US-Senator über seine Jugend "Wir haben unzüchtige Sachen mit Tieren gemacht"


Senator Thad Cochran aus Mississippi schlug sich tapfer im schmutzigsten und bizarrsten US-Wahlkampf seit Langem. Doch dann schwelgte er öffentlich in Jugenderinnerungen, die es in sich haben.
Von Oliver Fuchs

Die Vereinigten Staaten sind für ihre Prüderie bekannt. Wer dort Politik machen will, muss das Thema Sex meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Doch auch im liberalen Europa würde wohl kaum jemand politisch überleben, was der republikanische Senator Thad Cochran vor einigen Tagen auf einer Wahlkampfveranstaltung von sich gab. Er erzählte freimütig aus seinen Kindheitstagen auf der Farm und kam dabei ins Schwärmen: "Es war ein Abenteuer. Wir haben Pekannüsse aufgesammelt und alle Arten von unzüchtigen Sachen mit Tieren gemacht." Im Publikum brachen daraufhin nervöse Lacher aus, doch Cochran fuhr mit bierernster Miene fort: "Ich weiß, einige Leute hier wissen, was das heißt."

Konkurrent reagiert mit Radiospot(t)

Cochrans Sprecher bemühte sich anschließend um Schadensbegrenzung, doch es war bereits zu spät. Angeekelte Kommentare folgten auf Twitter, hämische Artikel erschienen in den Lokalzeitungen und sein Konkurrent nutzte die Steilvorlage für einen deftigen Radiospot: "Letzte Woche sagte Thad Cochran, als er aufwuchs war es spaßig, alle möglichen …" Einspieler Cochran: "… unzüchtigen Sachen mit Tieren zu machen." Dann blökt ein Schaf. "Sagen Sie Thad Cochran, dass Sie kein Tier sind! Und dass Sie nicht länger dafür herhalten wollen, dass er seinen sogenannten Spaß hat."

Schmutziger geht es nicht

Das ist nur die vorerst letzte Episode in einem der schmutzigsten Wahlkämpfe, die Amerika seit Langem erlebt hat. Ein paar Beispiele: Vier Anhänger von Chris McDaniel, Cochrans Gegner von der radikalen "Tea Party", wurden verhaftet, nachdem sie in das Pflegeheim eingebrochen waren, wo Cochrans Frau Rose lebt. Sie wird dort wegen ihrer weit fortgeschrittenen Demenz behandelt - kann inzwischen nicht mehr sprechen. Das Quartett fotografierte sie, um die Bilder für Anti-Cochran-Werbung zu verwenden. Cochran animierte derweil indirekt demokratische Wähler, die republikanischen Vorwahlen zu sabotieren, indem sie für ihn stimmen.

Ein trauriger Abgang

Es ist ein unschönes Karriereende für den 76 Jahre alten Republikaner. Er ist ein Urgestein in seiner Partei. Seit 1978 ist er Senator. Nur zwei Volksvertreter sind noch länger im Amt. Vor ein paar Jahren wurde er von "Time" gar zu einem der zehn besten amerikanischen Senatoren gekürt. Sein Spitzname: "der stille Überzeuger". Seit den 80er-Jahren hat er jede Wahl mit mindestens 20 Prozent Vorsprung gewonnen. Doch nach der jetzigen Schlammschlacht liegt er in den neuesten Umfragen Kopf an Kopf mit McDaniel. Nach der heutigen Wahl könnte schon morgen das einzige, was in Mississippi von Cochrans Karriere übrigbleibt, der Vorwurf sein, dass er vor langer Zeit ein paar Schafen zu nahe kam.


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