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US-Wahl 2020 Edmund Stoiber wollte ein "Glas Champagner öffnen": Diese Wahlverlierer freuten sich zu früh

Edmund Stoiber
Edmund Stoiber erklärte sich am Abend der Bundestagswahl 2002 zum Sieger. Verfrüht, wie sich bald herausstellte.
© Andreas Altwein/ / Picture Alliance
Noch bevor alle Stimmen ausgezählt worden sind, hat sich Donald Trump zum Wahlsieger erklärt. Möglicherweise verfrüht. Damit stünde er nicht alleine: In der Vergangenheit gab es öfters Verlierer, die zu voreilig gejubelt haben.

Als er vor seine Anhänger trat, war er sich seines Sieges sicher. Obwohl noch lange nicht alle Stimmen ausgezählt waren, erklärte er sich zum Gewinner der Wahl. Die Rede ist nicht von Donald Trump, sondern von Edmund Stoiber.

Der damalige Kanzlerkandidat der CDU/CSU wähnte sich am 22. September 2002 bereits kurz nach Schließung der Wahllokale auf der Siegerstraße: "Eines steht jetzt schon fest: Die CDU, die CSU, die Union: Wir haben die Wahl gewonnen", rief Edmund Stoiber seinen jubelnden Parteifreunden zu. 

Dabei lag zu dem Zeitpunkt gerade mal eine erste Hochrechnung vor, die die Union mit einem Wert von 38,8 Prozent vorne sah. Die SPD von Amtsinhaber Gerhard Schröder lag jedoch mit 37,2 Prozent nicht allzu weit entfernt. 

Edmund Stoiber freute sich zu früh

Dennoch kündigte Stoiber vollmundig an: "Ich werde noch kein Glas Champagner öffnen. Aber es wird bald sein." Das Glas blieb jedoch geschlossen, im Laufe des Abends zog die SPD noch mit einem Vorsprung von wenigen Tausend Stimmen an der Union vorbei und gewann die Wahl.

Eine ähnliche Erfahrung machte der amtierende Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger, als er sich 1969 zur Wahl stellte: Am Wahlabend, dem 28. September 1969, sah die Union mit 46,1 Prozent der Stimmen zunächst wie der sichere Sieger aus. "Ich freue mich über das Ergebnis dieser Wahl", sagte Kiesinger, und Unions-Fraktionschef Rainer Barzel sprach von einem "klaren Führungsauftrag". Kiesinger hatte sogar schon die Glückwünsche des amerikanischen Präsidenten zum Wahlsieg entgegen genommen.

Willy Brandt trickste die CDU aus

Doch noch in der Nacht unterbreitete der SPD-Kandidat Willy Brandt der FDP das Angebot zu einer Koalition. Die hatte zwar nur eine minimale Mehrheit, doch sie kam zustande. Kiesinger musste nach nur drei Jahren Regentschaft auf die Oppositionsbank.

Nicht nur Politiker, auch Journalisten haben schon verfrüht den falschen Sieger ausgerufen. Bei der Präsidentschaftswahl 1948 räumte die Mehrzahl der Umfragen Amtsinhaber Harry S. Truman vor der Wahl keine Chancen auf. Am Wahlabend schnitt er dann aber viel besser ab als erwartet - und gewann mit deutlichem Vorsprung vor seinem republikanischen Herausforderer Thomas E. Dewey. 

Für die "Chicago Daily Tribune" kam die Erkenntnis leider zu spät. Sie hatte schon erste Exemplare in Druck gegeben mit der Schlagzeile: "Dewey defeats Truman" - Dewey schlägt Truman. Der wiedergewählte Präsident bewies Humor: Er ließ sich mit dieser Zeitung in der Hand ablichten.

Dass Donald Trump auf seine verfrühte Siegesnachricht ähnlich humorvoll reagieren wird, ist dagegen eher nicht zu erwarten.

Verwendete Quellen: Youtube, "Spiegel.de""Wikipedia"


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