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Pakistan: Armee befreit Geiseln aus Gewalt der Taliban

Aufatmen in Nordwest-Pakistan: Die Entführung von Schülern und Dozenten einer Kadettenschule durch die Taliban ist beendet. Das pakistanische Militär hat eigenen Angaben zufolge nach schwerem Kampf die 80 Geiseln aus den Händen der aufständischen Islamisten befreit.

Sicherheitskräfte haben im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan nach Armeeangaben Dutzende Militärkadetten und mehrere Ausbilder aus der Gewalt von Extremisten befreit. "71 Kadetten und neun Mitarbeiter der Razmak-Kadettenschule sind gerettet worden", sagte ein Militärsprecher. Brigadegeneral Zahidullah, der den Trupp zur Befreiung der Geiseln am Dienstag leitete, sagte allerdings, bis zu 20 Kadetten würden weiterhin vermisst.

Die Taliban hätten versucht, die Geiseln nach Süd-Waziristan zu verschleppen, wo in den kommenden Tagen eine Offensive der Streitkräfte gegen die radikalen Islamisten erwartet wird, hieß es. Über die Zahl der Verschleppten hatte es widersprüchliche Angaben gegeben. Augenzeugen hatten zunächst von Hunderten gesprochen.

Bei den Geiseln handelte es sich um Schüler und Dozenten der Jungenschule Rasmak Cadet sowie deren Angehörige. Die Gruppe war in einem Konvoi von 40 Kleinbussen im Nordwesten des Landes auf dem Weg in die Sommerferien gewesen. Ein Teil der Fahrzeuge habe dem Angriff der Islamisten entkommen können, sagte der stellvertretende Leiter der Schule. Nach Angaben von Schülern sei jeweils ein Taliban mit einer Handgranate bewaffnet in einen Minibus gestiegen und mit dem Bus weggefahren. Den Angaben zufolge sind die Schüler zwischen 15 und 25 Jahre alt und absolvieren keine Armeeausbildung.

Die Armee teilte mit, bei der Operation sei es zu schweren Gefechten gekommen. Die Entführer seien entkommen. Unklar blieb, ob es bei den Gefechten Verletzte oder Tote gab. Ein Geheimdienstmitarbeiter in der Region, der nicht namentlich genannt werden wollte, widersprach der Darstellung der Armee. Er sagte, die Freilassung der Kadetten und ihrer Ausbilder sei bei einer stundenlangen Ratsversammlung von Stammesältesten und Taliban-Kämpfern ausgehandelt worden.

Zahidullah sagte, die Aufständischen hätten am Montag acht Minibusse mit Kadetten in ihre Gewalt gebracht. Sechs der Fahrzeuge seien von den Soldaten sichergestellt worden. In den zwei weiteren könnten bis zu 20 Kadetten gesessen haben. Auch der Direktor der Schule, Javed Iqbal Paracha, sagte, "ein paar Studenten" würden noch vermisst: "Ihre Anzahl könnte zwischen zehn und 15 liegen.

Pakistans Armee und die Taliban liefern sich seit Wochen schwere Gefechte im Nordwesten des Landes. Am Wochenende hatte die Regierung erklärt, die Kämpfe gegen die Aufständischen in der Region des Swat-Tals könnten noch in dieser Woche beendet werden. Die Entführung der Schüler ereignete sich in einem anderen Gebiet im Nordwesten. In Nord-Waziristan ist die Armee bisher nicht gegen Aufständische vorgegangen.

Reuters/AP/AFP / AP / Reuters