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Verhaftungen in Oregon: Sie randalieren gegen Trump – sind aber nicht zur Wahl gegangen

Protest Paradox – in Portland wurden über 100 Anti-Trump-Protestanten festgenommen. Die meisten der entschlossenen Trump-Gegner haben die US-Wahl offenbar verschlafen.

Die Proteste in Portland wurden von Gewalttaten überschattet.

Die Proteste in Portland wurden von Gewalttaten überschattet.

Seitdem Donald Trump die Präsidentschaftswahlen in den USA deutlich gewonnen hat, gibt es Proteste gegen ihn. Motto: "Trump is not my president". Die meisten Proteste sind friedlich, einige aber auch gewalttätig. In der Hipster-Hauptstadt Portland wurden 112 Demonstranten festgenommen. Das allein ist noch nicht Besonderes. Der TV-Sender KGW hat allerdings die Personalien der meist jüngeren Demonstranten mit dem Wählerverzeichnis abgeglichen - mit interessantem Ergebnis.

Nur wenige haben gewählt

So wie es aussieht, haben 69 der energischen Anti-Trump-Protester überhaupt nicht an der Wahl teilgenommen. Die Zahlen: 25 der Festgenommenen haben in Oregon gewählt, 34 sind am 8. Dezember nicht zur Wahl erschienen, 35 haben sich gar nicht erst im Wahlregister eintragen lassen. Der Status von 17 Personen ist noch unklar – es ist aber eher unwahrscheinlich, dass sie gewählt haben. Fairerweise muss man erwähnen, dass sich unter den 35 Nicht-Registrierten auch einige Besucher aus anderen Bundesstaaten befinden könnten. Am Gesamtbild dürfte sich kaum etwas ändern.

Gewalttäter sind die Ausnahme

Schon beim Brexit sah man, dass die Anhänger des Remain-Lagers, die über den Ausgang besonders enttäuscht waren, junge Wähler waren, und exakt diese Gruppe sich am wenigsten an der Abstimmung beteiligten. Was in UK nur eine statistische Annahme war, wird in Portland nun sehr greifbar. Und es mutet in der Tat absurd an: Die Kräfte der Jungspunde reichten nicht aus, der demokratischen Bewerberin Hillary Clinton die Stimmen an der Urne oder per Briefwahl zukommen zu lassen. Aber nach der verlorenen Abstimmung muss die Energie enorm gestiegen sein, so sehr, dass es für nächtliche Ausschreitungen reichte.

Da kann man leicht über eine Jugend herziehen, die bei der Wahl nicht aus dem Bett kommt, hinterher aber jammert, überstimmt worden zu sein. Sollte diese Zahl nicht nur ein verrückter Einzelfall sein, sondern einen Trend darstellen, wäre das eine bittere Pille für die Demokratische Partei. Die Moderatorin Nina Mehlhaf von KGW News nimmt die Demokratische Partei allerdings in Schutz, als sie in ihrem Bericht die Zahlen einordnet. Den Protesten hätten sich "Anarchisten" und Gewalttäter angeschlossen, die nur auf Krawall aus seien und mit dem politischen Anliegen und der Wahl wenig zu tun hätten. Und natürlich sind die Festgenommenen nur ein kleiner Prozentsatz – nämlich der gewalttätige Teil – der Protestbewegung.

Kra
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