Sri Lanka Gesprächsabsage fördert die Gewalt


Auf Sri Lanka hat die Rebellenorganisation "Befreiungstiger der Tamilischen Eelam" (LTTE) ihre Teilnahme an Gesprächen mit der Regierung abgesagt. Experten fürchten schwer wiegende Folgen für den Friedensprozess.

Die Rebellen in Sri Lanka haben am Samstag ihren Rückzug aus den Friedensgesprächen mit der Regierung angekündigt. Der Chef der nordeuropäischen Mission zur Überwachung des Waffenstillstands (SLMM), der Schwede Ulf Henricsson, machte beide Seiten für das Scheitern verantwortlich. Nach seiner Einschätzung droht dem Land nun eine Verstärkung der Gewalt. Die Regierung sah indes die Rebellen am Zuge. Kurz nach der Absage der Gespräche wurden am Samstag bei einer Minen-Explosion vier Militärangehörige getötet.

Die Rebellengruppe "Befreiungstiger der Tamilischen Eelam" (LTTE) wandte sich gegen Pläne der Regierung, ein SLMM-Schiff zu überwachen, das Kommandeure der Gruppe zu einem Rebellentreffen transportieren sollte. "Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Kommandeure treffen", sagte der tamilische Chefunterhändler S. Puleedevan. "Wir haben den Transport gestrichen. Wenn wir sie nicht treffen können, fällt Genf aus." In Genf hatten die Friedensgespräche stattfinden sollen. Die Regierung sah die Rebellen in der Verantwortung. "Der Ball liegt auf dem Spielfeld der LTTE", sagte Regierungsberater Palitha Kohona. "Sie wollten einen Transport, wir haben dafür gesorgt. Ein Kollege von mir hat angedeutet, sie hätten nach einer Ausrede gesucht, um sich zurückzuziehen. Jetzt haben sie eine ausfindig gemacht."

"Beide Seiten handeln nicht zum Wohle ihres Volkes"

Henricsson sagte, die Rebellen hätten der Überwachung des Schiffs zugestimmt. Wenn sie dies nicht wüssten, müssten sie ihre Dokumente gründlich lesen. "Ich bin besorgt wegen der Situation aller Bevölkerungsgruppen in Sri Lanka", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Verantwortlichen auf beiden Seiten handeln nicht zum Wohle ihres Volkes." Er ergänzte: "Die LTTE hat das abgesagt, nicht die SLMM." Henricsson stellte aber auch fest, dass das ganze Problem hätte verhindert werden können, wenn die Regierung wie in der Vergangenheit einen Transport der LTTE-Anführer per Hubschrauber genehmigt hätte.

"Ich mache beide Seiten verantwortlich", fuhr der Schwede fort. "Die Regierung für ihre Sturheit beim Transport von LTTE-Vertretern - und die LTTE ist auch verantwortlich, weil sie eine Menge Forderungen und Bedingungen stellt." Letztlich scheine es so, als wolle keine der beiden Seiten wirklich ein Treffen in Genf. "Wenn die Seiten sich nicht in Gesprächen engagieren, wird Genf nicht sehr fruchtbar ausfallen."

Waffenstillstand sollte gefestigt werden

In Sri Lanka gilt seit 2002 ein wackliger Waffenstillstand, der bei den Gesprächen in der Schweiz gefestigt werden sollte. Die Regierung hatte am Freitag der Forderung der Rebellen nachgegeben, die bereits für kommende Woche geplanten Gespräche auf den 24./25. April zu verschieben. Während des zwei Jahrzehnte andauernden Konflikts sind mehr als 64.000 Menschen auf beiden Seiten getötet worden. Am Samstag starben nach der Gesprächsabsage der LTTE vier Soldaten bei der Explosion einer Splittermine. Weitere fünf Militärs seien bei dem Anschlag auf einen Armee-Bus verletzt worden. Der Anschlag ereignete sich nach Armeeangaben knapp außerhalb des Rebellengebiets im Norden der Insel. Die Armee machte die LTTE verantwortlich.

In der vergangenen Woche hat die Gewalt deutlich zugenommen. Mehr als 40 Menschen kamen ums Leben. Die SLMM hat niemanden dafür verantwortlich gemacht, doch kaum ein Diplomat glaubt den Dementis der LTTE. "Wir können nicht sagen, wer für jede einzelne Landmine verantwortlich ist. Aber wenn man das Muster der vergangenen Woche betrachtet, erhält man zumindest einen Hinweis darauf, welche Seite die Hauptverantwortung trägt", deutete Henricsson an.

Reuters Reuters

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