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Proteste am Taksim-Platz: Sechs türkische Polizisten begehen Selbstmord

Katastrophale Arbeitsbedingungen: Eine Gewerkschaft kritisiert die Einsatzleitung der türkischen Polizei scharf. Sechs Beamte haben sich seit Beginn der Proteste am Taksim-Platz das Leben genommen.

Die türkische Polizeigewerkschaft hat die Einsatzbedingungen bei den seit Tagen andauernden Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kritisiert und eine Überlastung der Beamten beklagt. Sechs Polizisten hätten bereits Selbstmord begangen, zitierten türkische Medien am Sonntag Faruk Sezer, den Vorsitzenden der Gewerkschaft Emniyet-Sen. Manche Beamte seien zu bis zu 120 Stunden langen Dauereinsätzen auf den Straßen gezwungen worden.

Die englischsprachige Online-Ausgabe der "Hürriyet" berichtet, dass besonders Polizisten, die aus anderen Städten zu den Einsätzen herangezogen wurden, unter katastrophalen Bedingungen untergebracht sind.

Sezer sagte, das brutale Vorgehen der Polizei sei auch eine Reaktion auf die schlechten Bedingungen, denen die Beamten selbst ausgesetzt sind. Seine Gewerkschaft sammle Material, um Gerichtsverfahren gegen den Dienstherrn anzustoßen. Wegen der unverhältnismäßig gewalttätigen Weise, in der die Polizei bei ihren Einsätzen gegen Demonstranten vorgegangen ist, wurde die türkische Regierung international scharf kritisiert.

Emniyet-Sen war im vergangenen Jahr gegen den Widerstand der Polizeiführung gegründet worden und hat nach eigenen Angaben vom April dieses Jahres mehr als 7000 Mitglieder.

ono/DPA / DPA