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Historische Altlast Ort will Adolf Hitler als Ehrenbürger loswerden - und kann nicht

Adolf Hitler mit Winifred Wagner - Marktschorgast will den Nazi-Führer als Ehrenbürger loswerden
Adolf Hitler (hier mit Winifred Wagner im März 1934) ist in vielen deutschen Kommunen noch Ehrenbürger. Das zu ändern, ist nicht einfach.
© Picture Alliance
Dass Adolf Hitler in zahllosen deutschen Städten und Gemeinden Ehrenbürger war, wird niemanden wundern. Dass er es immer noch ist dagegen schon. Die Gemeinde Marktschorgast will das ändern - doch so einfach ist das leider nicht.

Im Gemeinderat des fränkischen Marktschorgast will man in dieser Woche über ein Thema reden, das man eigentlich gerne verschweigen würde. Per E-Mail erreichte die Verwaltung des 1550-Einwohner-Ortes ein Hinweis, dass Adolf Hitler und anderen Nazi-Größen nie die Ehrenbürgerschaft aberkannt wurde. Bürgermeister Hans Tischhöfer (Freie Wähler) bestätigt: "Wir haben bei einer Überprüfung festgestellt, dass die Ehrenbürgerwürde von Hitler in Marktschorgast noch besteht." Gerne würde der Rat das noch diese Woche in seiner Sitzung ändern. Doch es gibt formal-juristische Hürden, die das Ortsparlament ausbremsen.

"Einem Verstorbenen kann man das nicht einfach wegnehmen", sagt Tischhöfer über das Problem, mit dem seine Kommune nicht alleine dasteht. Rund 4000 Städte und Gemeinden in Deutschland und Österreich haben einst Hitler zum Ehrenbürger gemacht - und werden diesen Makel nun nicht mehr recht los. Denn obwohl etliche Kommunen Listen mit historischen Ehrenbürgern führen, wird die Würde eigentlich nur auf Lebenszeit verliehen. Somit wäre die Ehrenbürgerschaft zwar mit dem Tod Hitlers erloschen, sich darauf zurückzuziehen, gilt aber als umstritten. Der Grund: Der historische Ratsbeschluss bleibt auf diese Weise unwidersprochen bestehen, die jeweilige Kommune hätte sich so nie von der Würdigung des Nazi-Führers distanziert.

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Distanzierung von der Ehrung Adolf Hitlers

Das aber will Marktschorgast nun - wie etliche andere Kommunen - auf jeden Fall tun. "Unser Ziel ist es, mit der Sache abzuschließen", sagt der Bürgermeister dem lokalen Nachrichtenportal "inFranken". Den Schritt gerade in diesen Tagen zu gehen, hält man in der Gemeinde nördlich von Bayreuth für wichtig. "Jetzt, da ein Rechtsruck durch ganz Europa geht, ist das ein Zeichen", sagt Tischhöfer und erwartet einen einhelligen Beschluss, in dem sich der Gemeinderat von seinem historischen Beschluss, Adolf Hitler zu ehren, distanziert. Zwar sprechen andere Gemeinden auch von einer "Aberkennung" der Ehrenbürgerschaft, aber auch das ist - wie die Distanzierung - nur ein symbolischer Beschluss.

Dass der Ehrenbürger Hitler überhaupt zu einem Problem für deutsche Kommunen wurde, ist einem skurrilen Umstand zu verdanken. Nach dem Krieg gab es tatsächlich eine Direktive des Alliierten Kontrollrats, die den Verlust der Ehrenbürgerwürde für Kriegsverbrecher festlegt. Da Hitler jedoch nie von einem Gericht verurteilt wurde, galt diese Direktive für den "Führer" nicht.

dho mit Agentur

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