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Überforderte Sicherheitskräfte Sturm aufs Parlamentsgebäude: Kapitolpolizei soll Bundeshilfe zuvor abgelehnt haben

Sehen Sie im Video: Polizeichef tritt nach Sturm auf US-Kapitol zurück.




Im Anschluss an den Sturm auf das Kapitol in Washington, hatte die Polizei zunächst vier Tote gemeldet: drei Personen, die medizinischen Notfällen erlegen seien, eine Frau, die durch den Schuss eines Polizisten umkam. Am Donnerstag hieß es dann in lokalen Medien, dass auch einer der Einsatzkräfte an seinen Verletzungen gestorben war. Als Reaktion auf den Vorfall wurden mehrere Einheiten der Nationalgarde um das Regierungsgebäude positioniert. Die gewaltsamen Bilder vom Mittwochabend werfen unweigerlich die Frage danach auf, warum die Polizei es nicht hatte vermeiden können, dass die wütende Menschenmenge ins Kapitol gelangen und Schäden anrichten konnte. Dieser Washingtoner Spaziergänger sagt: "Ich war überrascht, wie schnell das alles außer Kontrolle geraten ist. Ich arbeite nicht im Sicherheitsbereich, will da also auch nichts infrage stellen, aber man fragt sich schon wie das sein konnte - man konnte es ja voraussehen, der Präsident hat seit Wochen getwittert, dass er sich genau so etwas gewünscht hat, also, warum waren sie dann nicht besser vorbereitet?" Auch Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, stellte diese Frage, kritisierte das FBI, forderte eine genaue Untersuchung und den Rücktritt des zuständigen Polizeichefs. Stephen Sund, Chef der Kapitols-Polizei, reichte daraufhin seine Kündigung ein. Kritiker, darunter auch der zukünftige Präsident Joe Biden, weisen insbesondere darauf hin, wie anders sich die Gesetzeshüter im Sommer bei Ausschreitungen rund um Black Lives Matter Demonstrationen verhalten hatte.
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Die Capitol Police hatte bei der Attacke auf das Parlamentsgebäude in Washington den Angreifern nichts entgegenzusetzen. Dabei wurde ihr offenbar ausreichend Unterstützung angeboten.

Nach der Erstürmung des Kapitols durch Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump steht die für die Sicherheit des Parlaments zuständige Polizeibehörde massiv in der Kritik. Der Kapitolpolizei wird von vielen Seiten vorgeworfen, auf die Attacke des gewalttätigen Mobs im Anschluss an eine Trump-Kundgebung am Mittwoch nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein. Der Chef der Sicherheitskräfte, Steven Sund, will deshalb US-Medien zufolge am 16. Januar sein Amt niederlegen.

Pentagon und Justizministerium boten Hilfe an

Dass die Kapitolpolizei offenbar bewusst auf Verstärkung zum Schutz des Gebäudes verzichtet hat, berichtet jetzt die Nachrichtenagentur Associated Press. Drei Tage vor der Attacke auf den Kongresssitz habe das US-Verteidigungsministerium bei der Behörde nachgefragt, ob sie Verstärkung durch die Nationalgarde benötige, schreibt AP. Und als die Trump-Unterstützer das Symbol der mächtigsten Demokratie der Welt am Mittwoch angriffen, hätten Führungskräfte aus dem Justizministerium der Polizei Unterstützung durch FBI-Agenten angeboten. Beide Angebote habe die Capitol Police abgelehnt, berichtet AP unter Berufung auf hohe Beamte aus dem Verteidigungssektor und zwei Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien.

Trotz zahlreicher Warnungen vor möglichen Unruhen und reichlich Ressourcen und Zeit zur Vorbereitung darauf, hatte sich die Kapitolpolize der Nachrichtenagentur zufolge nur auf eine Demonstration für freie Meinungsäußerung eingestellt. Zudem hätten die Beamten noch unter dem Eindruck der Proteste im vergangenen Juni in der Nähe des Weißen Hauses gestanden, als es große Aufregung über die gewaltsame Reaktion der Strafverfolgungsbehörden gab. Deshalb sei die Behörde darauf bedacht gewesen, jeden Anschein zu vermeiden, dass die Regierung Soldaten oder die Nationalgarde gegen Amerikaner einsetzen würde.

Die verheerenden Folgen sind bekannt: Beim Sturm auf das Kapitol waren die Sicherheitskräfte völlig überfordert und wurden einfach überrannt. Abgeordnete und Senatoren mussten unter den Augen der Weltöffentlichkeit vor den Angreifern fliehen und sich in Sicherheit bringen lassen. Fünf Menschen starben bei den Ausschreitungen, darunter ein Polizist. 56 Polizisten wurden verletzt. Zwei Rohrbomben und sechs Schusswaffen wurden sichergestellt.

mad

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