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Tor Mikkel Wara: Skandal um inszenierte Angriffe: Norwegens Justizminister tritt zurück

Monatelang war der norwegische Justizminister Tor Mikkel Wara Drohungen und Angriffen ausgesetzt. Nun tritt er deswegen zurück - denn als Hauptverdächtige hat sich ausgerechnet seine Lebensgefährtin entpuppt.   

Tor Mikkel Wara

Norwegens Justizminister Tor Mikkel Wara ist zurückgetreten 

AFP

Der Fall machte in Norwegen und darüber hinaus Schlagzeilen: Über Monate hinweg war Justizminister Tor Mikkel Wara Angriffen und Drohungen ausgesetzt. So wurde etwa sein Haus, das er mit seiner Lebensgefährtin Laila Anita Bertheussen bewohnt, mit dem Wort "Rassist" beschmiert. Das Haus war in einem Theaterstück aufgetaucht, Bertheussen hatte gegen die Aufführung protestiert, da sie sich in ihrer Privatsphäre verletzt sah. Nun die überraschende Wende in dem Fall: Sie gilt plötzlich als Hauptverdächtige, ihr Partner Wara reichte seinen Rücktritt ein. 

Die Schmierereien waren nur der Anfang, zuletzt wurde Waras Auto angezündet. Nach dem Brandanschlag wurde Waras Lebensgefährtin verdächtigt, das Auto selbst angezündet und den Angriff inszeniert zu haben. Der norwegische Inlandsgeheimdienst PST teilte nach einem Verhör durch die Polizei mit, dass sie genügend Beweise gesammelt hätten, um Laila Anita Bertheussen zu belasten. Sie aber bestritt die Tat und plante, ihre Unschuld zu beweisen.

Justizminister Wara hatte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe selbst beurlaubt. Nun teilte der PST mit, dass Bertheussen vorgeworfen wird, alle Drohungen und Angriffe gegen ihren Lebensgefährten selbst ausgeführt zu haben. Das sei das Ergebnis nach der Auswertung von Beweisen, teilte PST mit. Es geht um insgesamt acht Angriffe. Laut ihres Anwalt sei Bertheussen bislang nicht zu weiteren Verhören geladen worden.

Das beschmierte Haus von Tor Mikkel Wara

Das Haus von Tor Mikkel Wara, beschmiert mit dem Wort "Rassist"

AFP

Wara reicht Rücktritt ein

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Tor Mikkel Wara und Ministerpräsidentin Erna Solberg wurde sein Rücktritt bekanntgegeben. Solberg sagte, sie sei enttäuscht, dankte ihm aber für seine bisherige Arbeit als Justizminister. Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird das Amt kommissarisch besetzt.

Wara sagte, dass er sich zu diesem Schritt entschlossen habe, weil er für seine Familie da sein wolle. Es waren harte Wochen, sagte er auf der Pressekonferenz: "Es gibt Menschen, die mich mehr brauchen, als die Regierung jetzt." Der Rücktritt sei seine eigene Entscheidung gewesen. Über seine Lebensgefährtin und die Vorwürfe gegen sie wollte er sich nicht äußern. Fragen dazu blockte er ab.

Laila Anita Bertheussen steht noch nicht vor Gericht. Wie es in dem Fall weiter geht, ist noch unklar. Der Skandal um Tor Mikkel Wara und seine Lebensgefährtin gehört zu einem der größten politischen Skandale in der norwegischen Geschichte.

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Quellen: NRK, PST, "VG"