US-Truppen in Afghanistan Obama lehnt alle Entwürfe für neue Strategie ab

Wie geht es weiter in Afghanistan? Mit Spannung wird die Entscheidung von Barack Obama über eine neue US-Strategie am Hindukusch erwartet. Jetzt hat der US-Präsident alle Entwürfe als ungenügend zurückgewiesen.

US-Präsident Barack Obama hat bei einem Treffen mit seinen Militärberatern alle bislang vorgelegten Pläne für eine künftige Strategie in Afghanistan verworfen. Stattdessen habe er eine Revision der Pläne verlangt, sagte am Mittwoch ein hoher Regierungsbeamter.

Dabei sei es vor allem um die Frage gegangen, wie und wann die US-Truppen der afghanischen Regierung die Verantwortung für die Sicherheit übergeben könnten. Zu den Optionen, die im sogenannten Kriegsrat (war council) der US-Regierung erörtert wurden, gehört die Entsendung von 30.000 zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan. Drei weitere Pläne sehen andere Zahlen vor, von einer relativ geringen Truppenverstärkung bis hin zur Entsendung von 40.000 Soldaten, wie es vom US-Kommandeur in Afghanistan, General Stanley McChrystal, befürwortet wird.

Obama wolle vor allem deutlich machen, dass der Einsatz in Afghanistan nicht endlos sein könne, verlautete aus Regierungskreisen. Zurzeit befinden sich 68.000 US-Soldaten in Afghanistan, so viel wie nie seit Beginn des Krieges im Herbst 2001.

Der britische Premierminister Gordon Brown hatte zuvor angekündigt, Obama werde in wenigen Tagen seine Entscheidung über eine Truppenaufstockung bekanntgeben. Dagegen hatte US-Präsidialamtsprecher Robert Gibbs erklärt, Obama habe sich noch nicht festgelegt und von einer öffentlichen Verlautbarung sei man noch Wochen entfernt.

Unterdessen hat der US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, einem Zeitungsbericht zufolge vor einer Entsendung zusätzlicher Soldaten nach Afghanistan gewarnt. Zunächst sollten Fortschritte der afghanischen Regierung im Kampf gegen Korruption und Missmanagement abgewartet werden. Eikenberry machte seine Bedenken in der vergangenen Woche in zwei vertraulichen Schreiben deutlich, berichteten "New York Times" und "Washington Post" am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.

Eikenberrys Einschätzung hat auch deshalb besonderes Gewicht, da er früher der US-Oberkommandierende am Hindukusch war.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

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