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Verhandlungen zum EU-Beitritt: "Ein historischer Tag für Island"

Island erhofft sich von einem EU-Beitritt wirtschaftliche Stabilität und treibt die Verhandlungen an. Die Bevölkerung ist nach wie vor skeptisch, würde ein Beitritt doch bedeuten, den Walfang aufgeben zu müssen.

So rasch wie kein Land zuvor will Island mit der Europäischen Union über seinen EU-Beitritt verhandeln. Außenminister Össur Skarphédinsson sagte in Brüssel, es sei ein "historischer Tag für Island". Sein Land und die Europäische Union begannen die Gespräche über vier von insgesamt 35 Kapiteln und schlossen zwei davon bereits ab: In den Bereichen Wissenschaft und Forschung sowie Erziehung und Kultur gebe es keinen Verhandlungsbedarf, sagte Erweiterungskommissar Stefan Füle. Zunächst wird daher lediglich über die Themen Öffentliche Auftragsvergabe und Medien verhandelt.

Skarphedinsson plant nach eigenen Angaben, in diesem Jahr die Hälfte der für einen Beitritt notwendigen Kapitel zu erörtern, darunter auch diejenigen über Fischerei und Landwirtschaft. Die Fischerei und der Walfang gelten als Problemfeld - unter anderem, weil die EU das Ende der traditionellen Waljagd in Island verlangt. Außerdem ist die EU-Skepsis innerhalb der isländischen Bevölkerung groß. "Wir brauchen eine Volksabstimmung. Und derzeit gibt es in der Bevölkerung keine Mehrheit für den EU-Beitritt. Die Menschen wollen vorher sehen, welche Folgen der EU-Beitritt für die Fischerei haben würde," so Skarphédinsson.

Der Inselstaat hatte den EU-Beitritt nach dem Zusammenbruch mehrerer heimischer Banken beantragt und erhofft sich davon vor allem wirtschaftliche Stabilität. Als Mitglied des Schengen-Abkommens und der Nato stehen die Chancen für einen raschen Beitritt nicht schlecht.

mm/AFP/DPA / DPA
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