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ÖLBOHRUNGEN: Bohren statt sparen

Das US-Repräsentantenhaus hat ein umstrittenes Gesetzespaket gebilligt. Es sieht etwa vor, in einem Naturpark in Alaska nach Öl zu bohren. Bushs Energiepolitik hat damit einen wichtigen Sieg errungen. Auf Kosten der Natur.

Das US-Abgeordnetenhaus hat Präsident George W. Bush kurz vor der Sommerpause in der Energiepolitik einen Riesenerfolg beschert, mit dem er wohl selbst nicht gerechnet hatte. Unter dem Druck einer ungewöhnlichen Koalition von Industrie und Gewerkschaften billigten die Abgeordneten Bushs umstrittenen Energieplan und damit auch die von Umweltschützern heftig bekämpften Ölbohrungen in einem Naturschutzgebiet in Alaska.

Bushs Plan, das Naturschutzgebiet in Alaska für die Ölfirmen zu öffnen, sorgt seit der frühen Phase des Wahlkampfs für Zündstoff. Die ehemaligen Ölmanager Bush und sein Vize Dick Cheney argumentieren, die USA hätten eine Energiekrise und müssten sich von der Abhängigkeit aus dem Nahen Osten befreien. Dies könne unter anderem durch Ölbohrungen in Alaska geschehen, wo es riesige Vorräte gebe und die Umwelt dank moderner Bohrmethoden kaum beeinträchtigt werde.

Doch von Anfang an waren Umweltschützer mit voller Kraft gegen das Projekt angerannt und hatten geschworen, es zu Fall zu bringen. Unterstützt wurden sie dabei durch Meinungsumfragen, die zeigten, dass die meisten Amerikaner die Umweltpolitik ihres Präsidenten vor allem in diesem Fall nicht mittragen. So hatten die meisten Beobachter vermutet, dass Bush seinen Plan leise begraben würde.

Doch Bush blieb hart und zog an allen Strippen. Er machte Alaska zu einem Test für die Loyalität seiner Republikanischen Partei und suchte die Unterstützung der Gewerkschaften, denen er das Projekt mit der Aussicht auf Hunderttausende neuer Jobs schmackhaft machte. Die Befürworter machten es Kritikern dann leichter, für das Paket zu stimmen, indem sie die Abbaufläche auf ein Areal von 800 Hektar begrenzten. Dank moderner Technologie, die auch Querbohrungen erlaubt, könnte von dieser relativ kleinen Insel aus ein viel größeres unterirdisches Ölfeld angebohrt werden.

Doch Umweltschützer lassen sich von der »sanften Technologie« nicht überzeugen. Sie warnen vor der Gefahr eines Unfalls und fürchten, dass allein die vielen Lastwagen die Landschaft ruinieren und die wilden Tiere vertreiben. Und all dies, so argumentieren sie, für Ölvorräte, die gerade einmal reichen würden, um den Energiehunger der USA für sechs Monate zu stillen.

Harte Debatte

Die Debatte war mit großer Härte geführt worden. So erklärte der republikanische Abgeordnete Don Young aus Alaska, die USA bräuchten das Öl, um den irakischen Diktator Saddam Hussein daran zu hindern, den Markt zu kontrollieren. Der Demokrat David Bonior wiederum nannte das betroffene Gebiet in Alaska eine »Kathedrale der Natur«, die nicht zerstört werden dürfte.

Für besonderen Ärger in den Reihen der Umweltschützer sorgte die Entscheidung der Abgeordneten, die Autoindustrie nicht zu zwingen, den Verbrauch der populären Sprit fressenden Geländewagen zu begrenzen. Auch hier machten Industrie und Gewerkschaften wieder gemeinsam Front und übten auf die Abgeordneten massiven Druck aus. Der Chef der einflussreichen Teamster-Gewerkschaft, James Hoffa, erklärte, eine solche Begrenzung hätte die Industrie zur Produktion kleinerer und damit unsicherer Wagen gezwungen und bis zu 135 000 Jobs gekostet.

Im Herbst wird sich nun der demokratisch kontrollierte Senat mit der »einfachen Automechanik« befassen, und hier dürfte das Paket zumindest massiv abgeändert werden. Der Senat steht einer Begrenzung des Benzinsverbrauchs positiver gegenüber, und mehrere einflussreiche Demokraten haben bereits geschworen, die Ölbohrungen in Alaska mit allen Mitteln zu verhindern. Doch Präsident Bush kann nach seinem Erfolg zunächst einmal zufrieden den Sommerurlaub auf seiner Ranch in Texas beginnen.