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"Economist"-Studie: Welche Länder zum Krieg neigen - und welche nicht

Einer von 100.000 Menschen stirbt durch Krieg. Vor 50 Jahren waren es noch sechsmal so viele. Der britische "Economist" hat untersucht, welche Staaten Krieg führen - und welcher Verbündeter gerade anfällig für einen bewaffneten Konflikt ist.

Halbzerstörte Straße in Tadamun im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus

Halbzerstörte Straße in Tadamun im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus

AFP

Vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende - ein bis dahin beispielloses Gemetzel, der erste industrielle Blutvergießen und die Urkatastrophe, die 21 Jahre später in den Zweiten Weltkrieg führte. Schon 1918, vor allem aber nach 1945 hatte sich die Welt geschworen, nie wieder Kriege zu führen – ein hehres Versprechen, das sich nur wenige Jahre später in Korea als nicht haltbar erwies. Und doch: Seit Mitte des Jahrhunderts ist die Anzahl an Waffengängen deutlich zurückgegangen – und damit auch die Zahl der Toten. Und wahrscheinlich hat der Rückgang mit dem Siegeszug der Demokratie zu tun, wie der britische "Economist" vermutet.

Reich und arm bekriegt sich nicht

Das Wirtschaftsblatt hat in einer Studie sämtliche Kriege seit 1900 untersucht – und dabei geschaut, welche Staatsform am konfliktträchtigsten ist. Das Ergebnis: Zwischen 2000 und heute starb nur ein Mensch von 100.000 durch Krieg. Zwischen 1950 und 2000 waren es noch sechsmal so viel. Und im ersten halben Jahrhundert sogar das 50-fache. Am kriegslüsternsten waren dabei Länder, die weder reine Diktaturen noch reine Demokratien sind. Und solche, deren Wohlstand im Mittelmaß liegt, also weder arme noch reiche Staaten.

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Folgende Gründe hat der "Economist" ausgemacht:

Nukleares Wettrüsten

  • "Die einfachste Erklärung (für zurückgehende Kriegslust, d.Red.) ist das Aufkommen von Atombomben, die die Großmächte daran hindert, sich gegenseitig zu bekämpfen", schreibt das Blatt.

Verbreitung von Demokratien (und Handelsbeziehung)

  • Dass auch nicht nuklear bewaffnete Staaten weniger Kriege führen, könnte mit der Ausbreitung der Demokratie zu haben. "Die Forscher Bruce Russett und John Oneal haben herausgefunden, dass Länder die demokratisch verfasst sind, sehr viel Handel treiben und einer großen Anzahl internationaler Organisationen angehören, sich weniger bekriegen als autoritär geführte, isolationistische Staaten." Zudem sei es wahrscheinlicher, dass Monarchien und Diktatoren ihre Untertanen verhungern lassen oder töten.

Wohlstand und Armut

  • Weder reiche Länder noch arme Länder neigen zu Kriegen, sondern Staaten mit einem "mittleren" Pro-Kopf-Bruttoinlandprodukt. Gründe dafür könnten sein, dass ärmere Länder schlicht nicht genug Geld zur Kriegsführung haben, während reiche Staaten zu sehr über Handel miteinander verbandelt sind. Länder mit einem Pro-Kopf-BIP zwischen 4000 und 8000 Dollar (berechnet auf Grundlage von 2011) waren in den meisten Konflikten involviert. Wie Großbritannien 1914, der Iran 1980 oder Syrien 2011.

Die Ausnahme

  • Die vom "Economist" erhobenen Daten sind natürlich nur Mittelwerte, weswegen es auch Ausnahmen gibt: die USA. Über die Vereinigen Staaten schreibt das Blatt: "Die USA sind ziemlich kriegslustig und ihre fortgeschrittene Demokratie konnte den Bürgerkrieg 1861 nicht verhindern, der mehr (die USA) Leben gekostet hat, als alle Konflikte seitdem."

Fazit:

"Ein wenig politischer Wettbewerb und Wohlstand scheinen die besten Voraussetzungen dafür zu sein, zu den Waffen zu greifen. Das könnte auch erklären, warum sich die blutigsten Schlachten von Europa nach Asien, den Nahen Osten und Afrika verschoben haben. Der "Economist" befürchtet, dass es einen Staat gibt, auf den diese Punkte zutreffen, und der deshalb kriegsgefährdet ist: die Türkei.

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