HOME

Attentat vor einem Jahr in Kabul: 16 Stunden Todesangst: Wie ein griechischer Pilot einen Taliban-Angriff auf sein Hotel überlebte

Der griechische Pilot Vasileios Vasileiou war in einem Kabuler Hotel zu Gast, als ein Taliban-Kommando es überfiel und 40 Menschen tötete. Vasileiou überlebte verschanzt in seinem Zimmer - die Geschichte seiner Rettung.

Kabul Intercontinental-Hotel Taliban

Afghanische Sicherheitskräfte stehen im Januar 2018 in Kabul unweit des Intercontinental Hotels, in dem ein Taliban-Kommando kurz zuvor einen Terrorangriff verübt hatte

DPA

Am 20. Januar 2018 überfällt ein Taliban-Kommando das Luxushotel Intercontinental in Kabul, das besonders bei ausländischen Gästen beliebt ist. 16 Stunden verschanzen sich die Terroristen in dem Hotel, bevor sie von Sicherheitskräften getötet werden. Die afghanische Regierung spricht danach von 18 Opfern, 14 Hotelgäste und vier Taliban-Terroristen. Doch das ist stark untertrieben. Nach übereinstimmenden Medienberichten kommen bei dem Anschlag mindestens 40 Menschen ums Leben. Das Terror-Kommando bestand laut Mitteilung der Taliban aus fünf Männern. Zeugen wollen mehr Terroristen erkannt haben.

Einer, der den brutalen Überfall überlebte, ist der griechische Pilot Vasileios Vasileiou. Der "BBC" hat er seine Geschichte erzählt. 

Vasileios Vasileiou ist Pilot der afghanischen Fluggesellschaft Kam Air und hat an diesem Samstag wie jedesmal in den vergangenen Monaten im Intercontinental eingecheckt. Am nächsten Tag geht sein Rückflug. Seine Suite liegt im fünften Stock, Zimmernummer 522. Am Abend ist er mit einem Freund und Kollegen unten im Hotel-Restaurant zum Abendessen verabredet. Doch entgegen ihrer Gewohnheit gehen die beiden Männer nicht gegen halb neun essen, sondern ausnahmsweise schon um sechs. Die Entscheidung für das frühere Abendessen ist der erste Zufall, der dafür sorgt, dass der Familienvater die nächsten Stunden überleben wird.

Vasileiou ist um halb acht zurück auf seinem Zimmer. Er erledigt einige Telefonanrufe. Als er um kurz vor neun mit seiner Heimat Athen telefoniert, hört er einen lauten Knall in der Lobby - der Horror beginnt. Vasileiou eilt auf den Balkon, um zu sehen, was los ist. Unten sieht er einen blutüberströmten Mann. Er hört Schüsse im Hotel und außerhalb - in diesem Moment realisiert er, dass er ein riesiges Glück hatte, als er früher essen ging. Und er sagt sich: "Okay, Vasileios, du musst etwas unternehmen, um zu überleben."

Während die Terroristen morden, handelt er gedankenschnell

Der Pilot profitiert jetzt davon, dass er jahrelang Sicherheitstrainings absolviert und selbst Kurse gegeben hat. Er sei so konditioniert, wie er schreibt, dass er sich sogar in Kinos und Restaurants nah zum Ausgang setze. Es sei seine zweite Natur. Jetzt, im Kabuler Hotelzimmer, handelt er gedankenschnell: Er schließt die Zimmertür ab, öffnet den Balkon und hängt zusammengeknotete Laken und Bettwäsche an das Balkongeländer, damit die Angreifer glauben, dass er sich abgeseilt habe, falls sie in das Zimmer stürmen. Er stellt eine der beiden Matratzen gegen die Tür - als Schutz vor Granaten. Ein Bett richtet er so her, dass es benutzt aussieht, schließlich versteckt er sich im dunklen Zimmer hinter den Vorhängen. Anderthalb Stunden verbringt er in seinem Versteck. Wie er später erfährt, haben die Taliban in dieser Zeit alle Menschen, die sie im Restaurant, in der Lobby und in den ersten Stockwerken erwischten und die nicht fliehen konnten, getötet.

Schließlich hört Vasileiou, wie sie die Stockwerke hinaufstürmen, er hört ihre Schritte über sich auf dem Dach und wie sie mit ihren Kalaschnikows auf die Helikopter der afghanischen Sicherheitskräfte schießen. Dann ist es soweit: Die Angreifer gelangen in den fünften Stock. Sie nehmen das Nebenzimmer, Nummer 521, in Beschlag. Es dient ihnen während der Kommandoaktion als Operationszentrum. 

Das nächste Ziel der Angreifer ist Zimmer 522, wo Vasileiou hilflos hinter einer Gardine steht. Zunächst feuern sie durch die Tür. Vasileiou wird schmerzlich bewusst, dass sein Versteck nichts taugt. Er wirft sich auf den Boden und kriecht unter eines der Betten. Als die Angreifer die Tür mit Gewalt geöffnet haben, glaubt der Familiernvater, dass sein Ende gekommen ist. Einer der Männer rennt sofort auf den Balkon - die falsche Fährte mit den zusammengeknoteten Bettlaken scheint zu funktionieren. Dann feuern sie einen Schuss aus einer Pistole ab: "Ich dachte an meine Familie, an die Gesichter meiner Kinder und an die guten und schlechten Momente meines Lebens", schreibt er über diesen Moment. Später wird er bemerken dass sie den Schuss auf das andere Bett abgefeuert und darunter nachgeschaut haben. Es ist der zweite Moment, in dem er knapp dem Tod entrinnt.

