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Völkermord-Resolutionen: Armenien beschuldigt Erdogan politischer Brandstiftung

Armenien hat dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Streit um neue Völkermord-Resolutionen politische Brandstiftung vorgeworfen. Erdogans Drohung, 100.000 illegal in der Türkei lebende Armenier auszuweisen, gefährde die Wiederannäherung beider Völker.

Armenien hat dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Streit um neue Völkermord-Resolutionen politische Brandstiftung vorgeworfen. Erdogans Drohung, 100.000 illegal in der Türkei lebende Armenier auszuweisen, gefährde die Wiederannäherung beider Völker, sagte der armenische Außenminister Edward Nalbandjan in Eriwan. "Mit solchen Erklärungen begannen jene Ereignisse, die zum Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915 führten", sagte Nalbandjan am Donnerstag nach Angaben der Agentur Arminfo.

Der Stockholmer Reichstag und der Auswärtige Ausschuss im US-Repräsentantenhaus hatten die Verfolgung der Armenier im Osmanischen Reich unlängst als Genozid bewertet und damit das Verhältnis zur Türkei belastet. Erdogan erklärte am Vortag in einem Radiointerview, dass diese Resolutionen vor allem Armenien selbst schaden würden. Er drohte damit, die illegal im Land lebenden Armenier auszuweisen. Nalbandjan betonte, dass Armenien weiter an der Normalisierung der Beziehungen zur Türkei arbeiten wolle.

Kritiker der Resolutionen haben gewarnt, dass diese den Versöhnungsprozess zwischen Türken und Armeniern stoppen könnten. Nach unterschiedlichen Schätzungen kamen 1915/16 zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Armenier im Osmanischen Reich ums Leben. Der Vorwurf des Genozids wird von der Türkei, die Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs ist, allerdings vehement bestritten. Die christlichen Armenier hätten an der Seite des Kriegsgegners Russland gestanden, heißt es in der Türkei zur Begründung.

DPA / DPA