Weltfinanzgipfel Merkel will Managern ans Geld


Schluss mit den übertriebenen Bonus-Zahlungen für Firmenlenker: Bundeskanzlerin Angela Merkel will auf dem Weltwirtschaftsgipfel eine radikale Umstellung der Managergehälter durchsetzen. Das Bonusmodell habe erheblich zur aktuellen Finanzkrise beigetragen, bestätigt auch die von Merkel eingesetzte Gruppe von Finanzexperten.

Kurz vor dem Weltwirtschaftsgipfel schlägt die Expertengruppe von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine neue Weltfinanzordnung eine radikale Umstellung der Manager-Bezahlung vor. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe um den ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Otmar Issing, hat die auf kurzfristige Bonuszahlungen ausgerichtete Manager-Vergütung erheblich zur Finanzkrise beigetragen.

Neue Formen der Bezahlung sind nach Auffassung der Experten nötig, um zu mehr Balance zwischen kurzfristiger und langfristiger Orientierung in den Banken zu kommen. Diese könnten sich mehr an der Bildung von Pensionsansprüchen orientieren als an kurzfristige Barauszahlungen. Staatliche Vorschriften in diese Richtung lehnen Issing und seine Kollegen aber ab.

Issing und seine Mitstreiter sprechen sich auch für eine regelmäßige Bewertung der Ratingagenturen aus. Der Erfolg ihrer Arbeit soll von unabhängigen Experten einmal im Jahr öffentlich publiziert werden. Zudem hat die Runde auch die Einführung einer sogenannten Weltrisikokarte vorgeschlagen, in der alle internationalen Finanzinstitutionen aufgeführt sein sollen. Dazu gehören auch Hedgefonds und Rückversicherer. Die Karte soll Grundlage für ein schnelleres Eingreifen bei neuen Finanzkrisen bieten.

Außerdem ist die Einführung eines Kreditregisters vorgesehen. Auch hier ist das Ziel, den Regierungen einen Überblick zu verschaffen, in welchem Ausmaß in ihren Ländern Darlehen mit einem hohen Risiko erteilt worden sind.

Merkel wird am Freitagmittag kurz vor ihrer Abreise zum Weltfinanzgipfel in Washington die Empfehlungen im Berliner Kanzleramt entgegennehmen. Der Gipfel selbst beginnt in der Nacht zum Samstag deutscher Zeit in Washington.

Im Vorfeld des Weltfinanzgipfels hat Merkel unterdessen Warnungen aus der Wirtschaft vor zu viel staatlicher Regulierung zurückgewiesen. Nach den Erfahrungen der jüngsten weltweiten Krise müssten künftig "alle Gebiete, alle Produkte und alle Geschäfte" auf den Finanzmärkten angemessen überwacht werden, sagte sie in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Die Banken müssten diesen Prozess unterstützen. "Deshalb habe ich kein Verständnis dafür, dass jetzt, kurz nachdem der Staat Schlimmeres verhindert hat, schon wieder vor zu viel Regulierung und staatlichem Einfluss gewarnt wird", sagte die Kanzlerin.

Sie erwarte von dem Finanzgipfel der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Washington an diesem Wochenende bereits erste Vereinbarungen. Länder wie USA und Großbritannien, die sich bislang gegen mehr Regulierung gewehrt hätten, dächten inzwischen in diese Richtung.

Merkel forderte erneut eine stärkere Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Kontrolle der Finanzmärkte. Es müsse auch über Sanktionsmöglichkeiten für den IWF nachgedacht werden. Dies könne allerdings bei den Verhandlungen ein schwieriger Punkt werden.

Reuters/DPA DPA Reuters

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