Er hört die Schreie der Opfer, die sie erschießen

Doch der Terror ist längst nicht zu Ende. Die nächsten Stunden verbringt Vasileiou unter dem Bett. Er wird Zeuge, wie die Terroristen die Zimmer durchkämmen und die Gäste erschießen. Immer mit einem Schuss. Er hört die Schreie der Opfer und das Gelächter der Mörder, schreibt er.

Gegen drei Uhr morgens legen die Taliban Feuer in einigen der Zimmer im fünften Stock. Rauch dringt in das Zimmer 522. Als Vasileiou schließlich für längere Zeit nichts mehr hört, traut er sich heraus aus seinem Versteck. Er befürchtet nun, im Feuer zu sterben. Außen an der Wand entdeckt er TV-Kabel, die am Gebäude herabhängen und bis zum Boden reichen. Vom Balkon aus versucht er, sie zu ergreifen, um zu testen, ob sie sein Gewicht tragen. In dem Moment, als er nach den Kabeln greift, schlagen zwei Kugeln hinter ihm in der Fensterscheibe ein - Vasileiou vermutet einen Scharfschützen der Sicherheitskräfte, der ihn wahrscheinlich für einen Terroristen hält. Den Plan, an den Kabeln herunterzuklettern, gibt er auf.

Er braucht ein neues Versteck. Diesmal zwängt er sich in den Bettkasten, der gerade genug Platz für einen Menschen bietet. Um sich vor dem Rauch zu schützen, der möglicherweise wieder stärker werden könnte, bastelt er sich Atemfilter aus seinem T-Shirt. Er zerschneidet es in kleine Streifen und legt sie sich über Nase und Mund. Vorher hat er sie noch mit Wasser und Milch beträufelt - das verstärkt den Filter-Effekt. Das hat er bei den Sicherheitstrainings gelernt. Und dann das: Einer der Männer setzt sich auf das Bett, spuckt auf den Boden und erteilt Anweisungen, bis er selbst auf den Balkon geht, um mit seiner Kalaschnikow zu feuern. 

Drei Flüchtlinge im Interview: Die Angst vor der Rückkehr: "In Afghanistan ist das Überleben reiner Zufall"

Die Angreifer ahnen nichts von seiner Anwesenheit

In diesen Moment sagt Vasileious innere Stimme: "Ich werde an diesem Tag nicht sterben". Er fühlt sich sicher in seinem Versteck. Die Angreifer ahnen nichts von seiner Anwesenheit.

Was Vasileiou nicht wissen kann: Es dauert immer noch Stunden, bis er befreit wird. Das Martyrium ist noch längst nicht zu Ende. Die Sicherheitskräfte haben mittlerweile Panzer aufgefahren und feuern auf die Zimmer im fünften Stock, wo sie die Taliban-Kämpfer vermuten. Im Zimmer nebenan schlägt eine Panzergranate ein und zerstört das Zimmer komplett. Um sechs Uhr morgens legen die Terroristen erneut Feuer. Wieder dringt dichter Rauch in das Zimmer 522, wo der griechische Pilot im Bettkasten eingezwängt ist. Diesmal riecht es anders. Vasileiou glaubt, dass sie die Leichen ihrer Opfer verbrennen. Der Rauch ist so dicht, dass er erneut gezwungen ist, sein Versteck zu verlassen. Er hat Glück. Kein Terrorist befindet sich in seiner Nähe. Plötzlich hört er zersplitterndes Glas. Die Sicherheitskräfte versuchen, das Feuer im Hotel zu löschen, der harte Wasserstrahl zertrümmert die Scheiben, wenn er sie trifft. Vasileiou wird ebenfalls klatschnass, bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt kann das sehr unangenehm werden. Dafür ist das Feuer gelöscht und der Pilot kriecht zurück in sein Versteck.

Am Ende geht dem letzten Taliban die Munition aus

Die nächsten Stunden wird er Zeuge, wie sich die Sicherheitskräfte langsam, aber stetig in dem Hotel vorkämpfen. Er hört Schüsse, Granaten werden auf den Hotelflur geworfen. Dem Angreifer, der im Nebenzimmer verbarrikadiert ist, geht am späten Vormittag die Munition aus. Dann kommt der Moment der Befreiung. Jetzt befinden sich Männer auf dem Hotelflur und rufen "Polizei" mit einem afghanischen Akzent. Vasileiou traut ihnen nicht und bleibt still. Erst als sie auf Englisch "Police" rufen, befreit er sich schreiend aus seinem Versteck. Die Männer richten ihre Waffen auf ihn, weil sie ihn zunächst für einen der Terroristen halten. Als er sich zu erkennen gibt, können die Männer es kaum glauben. 

Einer seiner Befreier ist so beeindruckt, dass er unten vor dem Hotel noch ein gemeinsames Foto mit sich und Vasileiou schießt. Für seine Familie ist er von den Toten auferstanden. Die Behörden hatten seinen Angehörigen mitgeteilt, dass alle überlebenden Gäste des Hotel evakuiert worden seien - Vasileios Vasileiou war nicht darunter. Er war damit beschäftigt zu überleben.

Quelle: "BBC News", "tagesschau.de", "aljazeera.com"

tis
Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.