HOME

ANWERBUNG: Achse Hamburg-München

Verbrechensbekämpfung, Recht und Ordnung - das waren die Nährstoffe, nach denen die Hamburger lechzten. Doch scheinbar mangelt es an Experten. Ein renommierter Kriminalbeamter aus München soll?s nun richten.

Hamburgs Innensenator Ronald Schill macht Ernst: Der ehemalige Amtsrichter von der Elbe, der mit seinen markigen Sicherheitsversprechen zum Shooting-Star der Politik wurde, holt Hilfe aus Bayern. Hamburgs neuer Polizeipräsident soll der Münchner Kriminaldirektor Udo Nagel werden, der in seiner Heimat als »Mister 100 Prozent« gilt. Aus Bayern warb Hamburgs Innensenator Ronald Schill zudem 20 Polizisten an, die Hamburgs Polizei von Februar an für einige Wochen verstärken sollen.

»Durch den neuen Polizeipräsidenten wird die mit Bayern eingegangene Sicherheitspartnerschaft gepflegt und intensiviert«, sagte Schill am Freitag. Es sei für ihn wichtig, »auf den Rat und die Qualifikation bayerischer Beamter zurück greifen zu können«, betonte der als »Richter Gnadenlos« bundesweit bekannt gewordene Politiker.

Sympathie für das »sichere Bayern«

Die Sympathie des gebürtigen Hamburgers Schill für das »sichere Bayern« geht sogar so weit, dass er mit seiner »Partei Rechtsstaatlicher Offensive« nicht zur Bundestagswahl antreten will, wenn die Union sich für den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten entscheidet.

»Ausgeweisener Sicherheitsexperte«

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) begrüßte voller Stolz den Wechsel »dieses ausgewiesenen Sicherheitsexperten« aus Bayern nach Hamburg. »Wenn der Hamburger Senat dieser Berufung zustimmt, sieht das der Freistaat Bayern natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge«, hatte Beckstein schon am Donnerstag verkündet. Nagel habe an vielen Stellen bewiesen, dass er auch große Herausforderungen mit Bravour meistern könne.

Nicht ganz geheuer ist die neue Achse Hamburg-München dem Hamburger SPD-Chef Olaf Scholz. »Wir brauchen eigentlich keine Verstärkung aus anderen Ländern. Aber die Koalition aus CDU, FDP und Schill-Partei findet offenbar außerhalb Bayerns niemanden, der unter einem Innensenator Schill arbeiten möchte.«

Der Sprecher der Innenbehörde, Hartmut Kapp, betonte, es habe einige Bewerber gegeben, »aber nur wenige, die für den Posten des Polizeipräsidenten tatsächlich in Frage kamen«. Entscheidend für den Münchner Kriminaldirektor seien Fachkompetenz und menschliche Aspekte gewesen. »Dass Nagel aus Bayern kommt, war natürlich auch nicht

ganz unwichtig», sagte Kapp.

»Vollmundige Versprechen«

Scholz, der bis zur Wahlschlappe von Rot-Grün im September Innensenator der Hansestadt war, sagte: »Wir sind gespannt, ob Nagel länger bleibt, als die bayerischen Polizisten.« Als Polizist habe der 50-Jährige einen guten Ruf, er wünsche ihm »viel Glück in seinem Amt«. Courage habe Nagel offenbar, denn er habe schon signalisiert, dass sich Schill mit seinen »vollmundigen Versprechen« - wie der Halbierung der Kriminalität in 100 Tagen oder der Aufstockung der Polizei um 2000 Beamte - besser zurückhalten sollte.

Der zweifache Familienvater Nagel, der seit 32 Jahren bei der Polizei ist und acht Jahre lang mit hoher Aufklärungsquote das Morddezernat in München leitete, soll noch im Januar sein Amt in Hamburg antreten. Bereits am kommenden Dienstag solle Nagel nach der Senatssitzung der Öffentlichkeit vorgestellt werden, sagte Kapp. Dass der Senat dem Vorschlag Schills folgt und den parteilosen Münchner Polizeiexperten an die Spitze der knapp 8000 Hamburger Polizisten beruft, ist dabei nach den Worten des Behördensprechers »absolut sicher«.