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Ärztepräsident: Hoppe verlangt neue Initiative gegen Ärztemangel

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, hat von der nächsten Bundesregierung energische Schritte gegen den Ärztemangel gefordert. Er erwarte, dass die Politik die demografische Entwicklung und den künftigen ärztlichen Versorgungsbedarf mit Vorrang aufgreife.

Die Bundesärztekammer hat von der Politik eine neue Initiative zur Bekämpfung des Ärztemangels verlangt. "Wir erwarten von der zukünftigen Bundesregierung, dass sie die demografische Entwicklung und den zukünftigen ärztlichen Versorgungsbedarf prioritär behandelt", sagte Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe.

Die Forderungen der Ärzte müssten Eingang in den neuen Koalitionsvertrag finden. Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Fragen, sondern auch um strukturelle Verbesserungen, wie zum Beispiel den Abbau der Bürokratisierung in Kliniken und Arztpraxen. Zwischen 2007 und 2017 gehen dem Bericht zufolge voraussichtlich mehr als 75.000 Ärzte in den Ruhestand.

"Viele von ihnen werden zukünftig keinen Nachfolger mehr finden, wenn sich an den aktuellen Bedingungen nicht zeitnah etwas ändert", warnte Hoppe. Denn zugleich kämen mit dem demografischen Wandel immer mehr alte Menschen und immer mehr Arbeit auf die Ärzteschaft zu. Mit der gestiegenen Lebenserwartung stiegen auch Leistungsinanspruchnahme und Intensität der Behandlung und Betreuung.

Frank-Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer, betonte, obwohl genügend Studenten ein Medizinstudium begännen, verließen zu wenig Ärzte die Universitäten, die bereit seien, auch in der präventiven oder kurativen Medizin zu arbeiten. Jeder fünfte Mediziner, der sein Studium erfolgreich beende, trete keine klinische Weiterbildung an. "20 Prozent der Absolventen verweigern sich der Knochenmühle Krankenhaus", sagte Montgomery.

Sie gingen ins Ausland oder machten etwas anderes: "Arbeit in der Medizin ist unattraktiv geworden", erklärte er. Ein weiterer wichtiger Grund für den Ärztemangel: Arzt werde zum Frauenberuf - und Ärztinnen arbeiteten weniger als Ärzte, etwa weil sie mehr Zeit für die Familie haben wollten. Der Anteil der Frauen in der Ärzteschaft stieg nach Zahlen der Bundesärztekammer zwischen 1991 und 2008 von 33,6 Prozent auf 41,4 Prozent.

AP / AP