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US-Einwanderungsdebatte: Schmarotzer oder moderne Sklaven

Keiner will sie, aber ohne sie bräche die Wirtschaft zusammen - illegale Einwanderer. In den USA ist eine heiße Diskussion über die Einwanderungspolitik entbrannt.

"Diese Illegalen schickt der Himmel", sagt Robert Muñoz, ein Unternehmer, der im Hurrikangebiet in Mississippi marode Häuser räumt. "Sie arbeiten hart und sind sich nicht zu schade, sich schmutzig zu machen." 100 Dollar zahlt er jedem seiner sieben Arbeiter pro Tag, sagte er der Zeitung "San Antonio Express" unlängst. Wenn er legale Wege gegangen wäre, hätte ihn der Arbeitstag mit Versicherungen und Steuern leicht das zehnfache gekostet. "Schau, wie wir das Land hier für Bush aufräumen", sagt einer der Arbeiter dem Reporter. "Und er will uns rausschmeißen."

Das stimmt so nicht. Die Gräben in der inzwischen voll entbrannten Einwanderungsdebatte in den USA verlaufen nicht wie üblich zwischen links und rechts. Der konservative Präsident George W. Bush findet sich mit seinem vorgeschlagenen Gastarbeiterprogramm in einem Boot mit liberalen Einwanderungsbefürwortern, liegt aber mit Kirchenvertretern und Konservativen über Kreuz. Die wiederum finden sich in ihrer Opposition zu dem Programm in einer Koalition mit Kirchenvertretern und radikaleren linken Aktionsgruppen wieder.

"Wie ein Sklavenmiet-Programm"

"Illegale Einwanderer sind eine Plage, eine Bedrohung für die Zukunft dieses Landes", wettert der Wortführer der Konservativen, der republikanische Abgeordnete aus Colorado, Tom Tancredo. Abfällig spricht er vom "Kult um Multikulti". Aus ganz anderen Gründen ist Enrique Morones, Gründer der Flüchtlingshilfsorganisation "Grenzengel", gegen ein Gastarbeiterprogramm: "Befristete Gastarbeiterverträge sind wie ein Sklavenmiet-Programm", sagt er. Er verlangt volle Anerkennung und Integration der Illegalen.

Die tiefen Gräben sind auch im Kongress sichtbar. Während das Repräsentantenhaus illegale Einwanderer als Kriminelle abschieben will, ist der Justizausschuss im Senat für deren Einbürgerung. Bill Frist, republikanischer Mehrheitsführer in Senat und Aspirant auf Bushs Nachfolge im Weißen Haus, passt das nicht. Er will die Illegalen im Land nach Hause schicken, und spricht nach Umfragen der Mehrheit der Amerikaner aus der Seele.

Ohne Illegale bricht die Wirtschaft zusammen

Einig sind sich alle nur, dass angesichts der schieren Zahlen dringend etwas getan werden muss. Elf Millionen Menschen leben nach Schätzungen ohne Papiere in den USA, und das schafft jede Menge Probleme: Viele arbeiten zwangsläufig schwarz, zu ausbeuterischen Löhnen, wenige sind versichert. Einwanderungsgegner sprechen deshalb von Schmarotzern, weil die Menschen medizinische Nothilfe und Bildungschancen für ihre Kinder in Anspruch nehmen, ohne mit Steuern zum Allgemeinwesen beizutragen. Andere zahlen unter falschem Namen jahrelang Steuern, können aber keine staatlichen Leistungen oder später Rente in Anspruch nehmen, weil ihr Status dann geprüft würde.

Die US-Handelskammer macht sich für ein Bleiberecht der illegalen Arbeiter stark. Ohne sie breche die Wirtschaft zusammen. Nach Statistiken des Pew Hispanic-Forschungsinstituts sind 4,9 Prozent der Erwerbstätigen in den USA Menschen ohne Papiere. In der Landwirtschaft stellen sie jeden vierten Arbeiter, beim Putzen 17 Prozent und in der Bauwirtschaft 14 Prozent.

Illegale treiben Löhne nach unten

"Ein Gastarbeiterprogramm würde es erlauben, Jobs zu besetzen, die Amerikaner nicht ausüben wollen", sagt der Präsident. Die gegen die Einwanderung kämpfende Gruppe "Federation for American Immigration Reform (FAIR)" meint dagegen, die Illegalen trieben nur die Löhne nach unten. Ohne sie steige der Stundenlohn, und Amerikaner würden die Jobs übernehmen. "Amerika ist eine Nation von Immigranten", mahnt Präsident Bush. "Keiner sollte so tun, als bedrohten Einwanderer die amerikanische Identität."

Christiane Oelrich/DPA / DPA