Palästina Hamas will die Waffen ruhen lassen


Der Tod Arafats und das drohende Ende der Regierung Scharon scheinen Bewegung in den Nahost-Friedensprozess zu bringen. Die militante Hamas bietet Israel Waffenruhe an und will zudem die Grenzen von 1967 anerkennen.

Die militante palästinensische Organisation Hamas hat nach Angaben eines ranghohen Funktionärs die Begrenzung eines künftigen palästinensischen Staates auf die derzeitigen Autonomiegebiete akzeptiert. Gleichzeitig habe sich die Organisation für einen langfristigen Waffenstillstand mit Israel ausgesprochen, sagte der Hamas-Führer im Westjordanland, Scheich Hassan Jussef, am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Die Israelis sollten "in Frieden und Sicherheit" leben.

"Die Hamas hat angekündigt, dass sie einen unabhängigen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 in Verbindung mit einem langfristigen Waffenstillstand akzeptiert", erklärte Jussef. "Ein Waffenstillstand bedeutet für uns, dass zwei Kriegsparteien für einen bestimmten Zeitraum in Frieden und Sicherheit Seite an Seite leben und dass dieser Zeitraum verlängert werden kann. Das bedeutet, dass die Hamas akzeptiert, dass die andere Partei in Sicherheit und Frieden leben wird" In der Vergangenheit hatte die Hamas stets erklärt, sie betrachte ein unabhängiges Palästina in den Grenzen von 1967 nur als ersten Schritt und werde weiter für eine Übernahme des gesamten heutigen Staates Israel kämpfen.

Hamas will sich der palästinensischer Führung anschließen

Bereits am Mittwochabend hatte ein Hamas-Führer im Gazastreifen, Mahmud Sahar, angekündigt, Verhandlungen mit der palästinensischen Fatah-Bewegung über ein Ende der Anschläge gegen Israel könnten in der kommenden Woche beginnen. Wie Sahar stellte am Freitag auch Jussef eine Zusammenarbeit der Hamas mit den palästinensischen Institutionen in Aussicht: "Die Hamas will sich der politischen Führung der Palästinenser anschließen, und es finden Treffen zu diesem Thema statt", sagte er.

Bislang hatte die Organisation jede Zusammenarbeit mit der Autonomiebehörde in Ramallah abgelehnt, weil diese durch den von der Hamas kritisierten Friedensvertrag von Oslo geschaffen worden war. Noch am Mittwoch hatte die Untergrundorganisation zum Boykott der für Januar geplanten Präsidentenwahl aufgerufen.

Ein Kommentator der palästinensischen Zeitung "Al Ajjam" führte die Positionsänderung am Freitag darauf zurück, dass die Hamas nach der Tötung ihres Gründers Scheich Ahmed Jassin sowie zahlreicher anderer Führungspersonen durch die israelischen Streitkräfte geschwächt sei. Zudem wurden einige ihrer Finanzquellen im Ausland trocken gelegt, seit im September vergangenen Jahres nach den USA auch die EU die Hamas als terroristische Gruppierung eingestufte.

Bei einer Razzia der israelischen Streitkräfte im Dorf Rabba nahe Dschenin wurde am Freitagmorgen ein Mitglied einer weiteren militanten Organisation, des Islamischen Dschihad, getötet. Soldaten hätten Mahmud Dobie erschossen, als er aus einem umstellten Haus zu fliehen versuchte, teilten die Streitkräfte mit. Dobie sei vor wenigen Monaten aus einem Gefängnis in Jericho ausgebrochen, wo ihn die palästinensischen Behörden wegen Rekrutierung von Selbstmordattentätern inhaftiert hatten.

AP AP

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