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Antikörper-Cocktail Schlechte Aussichten für Trumps "Wundermittel": Pharmakonzern unterbricht Erprobung

Sehen Sie im Video: Trump spricht vor dicht gedrängtem Publikum in Pennsylvania.


US-Präsident Donald Trump war kürzlich erst noch positiv auf Covid-19 getestet worden und nun setzt er bereits unbeirrt und voll Vehemenz seinen Wahlkampf fort. Vor dicht gedrängten Anhängern sprach er den zweiten Abend in Folge auf einer Wahlkampfveranstaltung, hier in Johnstown im US-Bundesstaat Pennsylvania. Ein Bundesstaat, bei dem noch unklar ist, in welche Richtung die Wahl gehen könnte. Ein sogenannter Swing State. Der 74-jährige Donald Trump liegt zurzeit in vielen Umfragen deutlich hinter seinem Gegenkandidaten Joe Biden, der am gleichen Abend vor Senioren in Florida sprach. In mehreren US-Bundesstaaten, wie hier in Georgia, können Wähler ihre Stimme bereits abgeben - per Post oder persönlich. Und es zeichnet sich ein Rekordandrang ab. Der Termin der US-Präsidentschaftswahl ist in rund drei Wochen am 3. November.
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Die Erprobung des von Donald Trump hochgelobten Antikörper-Cocktails wird vom Pharmakonzern Eli Lilly abgebrochen. Ein blödes Timing für den US-Präsidenten, der den Cocktail als "Heilmittel" im Wahlkampf lautstark promotet.

Seine positive Corona-Diagnose ist noch keine zwei Wochen her, doch der US-Präsident ist beschäftigter denn je. Donald Trump steckt mitten im Wahlkampfmarathon: Diese Woche hat er jeden Werktag einen Auftritt, am Freitag sogar zwei. Dabei nutzt er jede Gelegenheit, um vor seinen Anhängern kräftig Werbung für sein "Heilmittel" zu machen: den Antikörper-Cocktail des Pharmakonzerns Regeneron.

Es sei ein "Wunder", er habe sich wie "Superman" gefühlt, als er es bekommen habe, verkündete Trump nach seiner Entlassung aus dem Walter-Reed-Krankenhaus. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt ging er sogar noch einen Schritt weiter und versprach, dass das sogenannte "Heilmittel" bald für alle kostenlos zur Verfügung stehen soll.

Antikörpertherapie aus Vorsicht auf Eis gelegt

Das wird nun erst einmal nicht passieren, denn der US-Pharmakonzern Eli Lilly hat die Erprobung einer Antikörpertherapie zur Behandlung von Corona auf Eis gelegt. Damit folge das Unternehmen der Empfehlung einer unabhängigen Expertengruppe, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur DPA am Dienstag mitteilte. Zu den Gründen für die Vorsichtsmaßnahme machte er keine Angaben.

Die Experten hatten unter anderem die Patientensicherheit während der klinischen Studien überwacht. Im August hatte die dritte Phase der klinischen Tests mit dem Mittel Activ-3 an mehr als 50 Orten in den USA, in Dänemark und Singapur begonnen. Bei den klinischen Tests wurde Covid-19-Patienten ein Cocktail aus verschiedenen synthetischen Antikörpern gespritzt.

In den USA wird die Erprobung der Antikörpertherapie vom Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten gefördert. Weltweit läuft ein Wettkampf bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten gegen das Virus Sars-CoV-2. Dabei gibt es auch immer wieder Rückschläge: Erst am Montag gab der Pharmakonzern Johnson & Johnson bekannt, dass er seine Impfstoff-Studie wegen einer ungeklärten Erkrankung eines Probanden vorübergehend unterbrochen habe.

Trump zu Anhängern: "Ihr seid jetzt immun"

Seit seiner schnellen Genesung hat der Präsident bisher jede Wahlkampfbühne genutzt, um das Virus herunterzuspielen und sein "Heilmittel" zu promoten. Nach seiner Entlassung aus der Klinik hatte er die Amerikaner aufgerufen, keine Angst vor dem Coronavirus zu haben.

Bei seinem zweiten Wahlkampfauftritt nach seiner Infektion in Pennsylvania am Dienstag, betonte Trump, dass es ihm gut gehe und fragte, wer bereits Corona hatte. Anschließend versicherte er der dicht gedrängten Menge: "Ihr seid jetzt immun." Eine Maske trug er nicht.

Dass die lebenslange Immunität in der Wissenschaft umstritten ist, will der Präsident nicht hören. Früher habe es stets geheißen, dass nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung lebenslange Immunität bestehe: "Sie hassen es, es zuzugeben, weil ich es hatte", behauptete er. Experten gehen davon aus, dass Menschen nach einer Corona-Infektion vermutlich immun sind. Für wie lange und wie absolut ein Schutz existiert, ist aber noch unklar.

Biden: "Trump macht es noch schlimmer"

Die Demokraten werfen dem Präsidenten daher vor, mit dem Herunterspielen des Virus vom eigenen Versagen bei der Eindämmung der Pandemie abzulenken. In den Augen seines Herausforderers Joe Biden verbreitet Trump sogar noch mehr Falschinformationen als vor seiner eigenen Erkrankung.

"Ich habe für seine Genesung gebetet, als er Covid bekommen hat, und ich hatte gehofft, dass er wenigstens etwas geläutert daraus hervorgehen würde", sagte Biden am Dienstag bei einem Auftritt in Florida. "Aber was hat er getan? Er hat die Fehlinformationen nur intensiviert, die er zuvor verbreitet hat, und macht es damit noch schlimmer."

Schlechte Nachrichten für Trumps Wahlkampf-Strategie

Der Rückzieher des Antikörper-Cocktails dürfte auch für schlechte Stimmung in Trumps Wahlkampfteam sorgen: Denn die Strategie des Präsidenten geht bislang nicht auf. In aktuellen Umfragen hat Joe Binden die Nase vorn und konnte seinen Vorsprung in den umkämpften Swing States wie Pennsylvania sogar noch ausbauen. Laut dem Meinungsforschungsinstitut "FiveThirtyEight", führt Biden bundesweit mit 52,3 Prozent der Stimmen. Trump kommt hingegen nur auf 41,9 Prozent - eine Differenz von satten 10,4 Prozentpunkten.

Die Aussagekraft von landesweiten Umfragen ist jedoch nur begrenzt: Am Ende wird die US-Wahl in den einzelnen Bundesstaaten entschieden, die je nach Bevölkerungsgröße unterschiedlich viele Stimmen im Electoral College haben. Dennoch ist fraglich, ob der Präsident seinen Rückstand drei Wochen vor der Wahl noch aufholen kann. Unterdessen steigt in den USA die Zahl der Neuinfektionen weiter an.

Quellen: "New York Times", mit Material der Nachrichtenagentur DPA

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