Bayern CSU verzichtet auf Plakataktion


Nach nur einer Woche beendet die Münchner CSU eine umstrittene Wahlkampfaktion. Auf ihren Plakaten waren Gewaltszenen vom U-Bahn-Überfall auf einen Rentner zu sehen. Bürgermeisterkandidat Josef Schmid hat sich sich jetzt zu den Gründen geäußert.
Von Patrizia Perni

Die Münchner CSU will ihre umstrittenen Wahlplakate, die Gewaltszenen aus der U-Bahn zeigen, überkleben. Das teilte überraschend Josef Schmid, CSU-Kandidat für die Münchner Oberbürgermeisterwahlen im März 2008, mit. Da, wo bisher Videobilder mit dem von Jugendlichen verprügelten Rentner Bruno N.,76, prangten und ein Schriftzug verkündete "Damit Sie nicht der nächste sind", soll künftig wieder Josef Schmid lächeln.

Der 36-jährige Rechtsanwalt tat sich schwer, den Rückzieher zu erklären. "Das neue Plakat ersetzt das alte, so wie das alte das vorherige", umständelte Schmid auf der Suche nach Worten. Außerdem habe man ein Platzproblem: "Wir haben ja auch noch andere Themen, wo sollen denn all die Plakate hin?" Und sowieso sei das umstrittene Plakat, das kaum eine Woche hing, ja eigentlich ein Erfolg gewesen, weil es "zur Debatte entscheidend beigetragen" und "Maßnahmen beschleunigt" habe.

CSU wegen Wahlkampfplakats massiv kritisiert

Tatsächlich hatte die CSU wegen ihres Plakates herbe Kritik einstecken müssen. Münchens amtierender Bürgermeister Christian Ude (SPD) bezeichnete auf Anfrage von stern.de die politische Werbung mit der Angst vor Gewalt als "moralischen Tiefpunkt der CSU". Die U-Bahngesellschaft, von deren Überwachungskameras die Bilder stammten, protestierte wegen "Copyrights-Verletzung", und auch Prügelopfer Bruno N. meinte: "Mich hat keiner gefragt." Auf die stern.de-Frage, wann die Überklebeaktion beginnt, antwortete Schmid: "Ab sofort."


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