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WTO-KONFERENZ: Spielregeln für den Welthandel

Der Emir will seinen Wüstenstaat zu einem beliebten Urlaubsziel machen. Doch nach Kamelrennen oder Sanddünen-Ski steht kaum einem der Teilnehmer der Sinn, die heute in Katar über die Zukunft des Welthandels diskutieren.

Wenn die Handelsminister dieser Welt sich heute in Katar am Persischen Golf treffen, dann werden sie in der Region unmittelbar auf das Grundproblem ihrer Zusammenkunft stoßen. Als einer der Ursachen für die Terrorwelle, die die Welt erfasst hat und die das Ministertreffen der Welthandelsorganisation WTO in Doha unter einen fast unwirklichen Sicherheitsaspekt stellt, wird das wirtschaftliche Ungleichgewicht in der Welt genannt. Dagegen sollen sie Lösungen finden.

Die Entwicklungsländer und darunter auch viele Staaten der arabischen und asiatischen Welt können einfach nicht zum wirtschaftlichen Geleitzug aus USA, Japan und Europäischer Union aufschließen. Dies war der Vorwurf der letzten gescheiterten Ministerrunde vor zwei Jahren in Seattle. Und auch jetzt wieder heißt es, dass die Industrieländer sich ihrer Verantwortung bewusst werden müssen. Sonst komme es zu weiteren Explosionen.

Ziel: Liberalisierung des Handels

Ziel des fünftägigen Treffens ist der Beginn neuer weltweiter Gespräche über eine weitere Liberalisierung des Handels. Diese Öffnung darf aber vor allem nach den Vorstellungen der ärmeren Staaten nicht bedeuten, das die Industrieländer auf ihre Kosten ihre Märkte ausdehnen, ihnen ihre Produkte aufdrängen und sie selbst nicht konkurrieren lassen.

Der 11. September, der Tag der Terroranschläge in den USA, hatte den sich schon abzeichnenden weltweiten Abschwung

beschleunigt, sagen Experten. Allerdings hat er auch drastisch gezeigt, dass dieses Treffen der 142 WTO-Mitgliedstaaten nicht scheitern darf. Scheitern in dem Sinn, das es nicht mehr weitergeht. Denn große Erwartungen dürfe man andererseits nicht an Katar richten, heißt es etwa in diplomatischen Kreisen in Genf, am Sitz der WTO.

Deutschland schlägt volkswirtschaftlich alle Rekorde

»Diesmal wird hoffentlich nicht wie in Seattle eine lange Liste von Absichtserklärungen zur Abstimmung kommen, sondern eine Art Fahrplan für die Zukunft«, meint ein westlicher Diplomat. »Ich denke, dass wir es schaffen können«, meint der scheidende WTO-Generaldirektor, der Ire Mike Moore. Deutschland etwa braucht den freien Handel, denn mit derzeit etwa 1,3 Billionen DM schlägt der Export volkswirtschaftlich alle Rekorde.

In den Vorbereitungsgesprächen wurde keine Einigung darüber erzielt, ob in Doha Fragen wie Wettbewerb, Investitionen oder Transparenz der öffentlichen Märkte behandelt werden sollen. Das letztere sorgt ohnehin für heftige Diskussionen. Es ist ein Anliegen der USA und der EU, gegen das Entwicklungsländer Sturm laufen.

Sollten die zum Teil wegen der Terrorangst stark verkleinerten Delegationen sich auf neue Welthandelsgespräche verständigen, so wird ein positiver Schub für die kränkelnde Weltwirtschaft erwartet. Aber die Unwägbarkeiten sind sowohl vom Konferenzthema wie von der Weltlage her so groß, dass keiner der potenziellen Teilnehmer eine Prognose über den Ausgang des Treffens am Golf wagt.

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