkündete er auf seinem Lieblingsmedium, wie "sehr klug" es doch sei, dass die USA bei den "intensiven Kämpfen an der türkischen Grenze "nicht beteiligt" seien. "Zur Abwechselung", wie er hinterher schob. "Die, die uns zu Unrecht in die Kriege im Mittleren Osten geführt haben, drängen weiter darauf, dass wir dort kämpfen. Die wissen gar nicht, wie schlecht diese Entscheidung war", führte er aus.

Was Trump bei seinem Tweet freilich übersieht: Die Kämpfe an der türkischen Grenze finden aktuell nur deswegen statt, weil er aus genau dem Gebiet Anfang der Woche 50 US-Soldaten abziehen ließ und damit die Grundlage für den Angriff legte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nahm Trumps Entscheidung als grünes Licht für seine Offensive auf die dort in der Selbstverwaltungszone lebenden Kurden. Am Wochenende verkündeten die USA den Abzug von weiteren knapp 1000 US-Soldaten aus dem Gebiet. 

Kurden wichtiger Partner im Kampf gegen IS

Die dort aktive Kurdenmiliz YPG ist für die westlichen Staaten einer der, wenn nicht der wichtigste Partner im Kampf gegen die IS-Dschihadisten gewesen. Deren Kämpfer tragen einen großen Anteil daran, dass die Terrormiliz dort nahezu vollständig besiegt werden konnte. Die USA haben in den vergangenen Monaten eng mit den Kurden zusammengearbeitet. Die Türkei aber sieht die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation.

Seit Mittwoch war es in dem von Kurden gehaltenen Norden Syriens zu erbitterten Gefechten mit der türkischen Armee gekommen. Rund 130.000 Menschen wurden laut UN-Angaben seit Beginn der Offensive am Mittwoch vertrieben. Mehr als 150 Kurden sollen nach Angaben von Beobachtern bereits getötet worden sein, gut ein Drittel davon Zivilisten. Im Fokus der Kämpfe standen am Sonntag die syrischen Grenzstädte Ras al-Ain und Tall Abjad.

Angela Merkel fordert Stopp der Militäroperation

Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am Sonntag mit dem türkischen Präsidenten und forderte laut ihrem Sprecher eine "umgehende Beendigung der Militäroperation". Merkel warnte Erdogan, dass die Offensive ungeachtet berechtigter türkischer Sicherheitsinteressen zur Vertreibung größerer Teile der lokalen Bevölkerung führen könnte. Zudem drohten eine Destabilisierung der Region und ein Wiedererstarken des IS. Bundesaußenminister Heiko Mass gab am Wochenende bekannt, dass keine Lieferungen von Waffen mehr genehmigt würden, die in Syrien eingesetzt werden könnten. Frankreich ergriff ähnliche Schritte. Erdogan kritisierte beides scharf.

US-Präsident Trump erläuterte in weiteren Tweets seine Strategie, die US-Armee aus den "endlosen Kriegen" im Nahen Osten zurückziehen zu wollen. "Die Kurden und die Türkei kämpfen seit vielen Jahren gegeneinander. (...) Andere wollen vielleicht reingehen und für eine der beiden Seiten kämpfen. Lasst sie!", schrieb Trump. Kurz darauf drohte er der Türkei jedoch – ebenfalls in einem Tweet –, dass die USA sich darauf vorbereite, "mächtige Sanktionen" gegen die Türkei in Kraft zu setzen. Details nannte er nicht.

Quellen: Twitter / DPA

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